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Mittelschüler setzen sich in Frankreich durch – verhasste Online-Plattform wird abgeschafft

Staatspräsident Emmanuel Macron gibt im Konflikt nach und zückt das Scheckbuch für die Mittelschüler. Ob die Sozialkrise ausgestanden ist, bleibt fraglich.
von Stefan Brändle, Paris
«Nieder mit Parcoursup»: Ein Demonstrant äussert an einer Kundgebung in Paris seine Unzufriedenheit mit dem elektronischen Studienplatz-Vergabesystem. (Bild: Firas Abdullah/EPA)

Nach den teils gewalttätigen Schulprotesten beginnt in Frankreich eine neue Phase – die der Verständigung. Premierminister Sébastien Lecornu empfing am Montag eine Gruppe junger Influencer, noch bevor er seine Pläne den Gewerkschaftern vorstellte.

Die wichtigste Neuerung besteht in der Rücknahme von Parcoursup, wie die Einschreibplattform für die Universitäten in Frankreich heisst. Sie ist überaus verhasst, da alles andere als transparent. Bildungsminister Edouard Geffray erklärte, für den Unterrichtsbeginn 2027 müsse Parcoursup mangels Alternative noch in Kraft bleiben.

Wer aber an der Einschreibhürde scheitere, werde über die Gründe informiert. Bisher erfuhren die Schulabgänger nicht einmal, warum sie den gewünschten Studienplatz nicht bekommen konnten. 2028 wird Parcoursup laut Geffray dann ganz durch ein moderneres System ersetzt, wie es etwa in Deutschland oder Grossbritannien existiert.

15'000 neue Studienplätze

Die Regierung geht auch auf andere Forderungen der Mittelschulverbände ein. Ab der «Seconde», der drittletzten Gymnasialklasse, sollen die Klassen höchstens noch 28 Schülerinnen und Schüler (heute gut 32) umfassen. Das bedingt die Anstellung von über 1300 Lehrerinnen und Lehrern.

Ursprünglich hatte Premier Lecornu 836 Lehrstellen abbauen wollen, da die Zahl der Schulklassen infolge des allgemeinen Bevölkerungsrückgangs generell am Abnehmen ist. Lecornu verspricht nun aber die Schaffung von 15'000 Studienplätzen.

Die Mittelschulorganisationen geben sich mit den Ankündigungen nicht zufrieden. Für die neuen Studienplätze und Lehrstellen, aber auch für die bauliche Sanierung maroder Schulen fordern sie 10 Milliarden Euro. Die Regierung will den für die Gymnasien zuständigen Regionen einen Kredit – in Wahrheit wohl eher eine Subvention – von 5 Milliarden Euro bereitstellen. Davon geht eine Milliarde an die Universitäten.

Dieses Geld dürfte aber noch nicht genügen, um den sozialen Frieden nach Frankreich zurückzubringen. Die mehrheitlich linken Schulverbände halten an einem neuen Protesttag am kommenden Samstag fest; für den Schulbeginn nach den Herbstferien kündigen sie ab Montag die Fortführung der Schulblockaden an.

Das Ausmass der Beteiligung wird wohl darüber entscheiden, ob die Proteste weitergehen werden. Die Gewerkschaften und die Gelbwesten verlangen an einem Streiktag am 5. November ihrerseits Massnahmen gegen den teuerungsbedingten Kaufkraftverlust von Schlechtverdienern. Dabei wird die Regierung zweifellos neue Mittel locker machen müssen.

Dazu kommen Staatshilfen für die Opfer der Plünderungen in den Grossstädten. Bei einem Besuch in Marseille stellte Macron allen Ladenbesitzern einen «Kredit» von 50'000 Euro in Aussicht. Laut dem Arbeitgeberverband Medef haben die Krawalle Frankreich rund eine Milliarde Euro gekostet. Wenn sie denn wirklich zu Ende sind.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/mittelschueler-setzen-sich-in-paris-durch-doch-der-preis-ist-hoch-art-770021

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