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So steht der neue Papst im historischen Vergleich da

Die katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt. Wo sich das Alter und die Wahldauer von Leo XIV. einordnen – und wo die Extreme liegen.
Robert Prevost hat sich für Leo XIV. als Namen entschieden. (Bild: Alessandra Tarantino / AP)
Clemens X. war fast 80, als er zum Papst gewählt wurde. (Bild: Wikimedia)
Beim zweiten Konzil von Lyon 1274 wurde das «Ubi periculum» festgelegt. (Bild: imago-images.de)
Bildnis von Papst Julius II., gemalt von Raffael, in der National Gallery in London. (Bild: Wikimedia)

Papst Leo XIV. ist das 267. legitime Oberhaupt der katholischen Kirche seit dem Heiligen Petrus. Tatsächlich enthält die bisherige Liste nur 263 Namen, denn einer der Nachfolger Petri, Benedikt IX., herrschte im elften Jahrhundert insgesamt dreimal.

So alt ist der neue Papst im Vergleich

Das Durchschnittsalter der Päpste bis Franziskus liegt bei rund 57 Jahren gemäss den Zahlen der Onlinedatenbank «The Hierarchy of the Catholic Church», die von einem US-Amerikaner privat betrieben wird. Altersangaben gibt es demnach für 70 Prozent der bisherigen Pontifices, wobei auch bei einigen der Gewählten mit Altersangabe nicht klar ist, wie alt sie beim Amtsantritt wirklich waren. Das mittlere Alter der 16 Päpste seit dem 19. Jahrhundert bis Franziskus beträgt knapp 66 Jahre.

Papst Leo XIV. ist mit seinen 69 Jahren also überdurchschnittlich alt. Die letzten zwei Päpste waren aber noch älter: Franziskus war bei seiner Wahl 76-jährig, sein Vorgänger Benedikt XVI. sogar 78-jährig.

Die ältesten Päpste beim Amtsantritt

Als ältester Papst bei Amtsantritt gilt Clemens X., der von 1670 bis 1676 das Oberhaupt der katholischen Kirche war. Bei seiner Wahl war der Italiener bereits 79 Jahre, 9 Monate und 16 Tage alt.

Clemens X. starb nach einem für viele Zeitgenossen überraschend langen Pontifikat von sechs Jahren schliesslich mit knapp über 86 Jahren an einem Gichtleiden.

Clemens X. war fast 80, als er zum Papst gewählt wurde. (Bild: Wikimedia)

Es gibt allerdings zwei Päpste, die bei ihrer Krönung vielleicht noch älter gewesen waren als Clemens X.: Coelestin V. war zum Zeitpunkt seiner Wahl im Juli 1294 mindestens 78 Jahre alt, da seine Geburt von der katholischen Kirche auf das (spätmöglichste) Jahr 1215 datiert wird. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er um 1209/1210 geboren wurde und somit bei seiner Wahl bis zu 85 Jahre alt gewesen sein kann.

Wohl mindestens 85 Jahre alt war auch sein Namensvetter Coelestin III., der von 1191 bis 1198 auf dem Stuhl Petri sass. Sein Geburtsjahr wird auf 1105 datiert, anderen Quellen zufolge wäre aber sogar ein Alter von knapp 90 Jahren zum Wahlzeitpunkt möglich.

Die jüngsten Päpste beim Amtsantritt

Auch hier ist die Sachlage nicht ganz klar: Jüngster Papst bei Amtsantritt ist wohl Benedikt IX. gewesen, der mit mehreren Unterbrüchen zwischen 1032 und 1048 auf dem Heiligen Stuhl sass. Problematisch ist, dass das Geburtsjahr Benedikts im Dunkeln liegt, da die Quellenangaben hierzu stark schwanken. Demnach könnte er zum Zeitpunkt seiner Wahl im Jahr 1032 erst zehn oder zwölf Jahre alt gewesen sein. Manche Forscher gehen heute davon aus, dass diese Angaben übertrieben sind. Ein Alter von 14 Jahren zum Zeitpunkt der Papstwahl gilt heute aber als möglich.

Etwas gesicherter sind die Altersangaben bei Johannes XII., der höchstwahrscheinlich 16 Jahre alt war, als er am 16. Dezember 955 Papst wurde. Seine Geburt wird in zahlreichen Quellen auf das Jahr 939 datiert. Jüngster Papst, seit es gesicherte Geburtsangaben gibt, ist Leo. X. Er wurde am 9. März 1513 mit 37 Jahren, 2 Monaten und 26 Tagen zum Pontifex maximus gewählt.

