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«Gerhard, wir brennen»: Die sehr spezielle Freundschaft zwischen Putin und Schröder

Der russische Präsident feierte seinen 74. Geburtstag mit dem deutschen Altkanzler. Hinter der engen Beziehung stecken längst auch handfeste wirtschaftliche und politische Interessen.
von Ivan Ruslyannikov
Alte Freunde unter sich: Gerhard Schröder und Wladimir Putin feiern den 74. Geburtstag des russischen Präsidenten. (Bild: RUSSIAN PRESIDENTIAL PRESS OFFICE)

Mit wem Wladimir Putin seinen Geburtstag verbringt, ist in Russland keine Privatangelegenheit, sondern eine Frage der Macht und des Vertrauens. Am 7. Oktober feierte Putin seinen 74. - gemeinsam mit dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Am Donnerstagabend tauchten in den Telegram-Kanälen des Kremls Fotos von Putin und Schröder vor dem Hintergrund eines russischen Ofens auf, der mit Pferdefiguren geschmückt war. Neben dem Ofen stehen ein Samowar und Walenki (traditionelle russische Winterschuhe). Der Raum ist im Stil eines alten russischen Hauses eingerichtet.

Nach Vermutungen der russischen Medienagentur «Agentstvo» wurde das Foto in Putins Residenz in Waldai aufgenommen, wo es mehrere solcher Häuschen gibt. Wie das Team des getöteten Oppositionellen Alexej Nawalny zuvor herausgefunden hatte, gibt es dort auch Banja (russische Saunen), einen Pferdestall, Golf- und Minigolfplätze, ein Restaurant mit Kinosaal sowie einen fast 7000 Quadratmeter grossen SPA-Komplex.

Laut Kreml habe Putin am Morgen des 7. Oktober «aus der Zeitung von Schröders Ankunft in Moskau» erfahren. Der Altkanzler sei im Zusammenhang mit der deutschen Supermarktkette Globus angereist. Daraufhin lud der Präsident «seinen alten Freund zu sich nach Hause» ein.

Putin und Schröder haben schon mehrfach Zeit miteinander verbracht. So erzählte Putin im Jahr 2015, wie er Schröder in die Banja eingeladen hatte: «Der ehemalige Bundeskanzler Schröder und ich waren einmal bei mir in der Residenz, und wir gingen in die Banja. Da ist sie in Flammen aufgegangen. Wirklich. Er hatte sich gerade ein Bier eingeschenkt, ich komme raus und sage: «Hör mal, Gerhard, wir müssen hier sofort raus. Wir brennen.»

Schröder habe entgegnet: «Ich trinke erst mein Bier aus, dann gehen wir.» «Bist du verrückt geworden? Wir brennen, verstehst du das oder nicht?», sei Putins Antwort gewesen. Aber Schröder habe sein Bier trotzdem ausgetrunken. «Er ist ein hartnäckiger Mann mit Charakter. Die Banja ist bis auf die Grundmauern abgebrannt.»

In Russland hat Schröder ein neues Amt übernommen: Er ist nun Mitglied des Aufsichtsrats der ursprünglich deutschen, inzwischen eigenständigen russischen Supermarktkette Hyperglobus. Er soll an der allgemeinen Leitung und der «Begleitung der strategischen Entwicklung» des Unternehmens in Russland mitwirken.

In Deutschland löste dies eine heftige Kritikwelle aus. Der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter nannte Schröders Entscheidung, sich am russischen Geschäftsleben zu beteiligen, «Verrat an Europa und am eigenen Land».

Nach Ansicht von Janis Kluge, einem deutschen Ökonomen und Leiter der Forschungsabteilung der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, hat sich Hyperglobus mit Schröders Eintritt in den Vorstand eine Art «Lebensversicherung» gekauft. Das Unternehmen ist weiterhin in Russland tätig und baut seine Präsenz dort aktiv aus.

Wie real die Gefahr einer Enteignung für westliche Unternehmen in Russland ist, zeigt der Fall Nestlé. Mitte September stellte Putin zwei russische Tochtergesellschaften des Schweizer Lebensmittelkonzerns unter Zwangsverwaltung. Nestlé bleibt zwar formal Eigentümer seiner sechs Fabriken, hat aber die Kontrolle darüber verloren. In früheren Fällen war die Zwangsverwaltung der erste Schritt zu einer faktischen Enteignung.

Für Putin ist Schröder nicht nur ein langjähriger Freund, sondern auch jemand, der in der Lage ist, seine Sichtweise zum Krieg in der Ukraine in Europa zu vertreten. Im Mai bezeichnete Putin Schröder als «bevorzugten» Vermittler in den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Dieser Vorschlag wurde in Berlin abgelehnt, da Schröder nicht vertrauenswürdig sei.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/gerhard-wir-brennen-die-besondere-freundschaft-zwischen-putin-und-schroeder-art-765589

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