Sturzflut in Nepal: Das wissen wir
Was ist passiert?
Eine Sturzflut hat Häuser unter sich begraben und eine schwere Spur der Zerstörung in ein Flusstal zwischen Nepal und Tibet gerissen.

Nach Berichten der Zeitung «The Kathmandu Post» und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen grosse Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfliesst. Die Flut riss Brücken mit sich, beschädigte Staudämme und liess Häuser in Sekundenschnelle im Schlamm versinken, wie dramatische Videoaufnahmen zeigten. Der Moment des Unglücks wirkte wie aus einem Katastrophenfilm.
Die Schlammassen haben auch Strassen für schweres Gerät und grosse Fahrzeuge unpassierbar gemacht und die Kommunikationsnetze teilweise zusammenbrechen lassen.
Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmassnahmen an. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus.

Die Schlammlawine habe auch die Strassen zu dem Grenzübergang sowie die Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua
Was ist unklar?
Was die Flutwelle diesmal auslöste, wird noch untersucht. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde vermutete jedoch nach ersten Analysen von Satellitenbildern, eine Gletscherlawine könnte zunächst einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben, der im Hochland von Tibet entspringt, wie die «Kathmandu Post» berichtete. Dadurch habe sich ein vorübergehender See gebildet, der anschliessend über die Ufer getreten sei. Eine Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll habe sich dann flussabwärts in den Himalaya-Staat ergossen.
Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte, in der Grenzregion zu Tibet seien durch einen Erdrutsch am Morgen (Ortszeit) Erschütterungen der Stärke 5,2 verzeichnet worden. Zunächst sei man von einem Erdbeben ausgegangen. Zusätzliche Analysen deuteten allerdings darauf hin, «dass die seismische Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt wurde», teilte die USGS mit.
Sind Menschen ums Leben gekommen?
Nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China ist die Zahl der Opfer und der Vermissten weiter angestiegen. Nepalesische Behörden meldeten 826 Vermisste, unter ihnen mehr als 500 Ausländer. Nach Angaben des Tourismusamtes stammten 178 von ihnen aus Indien und waren auf einer Pilgerreise zum heiligen Berg Kailash in Tibet.
Zudem wurden 55 Malaysier, mehr als 60 US-Amerikaner, 34 Australier, 33 Briten und 24 Kanadier vermisst. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf 170 gestiegen.
Bilder und Videos aus dem Gebiet im Himalaya legten ein erschreckendes Ausmass der Zerstörung nahe. Es war davon auszugehen, dass die Opferzahlen weiter ansteigen würden.
Die betroffene Region gilt als beliebtes Wandergebiet und Ziel von buddhistischen und hinduistischen Pilgern, die über Nepal zum heiligen Berg Kailash in Tibet wollen.
Sind unter den Opfern auch Schweizer Staatsangehörige?
Nach der heftigen Sturzflut in Nepal steht die Schweizer Vertretung in Kathmandu in Kontakt mit den zuständigen Behörden vor Ort. Am ersten Tag lagen keine Meldungen vor.
Jetzt aber hat die Tourismusbehörde bestätigt, dass ein Schweizer unter den Opfern ist. Das teilte die nepalesische Tourismusbehörde mit.
Hilfen aus dem Ausland zugesagt
Die USA sagten Nepal Hilfe mit Notunterkünften, frischem Wasser und anderen Hilfsgütern zu. Insgesamt belaufe sich die Katastrophenhilfe auf 500.000 US-Dollar (rund 430.000 Euro), teilte das Aussenministerium mit. Aus dem Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen. det deutsche Aussenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Betroffenen und Rettungskräften in der Region auf X sein Mitgefühl aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte Nepal Deutschlands Bereitschaft für Unterstützung. UN-Generalsekretär António Guterres sagte der Regierung in Nepal Hilfe durch Teams der Vereinten Nationen zu. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach, europäische Unterstützung zu mobilisieren.
Wie hilft die Schweiz?
Die Schweiz stellt in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen (UN) 500'000 Franken für Nothilfe bereit. Dies geht aus einem X-Post des Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) hervor.
Auch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) stellt für die Betroffenen der Katastrophe vorerst 50'000 Franken für Nothilfe bereit. Es hält sich bereit, das lokale Roten Kreuz mit Fachpersonal und weiterer Hilfsgeldern zu unterstützen, heisst es in einer Medienmitteilung. Dieses ist seit den ersten Stunden im Einsatz.
Auch in den Sozialen Medien sind viele Videos zum tragischen Ereignis zu finden.
(Mit Material der DPA und watson)
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