So lange dauerte das Konklave 2025 im Vergleich

Acht Tage – so lange zogen sich Papstwahlen seit dem Jahr 1268 im Median in die Länge. Das heisst, die Hälfte der Konklaven dauerte länger und die andere Hälfte weniger lang. Die letzten 16 Päpste wurden im Median binnen 3,5 Tagen gewählt. Die Wahl von Papst Leo XIV. ging also vergleichsweise schnell über die Bühne. Bereits die letzten zwei Päpste, Franziskus und Benedikt XVI., wurden am zweiten Tag gewählt.

Das längste Konklave der Geschichte

Heutzutage wird die Papstwahl nach einem strengen Prozedere und klaren Regeln abgehalten. Das war aber nicht immer so: In der Frühzeit war die Wahl des Papstes in der Regel eine unstrukturierte und oft chaotische Angelegenheit, die immer wieder von weltlichen Interessen beeinflusst wurde. Korruption und Bestechungen waren keine Seltenheit, und die Wahl war oft politisch motiviert.

Ab 1059 wurden deshalb in mehreren Schritten Verhaltensregeln für die Papstwahl eingeführt. Zunächst wurde festgelegt, dass nur Kardinäle und Kleriker den Papst wählen können, später kamen die Zweidrittelmehrheit für die Wahl und die Anwesenheitspflicht der Kardinäle hinzu. 1241 wurden die Wahlberechtigten schliesslich erstmals isoliert.

Doch die Regeln waren zu unklar formuliert und wurden auch nicht wirklich eingehalten, was ab 1268 zur längsten Papstwahl der Geschichte führte. Nach dem Tod von Papst Clemens IV. dauerte es sage und schreibe 1006 Tage (über 3 Jahre), bis ein neuer Papst gewählt war.

Der Grund: Das Kardinalskollegium war in zwei Lager – ein französisch-neapolitanisches und ein italienisches – gespalten. Beide versuchten, mit allen möglichen Tricks einen Kardinal aus ihren Reihen auf den Heiligen Stuhl zu setzen, was zu Streitigkeiten, Beeinflussungen von aussen und schliesslich zu einer kompletten Blockade der Wahl führte.

Erst nach jahrelangem Stillstand, grossem Druck von aussen und als die Kardinäle nur noch Wasser und Brot bekamen und das Dach über dem Wahlpalast entfernt wurde, wurde Gregor X. 1271 nach einem Kompromiss schliesslich zum Papst gewählt – und das, obwohl sich dieser zum Wahlzeitpunkt im Heiligen Land aufhielt. Drei Jahre später legte dieser dann mit der Apostolischen Konstitution «Ubi periculum» (Deutsch: «Wo Gefahr ist») genaue Regeln für die Papstwahl fest.

Beim zweiten Konzil von Lyon 1274 wurde das «Ubi periculum» festgelegt. (Bild: imago-images.de)

Ziel der päpstlichen Bulle war es, langwieriges Taktieren und Verzögerungen während der Wahl zu reduzieren und die Wahl endgültig vor äusseren Einflüssen zu schützen. Neben zahlreichen weiteren Regelungen schrieb Gregor X. vor, dass sich die Kardinäle bis zum Abschluss der Wahl strikt von der Aussenwelt zu isolieren hätten. Das war der Beginn des Konklaves (von «cum clave»; «mit dem Schlüssel» – hinter verschlossener Tür) als verpflichtende Form der Papstwahl.

Das kürzeste Konklave der Geschichte

Bildnis von Papst Julius II., gemalt von Raffael, in der National Gallery in London. (Bild: Wikimedia)

Dank kürzeren Reisezeiten und der Verbesserung der Hygiene haben sich die Konklaven ab Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr verkürzt. Hatte es bei der Wahl Gregors XVI. im Jahr 1831 noch 54 Tage gedauert, brauchten die Kardinäle seitdem einen bis vier Tage, um einen neuen Papst zu präsentieren.

Das schnellste Konklave der Kirchengeschichte fand aber bereits im Jahr 1503 statt. Nach dem schnellen Tod des erst 26 Tage zuvor gewählten Pius III. dauerte es weniger als 24 Stunden, bis dessen Nachfolger bestimmt war. Im ersten Wahlgang wählten die Kardinäle Julius II. einstimmig zum neuen Kirchenvater.

 
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