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«Go Home, you Grüsel»: Zürich bereitet Donald Trump Jr. einen nasskalten Empfang

Der älteste Sohn des US-Präsidenten ist für eine exklusive Wirtschaftskonferenz in die Schweiz gereist. Sein Empfang war alles andere als herzlich.
von Natasha Hähni, Simon Maurer
Eilte von der Öffentlichkeit weg, als würde er verfolgt: Donald Trump jr. (Bild: smr)
Polizei überall: Die Behörden wollten nichts risikieren beim Trump-Besuch. (Bild: Claudio Thoma / Keystone)
Die Polizei sperrte den Eingang rund ums Zunfthaus ab. (Bild: Claudio Thoma / Keystone)
Direkt gegenüber dem Zunfthaus zur Saffran hängen zwei Plakate von Gegnern des Trump-Besuchs. (Bild: nah)

So etwas ist wohl nur in der Schweiz möglich: Während US-Agenten vor dem Zürcher Hotel Mandarin Oriental Savoy das Gelände sichern und gepanzerte Fahrzeuge die Poststrasse säumen, taucht plötzlich eine Stadtpolizistin auf. In aller Ruhe kontrolliert sie die Parkuhr vor dem Hoteleingang und mustert die schweren Limousinen. Es ist ein erstes Signal an Donald Trump Jr.: Hier dürfen nicht einmal Präsidentensöhne falsch parken.

Dabei deutet zunächst alles auf einen grossen Auftritt hin. Rund um das Hotel herrscht an diesem Donnerstagnachmittag Ausnahmezustand. Männer in schwarzen Anzügen und mit Mikro im Ohr schreiten ein und aus, immer mehr Sicherheitskräfte beziehen ihre Stellung. «Ich werde jetzt denn gerade gepackt», scherzen einige Jugendliche ob der Anwesenheit der Agenten.

Don Jr. steigt in den Toyota statt in den BMW

Je näher der erste Auftritt des Trump-Sohns rückt, desto grösser wird die Menschentraube vor dem Hotel. Erst um 15.39 Uhr – mit mehr als einer halben Stunde Verspätung und vielen Dutzend Handykameras auf sich gerichtet – sprintet dann tatsächlich «Don Jr.» mit seiner Frau durch den einsetzenden Regen aus dem Savoy.

Doch Zeit, die Schirme aufzuspannen, bleibt keine: In wenigen Sekunden sind die beiden schon hinter dem dunklen Glas eines grauen Toyota verschwunden, begleitet von einem Konvoi aus Stadtpolizei-Töffs und einem schweren schwarzen BMW der Bundesbehörden. Die Schaulustigen, die wohl eher eine grosse Show im Stil des Vaters erwartet haben, ziehen ernüchtert weiter.

Polizei überall: Die Behörden wollten nichts risikieren beim Trump-Besuch. (Bild: Claudio Thoma / Keystone)

Doch vielleicht war das heute zu erwarten. Donald Trump Jr. ist nicht als Botschafter für die Politik seines berühmten Vaters in der Schweiz, sondern als Executive Vice President der Trump Organization. Als solcher war er einer der 70 geladenen Gästen des «Global Economic Roundtable» der Davos Lodge.

Auch vor dem Zunfthaus zur Saffran bleiben am frühen Nachmittag immer mehr Menschen stehen. Nach der Abfahrt vom Hotel soll er in wenigen Minuten beim Zunfthaus eintreffen. Die Polizei hat links und rechts vom Eingang Absperrband gespannt. Mehrere Polizeifahrzeuge sind im Gebiet stationiert.

Die Polizei sperrte den Eingang rund ums Zunfthaus ab. (Bild: Claudio Thoma / Keystone)

«Was ist hier los?», fragt eine deutsche Touristin. Sie ist mit ihrer Freundin auf Erkundungstour in Zürich. Es folgen weitere: ein älterer Amerikaner, ein kanadisches Pärchen. Die kleine Gruppe von Journalistinnen und Journalisten beim Absperrband fungiert mittlerweile im Minutentakt als Auskunftsstation. «Kommt jemand Bekanntes?», fragt eine Gruppe Teenager. Ihre Handys haben sie bereits hoch in die Luft gestreckt, um den anfahrenden Konvoi zu filmen.

Sein Vater würde es anders machen

Auf die Antwort der Frage nach dem Stargast, reagieren die meisten Leute durchzogen. «Wollen wir für den bleiben?» – «Nö», spricht sich ein junges Paar ab und läuft weiter. Einige amerikanische Touristen scheinen sich über die Ankunft des Präsidentensohns zu freuen. «Wow, echt? Trump Jr. ist hier?», fragen sie. Weniger enthusiastisch sind die einen oder anderen Anwohner. Auf der anderen Seite der Limmat sind zwei Poster im Fenster angemacht. Auf dem einen ist zu lesen: «Go Home, you Grüsel». Das zweite Poster ist wegen des Windes und Regens bereits halb vom Fenstersims heruntergefallen.

Direkt gegenüber dem Zunfthaus zur Saffran hängen zwei Plakate von Gegnern des Trump-Besuchs. (Bild: nah)

Trump Jr. scheint sich vom Mini-Protest nicht beirren zu lassen. Anders als sein Vater suchte er bei seiner Ankunft ebenfalls nicht die Aufmerksamkeit der Menschen, die vor dem Zunfthaus zur Saffran auf ihn warten. Im Gegenteil: Als der Toyota mit Don Jr. ankommt, verschwindet der Präsidentensohn nach knapp fünf Sekunden hinter der mit Sichtschutz abgeklebten Glastür. Fragen beantwortete er keine. Auf den rund 20 Metern vom Auto zur Tür drehte er sich nicht einmal um, um der Menschenmenge zuzuwinken.

Trump Senior, so unbeliebt er auch ist, hätte die Situation wohl anders gehandhabt. Der passionierte Selbstdarsteller ist bekannt dafür, dass er sich für Medien immer Zeit nimmt, wenn auch manchmal nur, um sie zu beleidigen. Sein Sohn hingegen liess Pressevertreter und Schaulustige wortwörtlich im Regen stehen.

Kurze Zeit später löste sich die Menschenmenge auch hier wieder auf, die Polizei nahm das Absperrband wieder ab. Eine Frau fuhr auf ihrem Velo durch die wieder freigegebene Fläche. Vor dem Eingang des Zunfthauses wurde sie langsamer und schrie: «Fuck Trump, Fuck Trump, Fuck Trump», so leidenschaftlich, dass sie fast über ihr Lenkrad fiel.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/donald-trump-jr-in-der-schweiz-protest-in-zuerich-art-736023

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