Er stoppte den Messer-Piloten per Würgegriff und rettete 170 Menschen – dank einer TV-Serie
Als Yaniv Hayun am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv eintrifft, ist sein T-Shirt mit dem gelben «SKECHERS»-Schriftzug noch voller Blut. Wenige Stunden zuvor hat der Israeli geholfen, den Co-Piloten der Flydubai-Maschine zu überwältigen. Nun würdigt ihn Benjamin Netanyahu. «Ich sehe einen Löwen, einen grossen Helden», sagt der Premier.
Hayun schildert, wie er mit einem weiteren Mann ins Cockpit eindrang. Der verletzte indische Kapitän Smit Machchhar lag nahe der Tür, der omanische Co-Pilot stand zwischen den Sitzen an den Instrumenten. Dieser soll den Kapitän angegriffen und versucht haben, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. «Er versuchte, die Instrumente zu zerstören, um das Flugzeug ausser Betrieb zu setzen», erzählt Hayun.
Der Sanitärinstallateur packte den Angreifer, nahm ihn in den Würgegriff und zog ihn in die Kabine hinaus. Dann kehrte er ins Cockpit zurück. Die Maschine befand sich im steilen Sinkflug. Nach eigener Aussage zog er das Steuer nach hinten, worauf sich das Flugzeug stabilisierte. Woher er wusste, was zu tun war? Er schaue «Mayday – Alarm im Cockpit», die kanadische Dokumentarserie über Flugzeugunglücke.

Hayun gehörte zu mindestens vier israelischen Helfern. Seine Kinder hätten ihn zum Eingreifen motiviert, sagte er gegenüber Ynet: «Ich glaube, wegen meiner Kinder habe ich so gehandelt.» Er selbst blieb nach eigener Aussage unverletzt. Das Blut auf seinem T-Shirt stamme vom Co-Piloten.
Dem schwer verletzten Machchhar sprach er Mut zu: «Du wirst heute nicht sterben», erzählte er India Today. Nachdem zwei mitreisende Piloten die Steuerung übernommen hatten, stellte sich Hayun an die Cockpittür und bewachte den Zugang.
Dem Kapitän schreibt er eine entscheidende Rolle bei der Rettung zu. Er vermutet, Machchhar habe die Tür noch vor seinem Zusammenbruch entriegelt und den Passagieren dadurch das Eingreifen ermöglicht. «Er lag sehr nahe an der Tür. Das erschwerte es uns, sie zu öffnen», sagt Hayun. Nun möchte er den Kapitän persönlich treffen und ihm danken.
Sicherheitsfrage rückt wieder in den Mittelpunkt
Der Flydubai-Beinahe-GAU bietet Premier Benjamin Netanyahu die Gelegenheit, sich wenige Wochen vor der Wahl wieder als «Mr. Security» zu präsentieren. Am Ben-Gurion-Flughafen empfängt er die geretteten Passagiere und umarmt den blutverschmierten Yaniv Hayun. Die Bilder sollen einen Regierungschef zeigen, der in der Krise präsent ist und die Helden würdigt.
Politisch kann ihm das helfen, seinen Anspruch als Beschützer Israels zu erneuern und seine Verantwortung für das Versagen am 7. Oktober in den Hintergrund zu rücken - jenes Massaker, das er einmal verharmlosend als «Ereignis» bezeichnet hatte, um seine Zuständigkeit zu relativieren.
Für die Opposition entsteht ein Dilemma. Der Terror-Vorfall dürfte die Sicherheitsfrage stärker in den Mittelpunkt des Wahlkampfs rücken und andere Themen vorübergehend verdrängen. Zugleich bietet er eine Angriffsfläche: Falls Hinweise vorlagen, welche Schutzmassnahmen wurden getroffen?
Schliesslich verhinderten Passagiere und Besatzungsmitglieder die Katastrophe. Oppositionspolitiker Yair Golan würdigte deren Mut und warf der Regierung vor, ihre Leistung politisch zu vereinnahmen. Polizeiminister Itamar Ben-Gvir nutzt den Vorfall bereits, um eine Verschärfung der regionalen Militärkampagnen zu fordern.
Ob Netanyahu nach dem Beinahe-Absturz zusätzliche Stimmen gewinnt, bleibt offen. Entscheidend dürfte sein, welche Deutung sich durchsetzt: die eines wachsamen Regierungschefs oder die einer Rettung, bei der Bürger - wie am 7. Oktober - selbst handeln mussten, weil sie der Staat an jenem Schwarzen Samstag weitgehend im Stich liess.
Besondere Sprengkraft hätte indessen ein politisches Motiv des Attentäters. Dubai und Tel Aviv sind eng durch mehrere tägliche Flüge verbunden. Die Strecke gehört zu den sichtbarsten Erfolgen der Normalisierung zwischen Israel und den Emiraten. Ein Anschlag darauf wäre auch ein Schlag gegen die Vereinbarungen von 2020, mit denen mehrere arabische Staaten Israel diplomatisch anerkannten.
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