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«Das ist kein zweites Covid-19»: Passagiere dürfen die «Hontius» verlassen

Auf Teneriffa hat die Evakuierung der vom Hantavirus-Ausbruch betroffenen Passagiere und Crewmitglieder begonnen. Die Schutzmassnahmen sind extrem.
von Manuel Meyer, Madrid
Vor dem Weiterflug in ihre Heimatländer werden die in Schutzkleidung gehüllten Evakuierten auf dem Rollfeld nochmals desinfiziert. (Bild: Arturo Rodriguez/AP)
Ein riesigers Medienaufgebot erwartete das Einlaufen der «Hondius» auf Teneriffa. (Bild: Miguel Barreto/EPA)
Die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia (Mitte) und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus (links neben ihr) informieren vor Ort über die Lage. (Bild: Alberto Valdés/EPA)
(Bild: jga)

Es war noch dunkel, als die «Hondius» in den frühen Morgenstunden um 5.30 Uhr den Hafen von Granadilla im Süden der Kanareninsel Teneriffa erreichte. Im Scheinwerferlicht eines Polizei-Hubschraubers ankerte das niederländische Kreuzfahrtschiff, auf dem Anfang Mai das tödliche Andes-Hantavirus ausgebrochen war, im Hafenbecken.

Am Hafenkai selbst durfte es nicht anlegen. Die kanarischen Behörden wollten das Infektionsrisiko auf ein Minimum reduzieren. Die Inselregierung war von Beginn an dagegen, dass das Kreuzfahrtschiff überhaupt Teneriffa anläuft, um die an Bord verbliebenen Passagiere und einen Teil der Crew in deren Heimatländer zu evakuieren. Insgesamt handelt es sich um 151 Personen aus rund 23 Ländern, darunter auch ein Schweizer.

Der Ausbruch begann wahrscheinlich Ende März 2026 im südlichen Argentinien, wo ein bereits verstorbenes Ehepaar aus den Niederlanden in Ushuaia an Bord der «Hondius» ging. Sie waren zuvor in Chile und Argentinien unterwegs gewesen und dürften sich über infizierte Nagetiere mit dem tödlichen Virus angesteckt haben.

Die ersten Symptome an Bord traten am 6. April auf. Der erste Todesfall ereignete sich fünf Tage später. Anfang Mai erreichte das Schiff die Kapverden, durfte aber nicht im Hafen von Praia einlaufen. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits drei Tote.

Die kapverdischen Behörden verweigerten die Ausschiffung aufgrund fehlender Gesundheitskapazitäten. Daraufhin bot Spanien die vor der Küste Westafrikas liegende Insel Teneriffa an, um die Menschen zu evakuieren.

Noch in der Nacht auf Sonntag hatte Inselpräsident Fernando Clavija jedoch versucht, das zu verhindern. Er sprach von einem «unkontrollierbaren Gesundheitsrisiko» für die Bevölkerung, da sich ein infiziertes Nagetier auf dem Schiff befinden und an Land gelangen könnte.

Die spanische Zentralregierung wies diese Vermutungen zurück. Experten hätten die «Hondius» gründlich untersucht. Zudem stellte Gesundheitsministerin Mónica García vor Ort klar, ein Nagetier sei nicht in der Lage, vom Schiff ans Ufer zu schwimmen.

Keine Symptome unter den Evakuierten

Bei einer ersten medizinischen Untersuchung wies keiner der Passagiere und Crewmitglieder Krankheitssymptome auf. So startete am Sonntag gegen 11 Uhr die Evakuierung nach Ländergruppen. Rund 350 Beamte der paramilitärischen Polizeieinheit Guardia Civil schirmten den Hafen weiträumig ab und sorgten für die Sicherheit des Transfers zum nahen Flughafen Teneriffa Süd. Alle Beteiligten trugen Schutzausrüstung.

Ein riesigers Medienaufgebot erwartete das Einlaufen der «Hondius» auf Teneriffa. (Bild: Miguel Barreto/EPA)

Die Passagiere durften nur dringend notwendige Gegenstände mitnehmen. Wie der Leichnam einer 78-jährigen Deutschen blieb auch das Gepäck an Bord und wird mit einer auf 30 Personen reduzierten Crew nach Rotterdam gebracht, wo es zusammen mit dem Schiff desinfiziert werden soll.

Als erstes waren die 14 Spanier – 13 Passagiere und ein Crewmitglied – an der Reihe. Danach sollten eigentlich die US-Amerikaner und Kanadier ausgeflogen werden. Doch die Passagiere dürfen die «Hondius» erst verlassen, sobald das jeweilige Evakuierungsflugzeug startbereit ist, was bei der amerikanischen Maschine nicht der Fall war.

So gingen zunächst Passagiere aus Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Griechenland und ein Teil der Crew von Bord, die nach Eindhoven geflogen wurden. Von hier werden die Personen in ihre jeweiligen Länder weiterbefördert.

Die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia (Mitte) und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus (links neben ihr) informieren vor Ort über die Lage. (Bild: Alberto Valdés/EPA)

Die Rückführungen sollen noch bis Montagnachmittag dauern. Die letzten werden die australischen Passagiere sein. Zudem schicken die Niederlande am Montag noch ein Flugzeug, um diejenigen abzuholen, deren Länder keine eigenen Maschinen schicken können. «Der gesamte Einsatz verläuft planmässig», sagte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García.

Eindringlicher Appell des WHO-Direktors

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus wandte sich in einem Aufruf an die Bevölkerung Teneriffas und sagte: «Ich weiss, dass Sie besorgt sind. Ich weiss, dass Erinnerungen hochkommen, wenn Sie das Wort ‹Ausbruch› oder ‹Epidemie› hören – Erinnerungen, die keiner von uns ganz überwunden hat. Aber ich möchte, dass Sie mich klar verstehen: Das ist kein zweites Covid-19. Das derzeitige Risiko für die öffentliche Gesundheit durch das Hantavirus bleibt gering.»

Bisher sind drei Menschen an dem Virus gestorben. Es gibt sechs bestätigte Infektionen. Teilweise gingen die betroffenen Passagiere bereits zuvor während der Reise von Bord und mussten von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausfindig gemacht werden.

(Bild: jga)

Die weltweite Verteilung der 29 vorzeitig von St. Helena abgereisten Passagiere schürte Ängste, wonach eine neuerliche Pandemie ausbrechen könnte. Unter den Infizierten befindet sich auch ein Schweizer, der aktuell im Unispital Zürich behandelt wird.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/hantavirus-kreuzfahrtschiff-hontius-auf-teneriffa-art-730098

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