Schülerproteste ebben nicht ab: Auch Greta Thunberg demonstriert jetzt mit
Frankreichweit haben Schüler und Studenten während eines erneuten Aktionstags für eine bessere Ausstattung von Schulen und bessere Lernbedingungen demonstriert. Auf Protestmärschen und Kundgebungen in Paris und anderen Grossstädten erhielten sie dabei Unterstützung von Bildungsgewerkschaften. Landesweit wurden 214 Gymnasien blockiert, berichtete das Bildungsministerium, das von einem schrumpfenden Rückhalt für die seit über zwei Wochen andauernden Proteste sprach. Einem Streikaufruf im Bildungsbereich seien nur wenige Beschäftigte gefolgt.

Polizeikräfte und Demonstranten gerieten wie schon bei vorangegangenen Protesten in einigen Städten aneinander. In Nantes setzte die Polizei zum Ende einer Kundgebung Tränengas ein. In Lyon ging die Polizei gegen eine Gruppe schwarz gekleideter Randalierer am Rande des Demonstrationszuges vor, an dem sich rund 11'000 Menschen beteiligten. In Paris erhielten demonstrierende Schüler Beifall von Passanten und Busse hupten den jungen Leuten zu. Das Innenministerium meldete am Mittag 30'000 Teilnehmer an Protestaktionen an Schulen und 21'000 Teilnehmer an den Demonstrationszügen, die sich bis dahin bereits in Bewegung gesetzt hatten.
Greta Thunberg unterstützt Schulprotest
Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg mischte sich im Pariser Vorort Saint-Denis unter die Demonstranten. «Unsere Zukunft wird uns geraubt. Und wie wir hier gesehen haben, erhalten die Schulen nicht die Investitionen, die sie benötigen, was jungen Menschen einfach signalisiert, dass sie in unserer Gesellschaft keine Priorität haben», sagte Thunberg vor Journalisten.

Die jungen Menschen aber würden nicht aufgeben und für ihre Zukunft kämpfen. «Deshalb bin ich unglaublich stolz auf die französischen Schüler.» Der französischen Polizei warf Thunberg ein extrem gewalttätiges Auftreten gegenüber den jungen Demonstranten vor. «Eigentlich sollten sie junge Menschen schützen. Eigentlich sollten sie deren Menschenrechte schützen.»
Die Forderungen der Schüler sind eigentlich simpel und verständlich: Sie wollen eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr Lehrkräfte und bessere Lernbedingungen. Konkret geht es um fehlende Vertretungslehrer, heruntergekommene Schulen mit kaputten Fenstern und herabfallenden Decken und viel zu vollgestopfte Stundenpläne. Besonders in benachteiligten Stadtteilen fühlen sich die jungen Leute als Menschen zweiter Klasse und mit ihren Sorgen nicht ernst genommen.
Regierung steht unter Sparzwang
In Paris wollten die Demonstranten in die Nähe des Sitzes des Premierministers ziehen, während in der Nationalversammlung die Beratungen über den kommenden Haushalt anlaufen. Die jungen Leute pochen auf Mehrausgaben von zehn Milliarden Euro für den Bildungsbereich. Bislang sind im Budget für das kommende Jahr 1,2 Milliarden Euro an Mehrausgaben vorgesehen. Ausserdem sagte die Regierung kurzfristig den Einsatz von mehr als 3'000 Vertretungslehrern zu, um den ärgsten Unterrichtsausfall zu bekämpfen. Den Protestierenden und den Gewerkschaften reicht das aber nicht.

Dabei sieht sich die Regierung mit den Forderungen nach mehr Geld für die Bildung in einem äusserst ungünstigen Moment konfrontiert. Premier Sébastien Lecornu hat vor einigen Tagen erst einen Sparhaushalt für 2027 vorgelegt, in dem erhebliche Milliardeneinsparungen vorgesehen sind. Denn Frankreichs Staatsverschuldung ist inzwischen auf den höchsten Stand seit 1946 gestiegen und alleine die Zinskosten verschlingen inzwischen Unsummen, die für andere Ausgaben fehlen. In dieser Lage noch auf die Schnelle einige Milliarden locker zu machen, um die protestierenden Schüler zufriedenzustellen, dürfte ein Kraftakt werden.
Schwere Ausschreitungen überschatten Proteste
Die Proteste haben in Frankreich nicht nur wegen ihrer Länge für Aufsehen gesorgt, sondern vor allem wegen der mitunter gewalttätigen Ausschreitungen. Immer wieder gab es Berichte über angegriffene Einsatzkräfte und Lehrpersonal. 147 Schulbeschäftigte wurden seit Start der Proteste verletzt, teilte das Bildungsministerium mit.
Entsetzen herrschte auch, als die Eingangshalle eines Gymnasiums in Nantes brannte und ein Feuerwehrauto in Marseille in Brand gesetzt wurde. Teils wurde auch der öffentliche Nahverkehr wegen der Proteste eingeschränkt. Die Behörden warfen jungen Menschen Sachbeschädigung und Gewalt vor, die Schäden gehen inzwischen in die Millionen. Das Innenministerium beklagte zwischenzeitlich, die Lage habe nichts mehr mit dem legitimen Äussern von Forderungen zu tun. Vielmehr erfülle sie alle Eigenschaften von städtischer Unruhe.
Zugleich wurde das Vorgehen der Polizei teils als rabiat kritisiert und es gab den Vorwurf von Polizeigewalt. Tausende junge Leute wurden bei den Protesten festgenommen. Mittlerweile laufen Dutzende interne Verfahren gegen Beamte – etwa weil ein 15-Jähriger durch eine Blendgranate seine Hand verlor und ein Polizist einem anderen Demonstranten sein Knie ins Gesicht gerammt haben soll. (dpa)
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