Fusstritt gegen Sprengstoff-Drohne: Flughafen-Mitarbeiter hatte grosses Glück
Nach dem Fund mit einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Viele Fragen sind nach wie vor offen. Aus den deutschen Bundesländern kommen Forderungen nach einem besseren Schutz der Flughäfen. Zugleich werden immer mehr Details des Vorfalls bekannt.

So hat der Mitarbeiter des Flughafens, der die Drohne in der Nacht zum Mittwoch entdeckt hatte, grosses Glück gehabt. Er holte das mit einer Sprengstoffvorrichtung bestückte Fluggerät nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aus Sicherheitskreisen mit einem Fusstritt aus der Luft und brachte es zu Boden.
Nach Angaben des Landeskriminalamts des ostdeutschen Bundeslandes Sachsen – dessen grösste Stadt Leipzig ist – hatte er die Drohne auf der Start- und Landebahn «Südpiste» bemerkt. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.
Nach dpa-Informationen ist inzwischen bestätigt, dass für den Sprengsatz auch Semtex verwendet wurde. Der Plastiksprengstoff wird bei kommerziellen Sprengungen eingesetzt. Semtex gelangte während des Kalten Kriegs mehrmals in die Hände von Terroristen – so wurde der Sprengstoff beim Lockerbie-Bombenanschlag auf ein Verkehrsflugzeug über Schottland im Dezember 1988 verwendet.
Flugverkehr läuft über «Südpiste»
Der Flugverkehr auf der nördlichen Landebahn des Airports stand am Donnerstag weiter weitgehend still. In direkter Nähe der «Nordpiste» war die Polizei mit etwa 20 Wagen im Einsatz, wie ein dpa-Reporter beobachtete. Dass die Polizeikräfte nach dem zweiten, bisher unbekannten Flugobjekt suchen, mit dem in der Nacht zu Mittwoch eine DHL-Maschine kollidierte, bestätigte die zuständige Generalstaatsanwaltschaft Dresden nicht.
Seit dem Morgen starteten und landeten Flugzeuge den Beobachtungen zufolge wieder auf der sogenannten Südpiste, die zuvor noch gesperrt war.
Nach dem Drohnenfund war auf dem Flughafen ein mutmasslich zweites unbekanntes Flugobjekt mit einem Frachtflugzeug zusammengestossen, das wegen der Sperrung der Landebahn wieder durchgestartet war. Bei der Maschine seien nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt worden, hiess es. Die Suche nach diesem zweiten Objekt sollte nach Angaben des Landeskriminalamtes am Donnerstag fortgesetzt werden.
Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt hatte am Abend von einer «neuen Gefahrenqualität» und einem «hybriden Anschlagsszenario» gesprochen.
Generalstaatsanwaltschaft: Höchste Priorität
«Das Ermittlungsverfahren und die polizeilichen Massnahmen werden mit höchster Priorität geführt und dauern an», teilte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft mit. Weitere Auskünfte würden derzeit nicht erteilt. Offen blieb auch, ob die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen übernimmt. Diese ist unter anderem bei Terrorismus und Spionage zuständig.
Der Dresdner Luftverkehrsexperte Hartmut Fricke stufte den Vorfall als neue Dimension der Bedrohung für kritische Infrastruktur ein. Anders als bei bisherigen Drohnenvorfällen gehe es nicht mehr allein um die Gefahr einer Kollision mit einem Flugzeug oder Schäden durch die Drohne selbst. Eine Sprengvorrichtung erhöhe das Gefahrenpotenzial erheblich, sagte der Professor für Technologie und Logistik des Luftverkehrs an der TU Dresden der dpa.
Sollte sich ein gezielter Anschlagsversuch bestätigen, zeige der Vorfall, «dass wir in der Entdeckung derart kleiner Objekte an kritischen Infrastrukturen noch nicht gut sind», sagte Fricke. Das gelte sowohl für die verfügbaren Technologien als auch für die Geschwindigkeit, mit der diese in der Praxis eingeführt würden.
Mehr Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen
Die Zahl der Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Landesweit wurden an den 15 internationalen Verkehrsflughäfen in den ersten sechs Monaten 166 der Flugobjekte gemeldet, wie aus Zahlen der Deutschen Flugsicherung hervorgeht. Die meisten Vorfälle gab es am Berliner Hauptstadtflughafen BER (28) und am grössten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main (27). In Leipzig/Halle wurden 18 unerlaubte Fluggeräte gesichtet.
Sachsens Innenminister Armin Schuster hatte am Mittwochabend jedoch betont, dass es sich meist um Fälle unsachgemässer Anwendung durch private Piloten handle. «Das war es diesmal nicht», fügte er hinzu. (dpa)
Copyright © 2026 by Vaduzer Medienhaus
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.

