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Streit um Rassismus-Vorwurf: Elon Musk greift das ZDF an

Der amerikanische Unternehmer und Trump-Unterstützer stört sich am Vorwurf des deutschen Senders, er habe zu rassistischen Ausschreitungen aufgerufen. Die öffentlich-rechtliche Anstalt verspricht, ihre Behauptung nicht zu wiederholen.
Das ZDF hat ihm vorgeworfen, zur «Jagd auf Migranten» aufgerufen zu haben: Elon Musk, hier im Weissen Haus. (Bild: Francis Chung/Keystone)

Wer für sich in Anspruch nimmt, «Qualitätsjournalismus» zu betreiben, sollte sich um Präzision bemühen. Das ZDF, das diesen Anspruch allemal erhebt, weckt allerdings immer häufiger Zweifel daran, dass seine Angestellten in jedem Fall die nötige Sorgfalt an den Tag legen.

Nun stört sich Elon Musk, der amerikanische Unternehmer und Trump-Unterstützer, an der Berichterstattung des deutschen Senders. Sein Hamburger Rechtsanwalt hat das ZDF abgemahnt, wegen einer «ehrabschneidenden und verleumderischen Unterstellung», wie er schreibt. Musk selbst hatte zuvor auf seinem sozialen Netzwerk X von «ungeheuerlichen Lügen» geschrieben, die der öffentlich-rechtliche Sender über ihn verbreite.

Zur Beruhigung trug Musk gewiss nicht bei

Eine Moderatorin des ZDF hatte am Freitag letzter Woche in einer Nachrichtensendung behauptet, der amerikanische Unternehmer habe «zur Jagd auf Migranten» aufgerufen. Es ging um rassistische Übergriffe in der nordirischen Hauptstadt Belfast, die ausgebrochen waren, nachdem ein sudanesischer Asylbewerber am Montag letzter Woche beim Versuch, einen Mann mit einem Messer zu enthaupten, diesen schwer verletzt hatte.

Einen Tag später teilte Musk einen Tweet von Tommy Robinson, einem britischen Rechtsextremisten, in dem dieser «das ganze Vereinigte Königreich» aufgerufen hatte, um sieben Uhr abends «auf die Strasse zu gehen», nachdem erneut ein «Eindringling» («invader») «unser Volk attackiert» habe. Der Tesla-Chef hatte den Aufruf Robinsons mit dem Kommentar versehen: «Nur durch wiederholte und laute Proteste wird sich etwas ändern.»

Robinsons Tweet hatte einen rassistischen Unterton, und indem Musk ihn weiterverbreitete, trug er in einer aufgeheizten Stimmung gewiss nicht zur Beruhigung bei. Doch zur «Jagd auf Migranten» aufgerufen, wie es im ZDF hiess, hatten weder Robinson noch er. Wer ihnen unterstellt, die pogromartigen Ausschreitungen zumindest in Kauf genommen, ja vielleicht sogar willentlich befördert zu haben, begibt sich in den Bereich der Spekulation über ihre Motive.

Ebenso spekulativ ist es, der ZDF-Moderatorin vorzuwerfen, sie habe gelogen, also bewusst und mit Absicht die Unwahrheit gesagt. Dass sie die Unwahrheit gesagt hat, ist aber klar. Ihr Arbeitgeber räumte am Dienstag ein, ihre Formulierung sei «unpräzise und deshalb missverständlich». Zudem versprach der Sender, den Vorwurf gegen Musk nicht zu wiederholen, und entfernte die strittige Passage aus der Aufzeichnung der Sendung. Damit dürfte das ZDF eine Klage Musks abgewendet haben.

Kritik kommt auch von Journalistenkollegen

Allerdings sieht sich der Sender weiterhin dem Vorwurf ausgesetzt, seine Berichterstattung sei von politischen Vorlieben geprägt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Eindruck zurückbleibt, ZDF-Journalisten nähmen es mit den Fakten vor allem dann nicht ganz genau, wenn eine Geschichte gängigen, tendenziell eher linken Narrativen zu entsprechen scheint.

So war das ZDF bereits im Februar in die Kritik geraten, weil es das Vorgehen der amerikanischen Einwanderungspolizei ICE mit Bildmaterial illustriert hatte, das durch Künstliche Intelligenz generiert worden war. Ob Schlamperei oder Manipulationsabsicht dahintersteckte, blieb ungeklärt, doch deutete die Äusserung einer Moderatorin darauf hin, dass man den Beitrag ausstrahlte, obwohl man wusste, dass er KI-Material enthielt.

Dass das ZDF zumindest ein Qualitätsproblem hat, wird durchaus auch in der Branche so gesehen: Kritik an dem Sender kam nicht nur von den üblichen Verdächtigen wie «Nius», dem Krawallportal des früheren «Bild»-Chefredaktors Julian Reichelt (durch dessen X-Account Musk mutmasslich auf die ZDF-Moderation aufmerksam wurde). Auch ein Journalist des Norddeutschen Rundfunks schrieb auf X, so wie das ZDF in diesem Fall könne und dürfe man nicht arbeiten. Nun bleibt abzuwarten, ob der Sender diesmal die Chance nutzt, aus Schaden klüger zu werden.

 
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