Iran soll Ölpreis gezielt hochhalten – um Trump bei Midterms zu schaden
Teheran will Donald Trump vor den US-Zwischenwahlen offenbar politisch unter Druck setzen. Nach Informationen der «Washington Post» sollen Angriffe und Störungen im Persischen Golf auch dazu dienen, die Ölpreise hochzuhalten – und damit die Republikaner an der Wahlurne zu schwächen.
Iran soll die Wochen vor den US-Midterms am 3. November gezielt nutzen wollen, um Präsident Donald Trump innenpolitisch zu schaden. Das berichtet die «Washington Post» unter Berufung auf iranische Regierungsvertreter und Diplomaten aus der Region.
Im Mittelpunkt steht dabei ein für amerikanische Wähler besonders sensibles Thema: die Energiepreise. Durch Angriffe auf die Schifffahrt und anhaltende Spannungen rund um die Strasse von Hormus könnten Öltransporte erschwert und damit die Preise hochgehalten werden. Genau diese hohen Energie- und Benzinkosten gehören derzeit zu den grössten politischen Problemen für Trump und die Republikaner.

Wie wichtig die US-Wahlen in Teherans Überlegungen offenbar sind, beschreibt ein arabischer Diplomat gegenüber der «Washington Post» ungewöhnlich deutlich:
Gemeint ist nicht, dass Trump bei den Midterms selbst zur Wahl steht. Entschieden wird über die Zusammensetzung des Kongresses. Die Republikaner verfügen derzeit nur über knappe Mehrheiten in Repräsentantenhaus und im Senat. Verlieren sie eine oder beide Kammern, könnte dies Trumps politischen Handlungsspielraum in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit deutlich erschweren.
Auch iranische Medien beschäftigen sich offen mit diesem Szenario. Der frühere iranische Aussenminister Manouchehr Mottaki sagte, eine Niederlage der Republikaner könne dafür sorgen, dass Trump seine verbleibenden zwei Amtsjahre «in einem Albtraum» verbringen müsse.

Ölpreis ist Trumps politische Achillesferse
Die Strategie trifft Trump an einem empfindlichen Punkt. Der Krieg mit Iran und die Unsicherheit über Lieferungen aus dem Nahen Osten haben die Energiepreise in den USA stark steigen lassen. Brent-Öl lag zuletzt zeitweise wieder bei rund 110 Dollar pro Barrel.
Hohe Benzin- und Dieselpreise belasten Haushalte direkt und haben sich deshalb zu einem zentralen Wahlkampfthema entwickelt. Reuters nennt die Lebenshaltungskosten, darunter Treibstoffpreise, als eines der prägenden Themen der diesjährigen Midterms.
Trump versucht entsprechend, die Preise vor dem Wahltag zu drücken. Seine Regierung lockerte unter anderem Beschränkungen für russischen Diesel und kündigte Hilfen für amerikanische Landwirte an, die unter hohen Treibstoffkosten leiden.

Iran sieht günstigen Zeitpunkt für Druck
Laut der «Washington Post» kalkuliert Teheran zudem damit, dass die USA unmittelbar vor der Wahl vorsichtiger auf iranische Provokationen reagieren könnten. Ein harter militärischer Gegenschlag könnte den Konflikt erneut eskalieren und die Ölpreise noch weiter nach oben treiben.
Trump selbst hat Anfang Oktober angekündigt, vor den Midterms keine neuen Angriffe auf Iran starten zu wollen. Gleichzeitig behauptete er damals bereits, Teheran versuche, bis nach dem 3. November durchzuhalten, um den Republikanern politisch zu schaden.
Iranische Kräfte haben unterdessen ihre Angriffe und Störaktionen im Umfeld der Strasse von Hormus fortgesetzt. Der Seeweg gehört zu den wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel. Jede grössere Störung kann entsprechend rasch Auswirkungen auf die Preise haben.
Botschaft soll auch künftige Präsidenten erreichen
Teherans Kalkül geht laut Experten allerdings über Trump hinaus. Die Iran-Expertin Negar Mortazavi sieht darin auch den Versuch, zukünftige US-Regierungen abzuschrecken.
Die Botschaft soll demnach lauten: Wer Iran militärisch angreift, muss mit hohen wirtschaftlichen und politischen Kosten im eigenen Land rechnen – bis hin zu Wahlniederlagen.
Damit könnte die iranische Führung versuchen, nicht nur den Ausgang der diesjährigen Midterms zu beeinflussen, sondern langfristig die Kosten eines neuen Kriegs in den Köpfen amerikanischer Politiker zu verankern.
Ob diese Strategie tatsächlich den Wahlausgang beeinflusst, ist offen. Klar ist jedoch: Der Ölpreis ist längst nicht mehr nur eine wirtschaftliche Folge des Konflikts – sondern offenbar auch Teil des politischen Machtkampfs zwischen Teheran und Washington. (mke/watson.ch)
Copyright © 2026 by Vaduzer Medienhaus
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.




