Kanye West kommt nach Russland – lockt der Kreml Tausende in eine Falle?
Die Nachricht sorgte in Russland für einen regelrechten Hype: Am 10. und 11. Oktober soll US-Rapper Kanye West zum ersten Mal in Sankt Petersburg auftreten. Schon am ersten Tag wurden über 80'000 Tickets für die Show verkauft.
Ende Juni wollte der Skandal-Künstler im Basler St.-Jakob-Park auftreten, doch daraus wurde nichts. Der FC Basel stellte sich dagegen. Nach mehreren Absagen in Europa geht es nun also in Putins Reich.
Seit Russlands Überfall auf die Ukraine meiden internationale Stars das Land weitgehend. Auf den ersten Blick mag es nun so aussehen, als würde mit dem Konzert von Kanye West das pulsierende Unterhaltungsleben nach Russland zurückkehren. Doch so einfach ist es nicht.
Die Konzerte von Kanye West in Russland werden von der Agentur «Say Agency» organisiert, die von der Geschäftsfrau Anna Subtschewa geleitet wird. Sie unterstützt aktiv den Krieg in der Ukraine. So veröffentlichte sie beispielsweise im Juni 2023 in den sozialen Netzwerken ein Foto aus Donezk mit der Bildunterschrift: «Donezk ist sehr schön, wenn es nicht von den Ukrofaschisten beschossen wird.» Ausserdem arbeitet Subtschewa mit der Stiftung «Code des Lebens» zusammen, über die sie Wärmebildkameras und Schutzausrüstung an das russische Militär weitergibt.

Als Anerkennung für ihre Unterstützung an der Front verlieh der Kommandant einer Militäreinheit in Donezk Subtschewa die Medaille «Teilnehmerin an der militärischen Sonderoperation». In einem Video von der Verleihung dieser Medaille, das auf dem Telegram-Kanal der Stiftung veröffentlicht wurde, sagt Subtschewa: «Ich diene Russland.»
Ein Treffen mit Putin ist nicht ausgeschlossen
In einem Kommentar zum bevorstehenden Konzert erklärte Subtschewa, dass Kanye West schon seit langem gerne persönlich mit Wladimir Putin zusammentreffen würde: «Es ist noch schwer zu sagen, mit wem er sich treffen wird, aber ein lang gehegter Traum von Herrn West ist ein Treffen mit unserem Präsidenten Wladimir Putin, für den er bereits seit mehreren Jahren seine Sympathie bekundet.» Im Kreml geht man davon aus, dass ein solches Treffen mit Putin theoretisch möglich ist, sofern «es gelingt, es in den Terminkalender des russischen Staatschefs einzubauen».
Doch längst nicht alle kremlnahen Personen sind von dem Konzert von «Ye», wie sich der Rapper nun nennt, in Russland begeistert. So schrieb beispielsweise die Vorsitzende der «Liga für ein sicheres Internet», Jekaterina Mizulina, die bereits viele ins Ausland emigrierte russische Musiker bei der Polizei denunziert hat, auf Telegram: «Der Rapper Kanye West, ein Bewunderer Adolf Hitlers, kommt für Konzerte nach Russland. Hauptsache, er tritt nicht in einem T-Shirt mit Hakenkreuz auf.»
Der Abgeordnete des russischen Parlaments, Nikolai Nowitschkow, erklärte, er könne die Absage der Konzerte fordern, falls «West keine moralische Unterstützung für Russland» und den Krieg in der Ukraine bekunde. «Wenn er Geld verdienen will, muss er verstehen, dass sich das Land in einer Situation der Sonderoperationen befindet und moralische Unterstützung seitens der Kulturschaffenden benötigt», sagte er.
«Spezialoperation des Kremls zur Mobilisierung»
Tatsächlich symbolisiert das bevorstehende Konzert von Kanye West keine Rückkehr zum stürmischen Unterhaltungsleben, sondern gibt Anlass zur Sorge. Sergej Smirnow, Chefredaktor des russischen oppositionellen Medienunternehmens «Mediazona», rief in einem Podcast dazu auf, auf die Daten zu achten: Das Konzert des Rappers findet mitten in der Herbst-Einberufungsphase zum Wehrdienst statt.
«Ich habe Informationen, dass alle männlichen Besucher des Kanye-West-Konzerts am Eingang zum Stadion eine Vorladung zum Militärkommissariat erhalten werden», sagte Smirnow. Genau aus diesem Grund werde Kanye West nach Russland geholt, wobei man ihm das Dreifache des ursprünglich vereinbarten Honorars gezahlt habe. «Es wird sich um eine gross angelegte Spezialoperation des Kremls zur Mobilisierung handeln.»
Auf diese Weise könnte das Verteidigungsministerium in nur zwei Tagen, an denen Kanye Wests Konzerte stattfinden, mehrere Zehntausend Männer mobilisieren. «Stellen Sie sich vor», sagte Smirnow: «Seit vielen Jahren gab es in Russland keine Veranstaltungen dieser Grössenordnung mehr, und im Oktober werden sich Zehntausende Menschen an einem Ort versammeln – das Verteidigungsministerium wird diese günstige Gelegenheit natürlich nutzen, um eine riesige Zahl neuer Soldaten zu rekrutieren.» Die Russen sollten die heiss ersehnten Konzerte daher tunlichst meiden, so Smirnow.
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