Neue Eskalationsstufe: Iran eröffnet den Seekrieg gegen die USA
Ein im Golf von Oman versenkter iranischer Öltanker sowie zwei dauerhaft beschädigte Tanker in der Strasse von Hormus: So beantworteten die USA am Samstag einen Angriff, den es in dieser Form seit Kriegsbeginn nicht gegeben hatte. Die Revolutionsgarde hatte zuvor mehrere ballistische Raketen auf einen amerikanischen Flugzeugträger, bei dem es sich um die USS George Washington handeln dürfte, sowie auf einen Zerstörer im Golf von Oman abgefeuert.
Laut US-Armee konnten beide Schiffe den Angriffen ausweichen. Es gab keine Verletzten. Die Botschaft aus Washington folgte prompt: Admiral Brad Cooper liess die Revolutionsgarde wissen, wer auf zwei amerikanische Schiffe schiesse, müsse ab sofort mit der Zerstörung dreier eigener rechnen.
Der versenkte iranische Tanker war unbeladen; seine Besatzung wurde vor dem Angriff gewarnt. Die beiden anderen Tanker wurden am Heck getroffen. Nach Angaben von Schiffsverfolgungsdiensten liegen derzeit knapp zwanzig iranische Tanker vor dem Verladehafen Kharg fest, blockiert durch US-Kriegsschiffe. Mehr als fünfzig weitere befinden sich im Persischen Golf und im Golf von Oman.

Laut Danny Citrinowicz, Iran-Experte am israelischen Institute for National Security Studies (INSS) in Tel Aviv, markiert der iranische Angriff selbst die eigentliche Zäsur – unabhängig davon, wie die USA darauf reagierten. Seit Kriegsbeginn habe Teheran den Einsatz seiner Khalij-Fars-Antischiffsraketen gegen amerikanische Flugzeugträger bewusst vermieden. Die Furcht in Teheran sei gross gewesen, dass ein solcher Angriff eine grössere amerikanische Reaktion auslösen könnte.
Die jüngste Attacke, so Citrinowicz weiter, deute darauf hin, dass Teheran nun eine weitere dieser selbst gesetzten Schwellen überschritten habe. Er zeige, dass der Iran zunehmend bereit sei, Risiken einzugehen, die er zuvor vermieden habe, einschliesslich der direkten Bedrohung einiger der wichtigsten amerikanischen Militäreinheiten in der Region.
Teheran denkt offenbar nicht an Rückzug
Mit dem Überschreiten einer bislang respektierten Schwelle habe das Teheraner Regime einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen. Die Richtung sei damit klar: Teheran bereite sich auf weitere Eskalation vor, nicht auf einen Rückzug.
Auch Hamidreza Azizi von der International Crisis Group ordnet den Angriff als «eine neue Eskalationsphase» ein: Bislang habe sich Irans Militär auf Tanker und Handelsschifffahrt rund um die Strasse von Hormus konzentriert. Der direkte Angriff auf einen Flugzeugträger falle in eine andere Kategorie.
Bereits kurz nach Kriegsbeginn im Februar hatte Irina Tsukerman, Präsidentin der Risikoanalysefirma Scarab Rising, darauf hingewiesen, dass selbst ein blosser Versuch, einen Flugzeugträger anzugreifen, für Teheran erheblichen strategischen Wert haben könnte. Und zwar unabhängig vom militärischen Erfolg. Ein solcher Angriff teste amerikanische Verteidigungssysteme und Reaktionsmuster; genau dieser nachrichtendienstliche Erkenntnisgewinn mache selbst einen fehlgeschlagenen Versuch für Teheran nützlich. Auch Verbündete wie China und Russland verfolgten die US-Reaktion aufmerksam.
Zugleich schaffe ein solcher Angriff exakt jene gefährliche Eskalationsleiter, vor der Analysten seit Monaten warnen: Washington werde damit vor die Wahl zwischen Eskalation und öffentlich sichtbarer Zurückhaltung gestellt.
Laut einem von der «New York Times» zitierten amerikanischen Geheimdienstbericht sei Iran zunehmend selbstbewusst geworden. Das Regime gehe davon aus, Washington könne wegen schwindender Munitionsbestände keine grösseren neuen Angriffe mehr durchhalten.
Vor der eigenen Haustür offenbare sich dagegen ein Bild iranischer Schwäche: Eine weitgehend freigeräumte Strasse von Hormus, degradierte Küstenradare sowie eine Fehlschlagsrate von zuletzt rund 50 Prozent bei den jüngsten Angriffen auf Jordanien. Beide Lesarten stimmen jedoch in einem Punkt überein, den auch Citrinowicz und Azizi teilen: Die iranische Führung sei fest entschlossen, den Kriegsverlauf mit militärischen Mitteln zu ihren Gunsten zu verändern – ungeachtet der Frage, ob ihr die Mittel dafür tatsächlich noch ausreichen.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben







Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.