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US-Gericht veröffentlicht Epsteins angeblichen Abschiedsbrief – das steht drin

Ein Gericht in New York hat eine Abschiedsnotiz des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht, welche dieser nach einem ersten Suizidversuch in seiner Zelle geschrieben haben soll.
Die nun veröffentlichte Notiz. (Bild: X)
US-Handelsminister Howard Lutnick trifft im Kapitol ein, um vor dem Kongressausschuss auszusagen. (Bild: J. Scott Applewhite/AP)

US-Richter Kenneth M. Karas folgte mit der Veröffentlichung dem Antrag der «New York Times», die zuvor über das Schreiben berichtet und um die Freigabe des Dokuments ersucht hatte.

Die nun veröffentlichte Notiz. (Bild: X)

Dessen Echtheit lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Bislang war das Dokument nicht Teil der Untersuchungen des US-Justizministeriums und auch nicht im Internet unter den Epstein-Files auffindbar. Ein Zellengenosse Epsteins soll das Schreiben nach einem ersten mutmasslichen Suizidversuch des Sexualstraftäters im Juli 2019 in einem Comic-Roman gefunden haben, berichtet die «New York Times» unter Berufung auf den Mitinsassen.

Epsteins ehemaliger Zellengenosse im Manhattan Correctional Center, Nicholas Tartaglione, erklärte, er habe den Notizzettel ursprünglich im Juli 2019 entdeckt. Dies nach einem Vorfall, bei dem Epstein bewusstlos in seiner Zelle aufgefunden wurde. Epstein überlebte diesen Vorfall, wurde jedoch wenige Wochen später tot in seiner Zelle aufgefunden.

Sein Tod wurde als Suizid eingestuft. Der frühere Polizeibeamte Tartaglione wurde später in mehreren Mordfällen schuldig befunden und 2024 zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Schreiben soll er seinen Anwälten gegeben haben, um Vorwürfe zu entkräften, er habe Epstein in der Zelle angegriffen.

In dem Dokument, das aus der Feder des verurteilten Sexualstraftäters stammen soll, heisst es:

Es sei «ein Privileg, sich den Zeitpunkt für den Abschied selbst aussuchen zu können». Weiter heisst es dort:

Der Verfasser des Schreibens kommt zu dem Schluss: «KEIN SPASS» – das sind die einzigen unterstrichenen Wörter. Weiter heisst es in dem Dokument, ebenfalls in Grossbuchstaben:

Das Schreiben erwähnt weder Epsteins Namen, noch ist es unterschrieben.

Missbrauch über Jahre

Der Multimillionär Epstein missbrauchte über Jahre zahlreiche junge Frauen. Zudem betrieb er einen Missbrauchsring dem auch Minderjährige zum Opfer fielen. Zu seinem Bekanntenkreis gehörten viele einflussreiche Menschen, aus den USA, aber auch auch aus Europa und Asien. Auch der jetzige US-Präsident Donald Trump war zeitweise eng mit Epstein befreundet, ebenso Ex-Präsident Bill Clinton.

Vor fast 20 Jahren kamen erste Vorwürfe vor Gericht, und Epstein bekannte sich in bestimmten Punkten schuldig. Jahre später wurde der Fall neu aufgerollt und der Multimillionär wieder festgenommen. Noch bevor ein mögliches weiteres Urteil gefällt werden konnte, starb der Finanzier am 10. August 2019 im Alter von 66 Jahren in seiner Gefängniszelle. Im Obduktionsbericht wurde Suizid als Todesursache genannt. Diese Darstellung wird allerdings von Kritikern angezweifelt. So ist beispielsweise Epsteins Bruder Mark überzeugt, dass dieser nicht freiwillig aus dem Leben geschieden ist.

Handelsminister wegen Epstein vor Kongressausschuss

Der Fall Epstein beschäftigt die USA aber auch weiterhin auf politischer Ebene. Nach einer Anhörung vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses zum Fall Jeffrey Epstein ist Handelsminister Howard Lutnick von den Demokraten scharf kritisiert worden.

Während der republikanische Ausschussvorsitzende James Comer sagte, Lutnick sei bei der Beschreibung seiner Interaktionen mit Epstein offen gewesen, warfen die Demokraten ihm Lügen vor und forderten seinen Rücktritt. «Er war ausweichend, nervös. Er war unehrlich», kritisierte der demokratische Abgeordnete Suhas Subramanyam aus dem US-Bundesstaat Virginia. «Er wollte nicht zugeben, dass er gelogen hat, was er eindeutig getan hat.»

Lutnick sollte vor dem Ausschuss erklären, inwiefern er nach Epsteins Verurteilung 2008 wegen Anstiftung zur Prostitution mit einer Minderjährigen weiterhin Kontakt zu dem Finanzier hatte. Er hatte zuvor widersprüchliche Angaben gemacht, betonte nun aber, er habe nichts falsch gemacht und begrüsse die Anhörung hinter verschlossenen Türen.

Enge Kontakte trotz anderweitiger Behauptungen

Lutnick hatte 2011 Epsteins Haus besucht und war 2012 mit seiner Familie auf dessen Privatinsel zum Mittagessen. Er betonte später, er habe kaum Kontakt zu Epstein gehabt. Dokumente zeigen jedoch, dass beide weiterhin per E-Mail kommunizierten, Epstein 2017 an einer Veranstaltung zu Ehren Lutnicks spendete und Lutnick ihn 2015 zu einer Spendenaktion für Hillary Clinton einlud. Während der Befragung sagte Lutnick, er erinnere sich kaum an den Inselbesuch und habe nichts Auffälliges gesehen.

US-Handelsminister Howard Lutnick trifft im Kapitol ein, um vor dem Kongressausschuss auszusagen. (Bild: J. Scott Applewhite/AP)

Die Demokraten kritisierten, dass das Gespräch nicht gefilmt wurde. «Das Ausmass der Lügen in diesem Raum ohne Videoaufnahme ist unglaublich und Teil dieser krassen Vertuschung», schimpfte die Abgeordnete Yassamin Ansari. Comer wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dies entspreche der Praxis des Ausschusses.

Der demokratische Abgeordnete James Walkinshaw sagte, dass Lutnick eine Aussage herunterspielte, in der er behauptete «Ich werde nie wieder in einem Raum mit Jeffrey Epstein sein». Er habe nur sich selbst und Epstein gemeint. Den Demokraten zufolge hat Lutnick sich auch von einer Aussage im vergangenen Jahr distanziert, wonach Epstein der «grösste Erpresser aller Zeiten» sei.

Das Weisse Haus unterstützt Lutnick weiter. Der Handelsminister ist der ranghöchste Regierungsbeamte neben Präsident Donald Trump, der in den Epstein-Akten genannt wird. Trump hat jegliches Wissen über Epsteins Verbrechen stets bestritten und gesagt, er habe die Beziehung vor Jahren beendet. (dpa/con/bos/watson)

Artikel: http://www.vaterland.li/international/jeffrey-epsteins-angeblicher-abschiedsbrief-veroeffentlicht-art-729349

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