«Die Bewegung ist bereits überall in Europa»: Hunderttausende demonstrieren für höhere Löhne
Bei Protesten für höhere Löhne und zur Unterstützung der Schüler- und Studentenbewegung sind in Frankreich am Donnerstag nach Angaben des Innenministeriums mehr als 600'000 Menschen auf die Strasse gegangen. Die Gewerkschaft CGT sprach von fast 1,6 Millionen Teilnehmern bei mehr als 200 Demonstrationen im ganzen Land, davon nach ihrer Schätzung 350'000 in Paris. Die Angaben übertrafen die Zahlen vom 17. Oktober, als es bei Protesten zu Ausschreitungen und Plünderungen gekommen war. Laut Innenminister Laurent Nuñez waren 70'000 Polizisten im Einsatz, unterstützt von gepanzerten Fahrzeugen, Drohnen und Hubschraubern.

Die CGT erklärte, die hohe Beteiligung an den Demonstrationen markiere eine neue Etappe der Mobilisierung. Sie werde ihren Kampf «so lange wie nötig fortsetzen», um die Regierung und die Arbeitgeber zu zwingen, ihren Forderungen nachzugeben.
Die Behörden in der Bretagne teilten mit, in Rennes hätten Vermummte versucht, Strassen zu blockieren. Junge Menschen, oft in Begleitung von Erwachsenen, hätten «schwere Gewalttaten» begangen und unter anderem Stahlkugeln auf Polizisten geschleudert. Auch aus Lyon, Nantes, Pau, Orléans und Toulouse meldeten die Behörden Spannungen, Handgemenge und andere Zwischenfälle.
Studentin in Paris: Protestbewegung längst europaweit
Die landesweiten Proteste sind aus Sicht der 21-jährigen Studentin Garance Blaise Ausdruck einer inzwischen mindestens europaweiten Bewegung. «Wir müssen jedem einzelnen Kind hier in diesem Land eine ordentliche Zukunft geben», sagte sie bei der Demonstration in Paris am Donnerstag. Es gehe darum, dass man nicht wisse, ob man einen Job bekomme.
Die Eltern wüssten das, stimmten ihren Kindern zu und hätten selbst auch Forderungen. «Ich denke also, die Bewegung ist bereits global, sie ist bereits überall in Europa», sagte sie. «Es ist die ganze Bevölkerung.»
Historiker sieht «absolute Frustration» über Frankreichs Regierung
Der Historiker Paul Smith von der englischen Universität Nottingham nimmt eine «absolute Frustration» über die Handlungsunfähigkeit der französischen Regierung wahr. Wer die Präsidentenwahl gewinne, werde einen ganzen Berg an Problemen bewältigen müssen, sagte der ausserordentliche Professor für französische Geschichte und Politik.
Im kommenden Mai wird in Frankreich ein Nachfolger von Präsident Emmanuel Macron gewählt, der laut Verfassung nicht für eine dritte Amtszeit in Folge antreten darf. «Es ist sehr schwierig, genau zu sehen, wohin sich die Dinge entwickeln», sagte Smith. (dpa)
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