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Hape Kerkeling kämpft gegen die AfD – könnte er Bundespräsident werden?

Die AfD polarisiert wie kaum eine andere Partei in der deutschen Politik. Nun fand im Thüringer Landtag die erste öffentliche Anhörung zu einem möglichen AfD-Verbot statt. Mittendrin: Komiker Hape Kerkeling. Doch das machte die Sache kein bisschen lustiger.
von Nadja Zeindler
Hape Kerkeling spricht während einer Anhörung zu einem Parteiverbotsverfahren gegen die AfD im Thüringer Landtag. (Bild: Martin Schutt)
Hape Kerkeling hat sich seit den 80er-Jahren einen Namen als deutscher Komiker gemacht. Doch nun zeigt er, dass er auch ganz ernst sein kann. (Bild: Jan Woitas)
Als Horst Schlämmer wurde Kerkeling Kult – und versuchte sich schon einmal in der Politik. (Bild: Henning Kaiser)

«Ich spüre, dass diese Demokratie in Gefahr ist», sagte Hape Kerkeling über seinen Auftritt im Thüringer Landtag. «Ich spreche nicht als Experte für Verfassungsrecht», sagt er, sondern spreche als Nachfahre eines Opfers des Nationalsozialismus: Sein Grossvater Hermann Kerkeling verteilte 1933 Flugblätter gegen die NSDAP und sass dafür zwölf Jahre in Haft, drei davon im Konzentrationslager Buchenwald.

«Wer Rechtspopulisten wählt, ruiniert seine eigene Zukunft»

«Dieses Land hat am eigenen Leib erfahren, wie eine Demokratie sich selbst abschafft, wenn genügend Menschen wegschauen», sagte der 61-Jährige in seinem emotionalen Appell und wandte sich auch an die Wähler der AfD: «Wer Rechtspopulisten wählt, wählt nicht Protest. Er ruiniert wissentlich seine eigene Zukunft und die seiner Kinder.»

Allein ihre beschönigende Haltung gegenüber der NS-Diktatur mache die Partei in seinen Augen verfassungswidrig. Und dann fällt der vielleicht alarmierendste Satz: «Eine politische Partei, bei der alles möglich ist, und die das zu ihrem Wahlslogan macht, bei denen ist unter Umständen auch Buchenwald möglich.»

Deshalb flehte Kerkeling die Abgeordneten an: «Ich bitte Sie, nutzen Sie Ihre Stimme, den Einfluss der Landesregierung im Bundesrat, um dieses wichtige Verfahren endlich anzustossen. Das Grundgesetz ist antifaschistisch.»

Hape Kerkeling hat sich seit den 80er-Jahren einen Namen als deutscher Komiker gemacht. Doch nun zeigt er, dass er auch ganz ernst sein kann. (Bild: Jan Woitas)

Dann stellte sich Kerkeling den Fragen der Abgeordneten. Was, wenn das Verbotsverfahren scheitert? Das könne er sich kaum vorstellen, sagte er – und ging noch weiter: «Es geht darum, dass jedem einzelnen in diesem Land klar sein muss, dass wir die Demokratie verteidigen müssen.»

Die AfD wollte ihm keine Fragen stellen. Der Abgeordnete Daniel Haseloff erklärt kurz und knapp, man sehe ihn nicht als Experten. Kerkeling antwortet trocken: «Schade! Auch jetzt wieder nicht die Chance genutzt, sich vollends von allen Vorwürfen zu distanzieren.»

Von Schlämmer zum Staatsoberhaupt?

Kerkelings Interesse an Politik ist nicht neu. Der Komiker fand in seiner Satire oft Platz dafür. 1991 wurde er «fast» Chef der SPD, als sich der damals 26‑Jährige versuchte, als Gegenkandidat von Björn Engholm aufstellen zu lassen.

Seine wohl bekannteste Kunstfigur wollte ebenfalls schon in die Politik: Als Horst Schlämmer trat er 2009 im Film «Horst Schlämmer – Isch kandidiere!» mit seiner eigenen Partei für die Bundestagswahl an.

Als Horst Schlämmer wurde Kerkeling Kult – und versuchte sich schon einmal in der Politik. (Bild: Henning Kaiser)

Als die Grünen ihn 2019 tatsächlich baten, in Recklinghausen für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren, lehnte er ab. «Ich habe doch gar keine Ahnung von der Politik», sagte er zur «Bild am Sonntag».

2026 klingt es plötzlich anders. Auf Instagram tauchten im Sommer Reels auf: Kerkeling soll 2027 Bundespräsident werden. Tatsächlich gab es kurz darauf eine Petition, um ihn zum «lebendigen Symbol unseres Staates» zu machen. Zehntausende haben bereits unterschrieben.

Und der Komiker überlegt sich das Ganze offenbar wirklich. Gegenüber RTL sagt er: «Vor zehn Jahren hätte ich Ihnen gesagt: Nein, das ist nicht möglich. Nach all dem, was in der Welt geschieht: Ich schliesse das nicht mehr aus.»

Promis in der Politik

Bereits 2009 nominierte die Linke den Schauspieler Peter Sodann als Bundespräsidenten. Daraus wurde zwar nichts, aber international waren andere Promis erfolgreicher.

Arnold Schwarzenegger war Gouverneur in Kalifornien. Ex-Schauspieler Ronald Reagan wurde sogar Präsident. Ex-Box-Weltmeister Vitali Klitschko ist seit 2014 Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Auch der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski war vor seiner Wahl Schauspieler – und spielte den Präsidenten im Fernsehen.

Sogar in der Schweiz gibt es Beispiele: Ex-SRF-Moderator Matthias Aebischer und Ex-Radiomoderator Patrick Hässig wurden in den Nationalrat gewählt.

Ob Hape Kerkeling den Schritt tatsächlich wagt, bleibt abzuwarten. Klar ist schon jetzt: Seine Fans wären begeistert. Die AfD wohl eher nicht.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/hape-kerkeling-kaempft-gegen-die-afd-koennte-er-bundespraesident-werden-art-763696

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