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«Mehr als verwerflich»: Jens Spahn bekommt Baby von Leihmutter – in Deutschland wäre das verboten

Der Unions-Fraktionschef und sein Ehemann sind Eltern geworden. Die Art und Weise missfällt jedoch vielen in der CDU.
Unions-Fraktionschef Jens Spahn sorgt mit seinem Baby für Unmut in seiner Partei. (Bild: Bernd von Jutrczenka)

Die Botschaft ist kurz, aber eindeutig. «We Are Family» heisst es auf einem Instagram-Post des deutschen Medienmanagers Daniel Funke. Zu sehen sind auch ein Herz und ein Foto. Dieses zeigt Funke und seinen Ehemann Jens Spahn (CDU), den Chef der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. Der schiebt einen blauen Kinderwagen.

Viele, auch im politischen Berlin, waren von den familiären Nachrichten überrascht und wollten natürlich mehr wissen. Aushelfen konnte die «Bild»-Zeitung, die die exklusiven Informationen zum Nachwuchs im Hause Spahn/Funke hatte.

«Mein Mann ist Papa geworden, und ich mit ihm. Georg ist unser ganzes Glück. Dieses Gefühl lässt sich kaum in Worte fassen», sagte Spahn der Zeitung. Diese klärte auch auf, wie die beiden Männer zu Baby Georg, benannt nach Spahns 2024 verstorbenem Vater, gekommen waren. Der genetische Vater ist Funke, ausgetragen wurde das Kind von einer Leihmutter in den USA. Über die Frau sagen Spahn und Funke: «Sie gehört nun quasi zur Familie und wird Georgs Lebensweg begleiten.»

Einen kleinen Informationsvorsprung hatte der deutsche Kanzler Friedrich Merz (CDU). Er war schon einige Tage zuvor informiert worden. Dass das Baby nicht nur Gratulationen und Glückwünsche auslösen würde, hatte das Ehepaar wohl kommen sehen. Denn in einem Schreiben an das engere Umfeld, aus dem die «Bild» zitiert, heisst es: «Uns ist bewusst, dass wir Euch mit dieser Nachricht überraschen, und dass sich zum Thema Leihmutterschaft auch Fragen stellen.»

Der Vater zitiert Franz Beckenbauer

Funke sagt zudem: «Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht. Aber wie sagte der grosse Franz Beckenbauer: ‹Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.›» Er spielt damit an den legendären Fussballer und Trainer Beckenbauer an, der diesen Satz sagte, als bekannt wurde, dass er bei einer Weihnachtsfeier des FC Bayern München ein uneheliches Kind gezeugt hatte.

Und wie es Spahn und Funke geahnt haben: Kritische Kommentare blieben nicht aus. «Sollte es zutreffen, dass das Kind von einer Leihmutter in den USA ausgetragen wurde, um die deutsche Rechtslage zu umgehen, dann finde ich das gerade bei einem Spitzenpolitiker mehr als verwerflich», schreibt jemand auf Instagram.

Auch in den eigenen Reihen herrscht Unverständnis: «Wenn die CDU und CSU Leihmutterschaften aus ethischen Gründen ablehnen und die Union als Gesetzgeber diese auch verbietet, dann sollte dieser Massstab auch für ihre führenden Repräsentanten gelten», postete die Nachwuchsorganisation des CDU-Arbeitnehmerflügels, die Junge CDA.

«Persönlich geschockt» zeigte sich der Chef der Senioren-Union, Hubert Hüppe, im Spiegel. «Die CDU war die Partei, von der man sagte, dass sie bei dem Thema am deutlichsten ist», sagte er. Und die Vorsitzende der Frauen-Union in Thüringen, Marion Rosin, fordert sogar den Rücktritt Spahns. Wer das Verbot durch eine Auslandslösung umgehe, setze sich über den Geist des deutschen Gesetzes hinweg, sagte die CDU-Landtagsabgeordnete den Funke-Medien. Gehe die Glaubwürdigkeit eines Spitzenpolitikers verloren, sei «Rücktritt eine Frage der Konsequenz».

Erst kürzlich die Ablehnung bekräftigt

Zum einen ist, nicht nur in der Union, bekannt, was Spahn im Jahr 2015 dem Magazin GQ gesagt hatte: «Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.» Zum anderen hat sich die CDU erst im Februar auf ihrem Parteitag in ihrer Ablehnung zur Leihmutterschaft noch einmal festgelegt: «Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken gegenüber Leihmutterschaft bekräftigt die CDU Deutschlands ihre Forderung, Leihmutterschaft – auch in altruistischen Modellen – in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern.»

In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Geregelt wird dies im Embryonenschutzgesetz und im Adoptionsvermittlungsgesetz. Strafbar würden sich Ärztinnen und Ärzte machen, ebenso Vermittlerinnen und Vermittler. Nicht verboten ist allerdings, ein im Ausland von einer Leihmutter zur Welt gebrachtes Kind in Deutschland grosszuziehen. Dafür muss man allerdings eine Stange Geld hinlegen – in den USA mehr als 100'000 Euro.

 
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