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Neue politische Formel

Trump macht sich zum «Wächter der Hormus-Strasse» – die Iraner schäumen: Was an der Meerenge jetzt droht

Der US-Präsident verlangt eine Abgabe von 20 Prozent auf sämtliche Frachten. Teheran wertet den Vorstoss als Provokation – und warnt die Golfstaaten vor jeder Unterstützung Washingtons.
Zwei Männer in der Strasse von Hormus, im Hintergrund warten Öltanker und Frachtschiffe auf die Durchfahrt. (Bild: Razieh Poudat)
Der selbsternannte «Schutzengel» von Hormus: US-Präsident Donald Trump. (Bild: Alex Brandon)

Donald Trump hat eine neue politische Formel für die Strasse von Hormus verkündet. Nach vier amerikanischen Angriffswellen binnen einer Woche auf den Iran und anhaltendem iranischem Beschuss der arabischen Golfstaaten erklärte der US-Präsident am Montag: Die USA würden künftig als «GUARDIAN OF THE HORMUZ STRAIT» auftreten, so Trump auf Truth Social.

Zuvor hatte er sich bereits in einem Telefoninterview mit «Fox & Friends» in diese Richtung geäussert: «Wir werden die Strasse behalten, und wir werden sie wahrscheinlich betreiben.» Man werde ab sofort zum «Schutzengel» der Meerenge – und dafür auch entschädigt werden wollen, nachdem man sie «50 Jahre lang umsonst bewacht» habe.

Nach Trumps eigener Darstellung umfasst das neue Konzept drei Elemente:

Iran wies den US-Anspruch auf die Meerenge umgehend zurück. Die Revolutionsgarden erklärten, die Strasse von Hormus sei «unser Territorium», und drohten einer «abtrünnigen, kindermordenden Armee von der anderen Seite der Welt» mit Vergeltung, sollte sie sich weiterhin illegal einmischen.

Der selbsternannte «Schutzengel» von Hormus: US-Präsident Donald Trump. (Bild: Alex Brandon)

Das iranische Aussenministerium erklärte, die Vereinbarung mit den USA befinde sich nun «zweifellos in einer Krisenphase»; die von Teheran eingerichtete Regulierungsbehörde Persian Gulf Strait Authority teilte mit, eine Durchfahrt sei angesichts der «jüngsten feindseligen Handlungen» der USA derzeit «nicht praktikabel».

Zudem warnte Teheran alle Regionalregierungen, jede Kooperation mit den USA oder logistische Unterstützung für deren Militär werde als Kriegsakt gegen die iranische Souveränität gewertet. Das US-Zentralkommando konterte knapp: Die Strasse von Hormus sei «ein zentraler Seeweg für den Welthandel – Iran kontrolliert sie nicht».

Eine Frage der Ehre und des Stolzes

Westliche Diplomaten in Teheran bezeichneten den offenbar offiziellen Anspruch der USA auf die Strasse von Hormus als seine «ungeheure Provokation für Iran» sowie «gleichzeitig eine erneute Kampfansage an das Regime». Für die Iraner sei es eine Frage der Ehre und des nationalen Stolzes, die Küstengewässer niemals den USA zu überlassen. Arabische Militärexperten in Dubai gehen davon aus, dass der Iran die Meerenge mit allen Mitteln verteidigen würde.

Die Leidtragenden könnten dann erneut die arabischen Staaten sein. Eine weitere Gewalteskalation in der Region sei wahrscheinlich. Zunächst bleibe es aber abzuwarten, was die USA ganz konkret tun würden, um die Meerenge tatsächlich physisch zu kontrollieren. Notwendig dafür wären Zehntausende von Soldaten, die Hunderte von Kilometern iranischer Küste besetzen müssten.

Nach aktuellen Daten des Marktanalyseunternehmens Kpler ist die Zahl der Durchfahrten durch die Meerenge gegenüber der Vorwoche bereits um 52 Prozent eingebrochen. Kriegsrisikoversicherungen für die Region haben sich Berichten zufolge bereits auf das Vier- bis Fünffache des früheren Niveaus verteuert. Der Ölpreis kratzte am Montagabend an der 80-Dollar-Marke, nachdem er Ende Juni auf 71 Dollar gefallen war.

Vorerst unklar bleibt, wie genau die von Trump angekündigte 20-Prozent-Abgabe rechtlich verankert und praktisch erhoben werden soll – ein Schritt, der nach den Regeln der internationalen Schifffahrt umstritten wäre, sofern er einseitig durch die USA und nicht durch eine multilaterale Übereinkunft mit den Anrainerstaaten erfolgt. Offen bleibt auch, ob China – als grösster Abnehmer iranischen Öls und einer der Hauptnutzer der Route – sowie andere grosse Energieimporteure den amerikanischen Führungsanspruch überhaupt akzeptieren würden.

 
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