Macrons Abschieds-Défilé: Protzige Parade in Paris und eine überraschende Ankündigung
Zu seinem letzten Militärdéfilé klotzte Emmanuel Macron noch einmal gehörig – für die gute Sache. Der französische Präsident, der im nächsten Mai seine zweite und letzte Amtszeit beenden wird, hatte 6800 Uniformierte zum Marsch über die Pariser Prachtavenue der Champs-Elysées aufgeboten, mehr als jemals zuvor.
Darunter waren 500 Soldatinnen und Soldaten aus den dreissig europäischen Nationen, welche die «Koalition der Willigen» hinter der Ukraine bilden, und dazu 55 ukrainische Armeeangehörige. Sie waren auf der Ehrentribüne grossmehrheitlich durch ihre Staats- und Regierungschefs vertreten.

Im Mittelpunkt stand aber natürlich le Président de la République. Das fand eine gewisse Rechtfertigung im Umstand, dass er es gewesen war, der zusammen mit dem britischen Premier Keir Starmer im Frühjahr 2025 eine «Koalition der Willigen» aus der Taufe gehoben hatte, um in Zukunft einen möglichen Frieden in der Ostukraine abzusichern.
Der 48-jährige Franzose benutzte den Quatorze Juillet (14. Juli) dazu, sein konsequentes Einstehen für den Ehrengast Wolodimir Selenski zu unterstreichen. Für das Symbol hatte er ukrainische Kampfjetpiloten eingeladen, die Mirage-Staffeln als Copiloten zu begleiten, als sie über Paris donnerten. Am Vortag hatte er vor dem französischen Generalstab erklärt, sein Land wolle den Frieden und lehne jedes Kriegstreiben ab. «Aber wir halten uns auch bereit, Frieden und das Recht zu verteidigen», erklärte Macron, «und notfalls zum Preis unseres Blutes».

Die Trotzreaktion des Franzosen
Dass der russische Präsident Wladimir Putin nicht einmal an eine Waffenruhe denkt, relativiert den Sinn der Willigen-Koalition. Macron kündigte in Paris fast als Trotzreaktion und eher überraschend gemeinsame Truppenmanöver in Nachbarländern der Ukraine an. Dies solle laut Macron zeigen, dass die Europäer zu Land, in der Luft und zur See «bereit, entschlossen und glaubwürdig» seien.

Am Montagabend hatten sich die Vertreter der Koalition in Paris zu einem Nachtessen getroffen. Zehn besonders engagierte Länder, darunter Deutschland, Italien, Grossbritannien und Frankreich, gaben dabei bekannt, sie wollten weitergehen und eine «Anti-Ballistik-Front» bilden. Diese soll Mittel finden für das derzeitige Hauptproblem der Ukraine, die russischen Attacken mit ballistischen Raketen. Selbige sind schneller als Marschflugkörper und schwieriger abzufangen. Die auf zivile Ziele gerichteten Angriffe aus Russland richten unter der städtischen Bevölkerung immense Schäden an.
Selenski zeigte sich in Paris froh über die Ankündigung. Sein Land verfüge zwar über eine Flugabwehr, aber sie sei unvollständig. Auch gehen die effizienten Patriot-Abwehrraketen der USA in der Ukraine zur Neige. Selenski präsentierte deshalb seinen Partnern in Paris das deutsch-ukrainische Abwehrsystem Freya. Es sei billiger und kompletter als die Patriot-Raketen, meinte der ukrainische Präsident. Das Problem ist, dass Freya wohl erst anfangs 2027 einsatzbereit sein wird.

Macron gab zudem bekannt, dass Frankreich – ähnlich wie die USA – der Ukraine erlauben wolle, französische Marschflugkörper, Bomben und Flugabwehrraketen im eigenen Land zu produzieren. Diese Waffen helfen allerdings nicht gegen die russischen ballistischen Raketen, auf die Hauptstadt Kiew.
Die Kriegsverbrechen der Russen gehen weiter
Der pompöse Militäraufzug über die Champs-Elysées konnte nicht verbergen, dass die Koalition der Willigen einer unsicheren Zukunft entgegenblickt. Ihre beiden Initianten Macron und Starmer werden in Bälde aus ihrem Amt scheiden. In Paris waren mit Moldau und Nordmazedonien zwar neue Mitglieder vertreten. In Polen und generell Osteuropa wächst aber in Folge eines Nationalistenstreites die Kritik an der Ukraine.
Und vor allem wird sich die europäische Koalition gedulden müssen, solange Putin jede Waffenruhe ablehnt. Während die Ukraine in der Nacht auf Dienstag eine Ölraffinerie unweit des Urals attackierte, nahm Russland ukrainische zivile Ziele in Kiew, Saporischschja und Charkiw unter Beschuss – drei Kriegsverbrechen mehr.
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