Jared Kushners gefährliche Doppelrolle: Warum das Milliarden-Netzwerk des Trump-Schwiegersohns ins Wanken gerät
El Alamein in Ägypten. Jared Kushner sitzt Präsident al-Sisi gegenüber, wenige Stunden bevor er sich mit Hamas-Unterhändler Khalil al-Hayya an einen Tisch setzt. Bilder des Treffens zeigen einen angespannten Kushner. Kerzengerade sitzt er auf seinem Stuhl, die Mine versteinert. Es ist ein seltener Moment – direkte Gespräche zwischen Washingtons Nahost-Vermittler und der Organisation, deren Entwaffnung er durchsetzen soll.
Dass Kushner überhaupt am Verhandlungstisch sitzt, überrascht. Was aus dem Treffen am Sonntag folgt, ist ungewiss. Fest steht: In den letzten Monaten ist der Schwiegersohn von Donald Trump bei seinen Geschäftspartnern im Nahen Osten zunehmend unter Druck geraten. Noch Anfang des Jahres war der Unternehmer eine Schlüsselfigur und fädelte Deals in den Hinterzimmern Washingtons und der arabischen Halbinsel ein.
Schon in Trumps erster Amtszeit erwies sich der dreifache Vater wegen seiner Geschäftsbeziehungen nach Israel und in die Golfstaaten als überaus nützlich fürs Weisse Haus: Kushner galt als dessen verlängerter Arm im Nahen Osten – dort wiederum sah man eine Möglichkeit, Einfluss in Washington zu erlangen. Auch bei Trumps zweitem Einzug ins Weisse Haus setzte man in Doha, Riad und Co. auf den 45-Jährigen. Dann aber kam der Irankrieg.
Kushners indirekter Auftrag von seinen Geldgebern am Golf – Trump um alles in der Welt von einem Angriff auf den Iran abzuhalten – scheiterte. Seine Private-Equity-Firma «Affinity Partners» basiert zum grossen Teil auf Milliarden-Investitionen aus dem Nahen Osten. Durch seine Doppelrolle als linke Hand des Präsidenten und gut vernetzter Geschäftsmann konnte Kushner in kurzer Zeit Milliarden einsammeln. Doch das Erfolgsmodell ist seit Beginn des Irankriegs erodiert.
Die Scheichs ziehen ihr Geld zurück
Die Ernüchterung bei den Scheichs ist spürbar. Mit den Investitionen in Kushners Firma hadern sie mittlerweile, wie Recherchen von «Bloomberg» nahelegen. Die Staatsfonds der Golfstaaten prüfen nun mögliche Rücknahmen von Investitionszusagen, Veräusserungen und eine Neubewertung globaler Sponsoring-Verträge.

Als Trumps Schwiegersohn im Juni 2021 das Weisse Haus verliess, gründete er binnen 24 Stunden Affinity Partners. Sechs Monate später flossen die ersten Milliarden. Saudi-Arabiens Public Investment Fund, kontrolliert von Kronprinz Mohammed bin Salman, überwies zwei Milliarden Dollar. Später folgten die Emirate über die Investmentfirma Lunate, gesteuert von Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan, sowie Katar über die Qatar Investment Authority. Heute verwaltet Affinity mehr als sechs Milliarden Dollar.
Nun aber scheint man sich am Golf zu fragen, wofür das Ganze gut war. Der Krieg hat die US-Alliierten gleich dreifach getroffen: durch Militärschläge auf kritische Infrastruktur, durch den Einbruch des Tourismus und durch die Blockade ihrer wichtigsten Handelsroute. Wochenlang bombardierte Iran Raffinerien seiner Nachbarn. Tausende Raketen trafen jene Länder, die Milliarden in Affinity gesteckt hatten, um über Kushner Einfluss auf Trump zu nehmen. Stattdessen fanden sie sich als Kollateralschaden in einem Krieg wieder, den sie um jeden Preis vermeiden wollten.
Vom Ausgang des Kriegs im Iran hängt auch das weitere Vorgehen in Gaza ab. Kushner gerät unterdessen weiter in Bedrängnis. Denn die Anteile seiner Firmen, die von Investoren aus Nahost gehalten werden, sind über die Jahre stets gestiegen. Schon 2018 soll Salman gesagt haben, er habe Kushner «in der Tasche». Nichts zeigt diese Verflechtung stärker als die Kushner-Trump-Firma «World Liberty Financial».
Die Zeichen stehen auf Eskalation
Vier Tage vor Trumps zweiter Amtseinführung im Januar 2025 kaufte Sheikh Tahnoon bin Zayed Al Nahyan – Sicherheitsberater der Emirate – für 500 Millionen Dollar die Hälfte von World Liberty Financial. Die andere Hälfte des Kryptounternehmens halten Kushner, Donald Trump Jr., Eric Trump und Steve Witkoff, ein enger Vertrauter der Familie. Auch Witkoff kassierte bei der Überweisung – kurz darauf ernannte ihn Trump zum Nahost-Gesandten.

Nun sitzen Kushner und Witkoff abermals am Verhandlungstisch – mit offenem Ausgang. Momentan stehen die Zeichen eher auf Eskalation: Israel hat seine Angriffe auf die Terrormiliz Hisbollah im Libanon ausgeweitet, die Huthis im Jemen planen eine Blockade im Roten Meer – und Donald Trump droht dem US-Verbündeten Oman mit einer Bombardierung, sollte man bei den Iran-Verhandlungen im Weg stehen.
Viel zu tun also bei Kushners Besuch in Ägypten. Noch im Januar präsentierte er einen Plan zum Umbau des zerstörten Gaza-Streifens in einen «Wirtschaftshub»: 180 Wolkenkratzer, ein Flughafen, Industriezonen, finanziert mit mindestens 25 Milliarden Dollar. Gazas Wirtschaftsleistung solle auf 10 Milliarden Dollar wachsen – lukrative Wiederaufbau-Projekte für das Trump-Imperium inklusive.
Zur Finanzierung kündigte Kushner eine Investitionskonferenz an. Klar ist, dass er auch dabei auf das «Arab Money» hofft – seine Geldgeber also, die zunehmend skeptisch geworden sind. Bisher ist allerdings weniger als ein Prozent der angestrebten Summe zusammengekommen.
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