Sind Klimaanlagen rechts? In Frankreich entbrennt eine hitzige Debatte um Kühlgeräte
Frankreich leidet unter der Bruthitze. Ortsweise klettert das Thermometer diese Woche auf 45 Grad. In der Weinstadt Bordeaux am Atlantik wurden zum Beispiel 44,6 Grad gemessen.
Diesen Umstand macht sich nun die Rechtsnationalistin Marine Le Pen zu Nutze. Am Mittwoch plädierte sie für einen bereits früher lancierten «Klimatisierungsplan»: Der Staat soll Schulen, Spitäler und Altersheime mit Klimaanlagen ausrüsten und Hausbesitzer bei der Installierung solcher Geräte mit Prämien unterstützen. Es sei «kriminell», Spitalzimmer ohne Kühlung zu bauen, sagte die Vorsteherin des Rassemblement National (RN). «Wenn ich zur Staatspräsidentin gewählt werde, setze ich einen massiven Klimatisierungsplan in die Tat um».
Kühlen oder leiden, das ist die (politische) Frage
Der Vorschlag stösst in der aktuellen Hitzewelle auf ein grösstmögliches Echo. Kaum ein Viertel der Wohnhäuser sind in Frankreich gekühlt. Le Pen legt den Finger auf einen wunden Punkt. Sie wirft namentlich den Grünen vor, die Klimaanlagen aus ideologischen Gründen als «rechts» zu verunglimpfen. Das auch, weil Frankreich mit seiner Atomenergie über weitgehend CO2-neutrale Elektrizität für den Betrieb von Klimaanlagen verfüge.
Grünenchefin Marine Tondelier konterte, Le Pens ganzes Klimaprogramm beschränke sich darauf, «Luftkühler zu kaufen». Diese individuellen Geräte erhöhten mit ihrem Ausstoss heisser Luft nur noch die Temperatur bei den Nachbarn. Besser wären Massnahmen wie Wärmedämmung, Dachbegrünung, Baumpflanzen oder der Weissanstrich der Häuser. Aber «natürlich» seien die Grünen nicht gegen die Kühlung von Spitälern, Schulen und Altersheimen, fügte Tondelier an.

Solche Argumente verhallen derzeit weitgehend ungehört. Le Pen bezieht sich geschickt auf den «bon sens», den gesunden Menschenverstand. Überhitzte Räume im Sommer zu kühlen sei nicht schlimmer, als sie im Winter zu heizen, meinte auch ihr Abgeordneter Franck Allisio.
Die Linke hat dagegen einen schweren Stand. Ihr Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon erklärte zuerst herablassend, Le Pen habe «keine Ahnung». Mit Rücksicht auf die weniger betuchte Wählerschaft, die sich keine teure Klimakühlung leisten kann, liess er nun seine rechte Hand Manuel Bompard verlauten, seine Partei der Unbeugsamen sei «weder für noch gegen» Klimaanlagen.
Nur einzelne Medien greifen den Klimaplan der Lepenisten frontal an. Die kommunistische L’Humanité verweist darauf, dass Le Pen aus der Ecke der Klimaskeptiker stamme. Dass sie ihren Kühlungsplan gerade jetzt neu lanciert, hat seinen Beweggrund indessen nicht nur in der Hitzewelle. In weniger als zwei Wochen wird ein Pariser Berufungsgericht entscheiden, ob die RN-Gründerin trotz ihrer Veruntreuungsaffäre an den Präsidentschaftswahlen von Frühjahr 2027 teilnehmen kann. Mit ihrem Vorstoss macht sie den Richtern klar, dass sie weiterhin im Zentrum der politischen Debatte steht. Selbige dürfte auf jeden Fall sehr hitzig ausfallen.
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