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Droht ein Massensterben wie 2003? So kämpft Frankreich gegen die Bruthitze

Das Land leidet geographisch bedingt speziell unter der «canicule», der Hitzewelle. Dutzende von Todesfällen versetzen die Regierung in Alarmbereitschaft. Der Eiffelturm schliesst für Besucher.
Wassersprüher beim Eiffelturm. (Bild: AP/Keystone)
Gefährlicher Sprung ins feuchte Nass - hier am Canal Saint-Martin in Paris (Bild: EPA/Keystone)

In Frankreich steigen die Temperaturen und fallen die Rekorde. Die Nacht auf Dienstag war die heisseste seit 1947. Tagsüber werden ortsweise Temperaturen von 44 Grad und mehr gemessen.

Mehr als die Hälfte der 96 Festland-Departemente haben die höchste Warnstufe Rot ausgerufen. Premierminister Sébastien Lecornu berief am Dienstag eilends eine Krisensitzung ein. Er will – muss – Verhältnisse wie in der Hitzewelle von 2003 verhindern, als 15'000 vorwiegend ältere Menschen an Hitzeschlägen und Flüssigkeitsmangel gestorben waren. Das Trauma überfüllter Leichenhallen ist in Frankreich bis heute präsent.

Kleinkinder im Auto erstickt

Aus Altersheimen werden erste mit den hohen Temperaturen erklärte Todesfälle gemeldet. Ein Indiz der kritischen Lage: In den Notfallstationen sind die Einweisungen um 60 Prozent hochgesprungen.

Aber auch junge Menschen trifft es. Das Sportministerium vermeldete am Dienstag 40 Todesfälle allein in Flüssen und stehenden Gewässern. In Carpentras (Südfrankreich) starben zwei Kinder in der Bruthitze ihres Autos.

Die Präfekturen warnen in Communiqués vor einem unvorsichtigen Verhalten von Eltern und Teenagern. Kleinkindern kann es in einem überhitzten Fahrzeug binnen Minuten an Atemluft fehlen. Der Sprung in gefährliche Gewässer oder auch nur das Schwimmen in unbemerkten Strömungen kann tödliche Folgen haben. Schwimmverbote werden trotzdem vielenorts missachtet, so auch im Pariser Trendort, dem Canal Saint-Martin.

«Passen wir aufeinander auf!», warnte Staatschef Emmanuel Macron seine Landsleute über die sozialen Medien. Sein Premier beaufsichtigte die Schliessung von über tausend Schulen. Ein Zehntel der Züge verkehren in Frankreich hitzebedingt nicht mehr. Die Regierung empfiehlt das Arbeiten im Home Office.

Gefährlicher Sprung ins feuchte Nass - hier am Canal Saint-Martin in Paris (Bild: EPA/Keystone)

In der Hauptstadt Paris ist die «canicule», die Hitzewelle, wegen der Abwesenheit von Grünflächen noch spürbarer als anderswo. Ein Symbol: Der Eiffelturm hat wegen der Bruthitze bis auf weiteres dichtgemacht. Studenten und Senioren halten es in den ehemaligen «Chambres de bonne», den Dienstboten- oder Mansardenzimmern unter den Zinkdächern, oft nicht mehr aus. Bürgermeister Emmanuel Grégoire hat deshalb angeordnet, dass die städtischen Pärke und Stadtgärten auch in der Nacht offenbleiben.

Freie Parkbänke finden sich dort kaum mehr: Wer sich keine «clim» (Air condition) leisten kann oder im Laden zu spät einen Ventilator kaufen wollte, verbringt heute die meiste Zeit im Stadtpark.

Viele Handy-Applikationen geben in Paris Ratschläge, wo man sich Wasser oder zumindest etwas frische Luft beschaffen kann. Oder welches die kühlsten Einkaufszentren oder Bahnhöfe sind. Der 10. Stadtbezirk von Paris organisiert eine Operation «ciné-clim»: Für Menschen unter 29 Jahren oder über 65 Jahren ist der klimatisierte Kinobesuch unentgeltlich.

Am Sonntag hatte die Regierung in den heissesten Departementen ein Alkoholverbot zum traditionellen Musikfest erlassen. Diese Anordnung sorgte für einen relativ ruhigen Verlauf des Abends. Die Regierung überlegt sich deshalb, den Konsum und Verkauf von Alkohol im öffentlichen Raum auch an kommenden Wochenende zu verbieten oder einzuschränken.

Dass die Regierung einen Plan gegen die Klimerwärmung aus Budgetgründen vor wenigen Monaten drastsich zusammengestrichen hatte, geht in Frankreich fürs erste unter.

 
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