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Neue Eskalationsstufe: Iran eröffnet den Seekrieg gegen die USA

Der iranische Angriff auf einen amerikanischen Flugzeugträger im Golf von Oman ist ein gefährlicher Präzedenzfall.
von Michael Wrase, Limassol
Die USS George Washington: Haben die Iraner versucht, diesen US-Flugzeugträger anzugreifen? (Bild: Victor R. Caivano)
Handelsschiff in der Strasse von Hormus: Der Kampf um die wichtige Meerenge geht weiter. (Bild: Vahid Salemi)

Ein im Golf von Oman versenkter iranischer Öltanker sowie zwei dauerhaft beschädigte Tanker in der Strasse von Hormus: So beantworteten die USA am Samstag einen Angriff, den es in dieser Form seit Kriegsbeginn nicht gegeben hatte. Die Revolutionsgarde hatte zuvor mehrere ballistische Raketen auf einen amerikanischen Flugzeugträger, bei dem es sich um die USS George Washington handeln dürfte, sowie auf einen Zerstörer im Golf von Oman abgefeuert.

Laut US-Armee konnten beide Schiffe den Angriffen ausweichen. Es gab keine Verletzten. Die Botschaft aus Washington folgte prompt: Admiral Brad Cooper liess die Revolutionsgarde wissen, wer auf zwei amerikanische Schiffe schiesse, müsse ab sofort mit der Zerstörung dreier eigener rechnen.

Der versenkte iranische Tanker war unbeladen; seine Besatzung wurde  vor dem Angriff gewarnt. Die beiden anderen Tanker wurden am Heck getroffen. Nach Angaben von Schiffsverfolgungsdiensten liegen derzeit knapp zwanzig iranische Tanker vor dem Verladehafen Kharg fest, blockiert durch US-Kriegsschiffe. Mehr als fünfzig weitere befinden sich im Persischen Golf und im Golf von Oman.

Handelsschiff in der Strasse von Hormus: Der Kampf um die wichtige Meerenge geht weiter. (Bild: Vahid Salemi)

Laut Danny Citrinowicz, Iran-Experte am israelischen Institute for National Security Studies (INSS) in Tel Aviv, markiert der iranische Angriff selbst die eigentliche Zäsur – unabhängig davon, wie die USA darauf reagierten. Seit Kriegsbeginn habe Teheran den Einsatz seiner Khalij-Fars-Antischiffsraketen gegen amerikanische Flugzeugträger bewusst vermieden. Die Furcht in Teheran sei gross gewesen, dass ein solcher Angriff eine grössere amerikanische Reaktion auslösen könnte.

Die jüngste Attacke, so Citrinowicz weiter, deute darauf hin, dass Teheran nun eine weitere dieser selbst gesetzten Schwellen überschritten habe. Er zeige, dass der Iran zunehmend bereit sei, Risiken einzugehen, die er zuvor vermieden habe, einschliesslich der direkten Bedrohung einiger der wichtigsten amerikanischen Militäreinheiten in der Region.

Teheran denkt offenbar nicht an Rückzug

Mit dem Überschreiten einer bislang respektierten Schwelle habe das Teheraner Regime einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen. Die Richtung sei damit klar: Teheran bereite sich auf weitere Eskalation vor, nicht auf einen Rückzug.

Auch Hamidreza Azizi von der International Crisis Group ordnet den Angriff als «eine neue Eskalationsphase» ein: Bislang habe sich Irans Militär auf Tanker und Handelsschifffahrt rund um die Strasse von Hormus konzentriert. Der direkte Angriff auf einen Flugzeugträger falle in eine andere Kategorie.

Bereits kurz nach Kriegsbeginn im Februar hatte Irina Tsukerman, Präsidentin der Risikoanalysefirma Scarab Rising, darauf hingewiesen, dass selbst ein blosser Versuch, einen Flugzeugträger anzugreifen, für Teheran erheblichen strategischen Wert haben könnte. Und zwar unabhängig vom militärischen Erfolg. Ein solcher Angriff teste amerikanische Verteidigungssysteme und Reaktionsmuster; genau dieser nachrichtendienstliche Erkenntnisgewinn mache selbst einen fehlgeschlagenen Versuch für Teheran nützlich. Auch Verbündete wie China und Russland verfolgten die US-Reaktion aufmerksam.

Zugleich schaffe ein solcher Angriff exakt jene gefährliche Eskalationsleiter, vor der Analysten seit Monaten warnen: Washington werde damit vor die Wahl zwischen Eskalation und öffentlich sichtbarer Zurückhaltung gestellt.

Laut einem von der «New York Times» zitierten amerikanischen Geheimdienstbericht sei Iran zunehmend selbstbewusst geworden. Das Regime gehe davon aus, Washington könne wegen schwindender Munitionsbestände keine grösseren neuen Angriffe mehr durchhalten.

Vor der eigenen Haustür offenbare sich dagegen ein Bild iranischer Schwäche: Eine weitgehend freigeräumte Strasse von Hormus, degradierte Küstenradare sowie eine Fehlschlagsrate von zuletzt rund 50 Prozent bei den jüngsten Angriffen auf Jordanien. Beide Lesarten stimmen jedoch in einem Punkt überein, den auch Citrinowicz und Azizi teilen: Die iranische Führung sei fest entschlossen, den Kriegsverlauf mit militärischen Mitteln zu ihren Gunsten zu verändern – ungeachtet der Frage, ob ihr die Mittel dafür tatsächlich noch ausreichen.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/neue-eskalationsstufe-iran-eroeffnet-den-seekrieg-gegen-die-usa-art-757045

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