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Wo ist Donald Trump? US-Präsident bleibt WM bislang fern

Die von Kritikern befürchtete Donald-Trump-Show ist bei den Spielen in den USA bis hierhin ausgeblieben. Interessiert sich der US-Präsident doch nicht für Fussball?
US-Präsident Donald Trump verfolgt die Fussball-WM bislang aus der Distanz. (Bild: EPA)
Donald Trump nahm während der WM unter anderem am G7-Gipfel in Frankreich teil. (Bild: AP)
US-Aussenminister Marco Rubio (links) gehört zu den bisher prominentesten Vertretern der Trump-Regierung bei der WM. (Bild: AP)
Beim WM-Final am 19. Juli soll US-Präsident Donald Trump den Siegerpokal überreichen. (Bild: AP)

Bislang gibt es nur eine ungefähre Ahnung davon, wie Donald Trump bei dieser Fussball-WM in Erscheinung treten könnte. Für viele ist es eher eine Befürchtung. Der US-Präsident, der das Turnier nach der Vergabe als sein ganz persönliches Grossereignis verkaufte, wird am 19. Juli den Pokal überreichen – und die Zeremonie möglicherweise wieder zu seinem Moment machen. Aber bis dahin? Noch ist es eine WM ohne Donald Trump.

US-Präsident Donald Trump verfolgt die Fussball-WM bislang aus der Distanz. (Bild: EPA)

Als der US-Präsident im vergangenen Jahr im Weissen Haus eine Taskforce für die WM etablierte, freute er sich, dass ein weiteres «grosses Ereignis» während seiner Präsidentschaft stattfindet. Mit Fussballkenntnissen glänzte er dabei jedoch nicht. «Welche Mannschaft gilt derzeit als Favorit? Falls es so etwas überhaupt gibt (...)», sagte er, an FIFA-Präsident Gianni Infantino gewandt. Infantino nannte daraufhin zunächst einige Favoriten für die damals noch anstehende Club-WM. Und dann Argentinien, Brasilien, England, Deutschland und Spanien mit Blick auf die WM.

Dass Infantino den USA erst auf Nachhaken eines Reporters und Trumps Chancen zusprach, schien den US-Präsidenten nicht so sehr zu stören. Auf die Frage, ob er sich Spiele ansehen werde, sagte er: «Ich würde auf jeden Fall gerne zu mehr als einem gehen.» Mehr als ein Jahr später titelte das Portal «Politico» in diesen Tagen: «Wie lange kann Donald Trump der Fussball-WM noch fernbleiben?».

Die BBC fragte in einem Kommentar nach dem Warum und erinnerte an den demokratischen Präsidenten Bill Clinton, der die Welt beim Eröffnungsspiel der WM 1994 in den USA mit warmen Worten begrüsst hatte. Obwohl er sich am Sonntag in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social offensichtlich zufrieden mit dem Verlauf und der Ausrichtung im eigenen Land zeigte, war Trump bislang nicht einmal im Stadion. Dafür kann es mehrere Gründe geben.

Trumps Terminkalender

Der US-Präsident hatte in den vergangenen Wochen etliche Termine, die für die Weltpolitik bedeutender sind als eine Fussball-WM. Kurz nach dem Eröffnungsspiel der US-Amerikaner gegen Paraguay (4:1) in Inglewood bei Los Angeles am 12. Juni tagten in Frankreich die G7-Mächte, zudem fielen die Verhandlungen mit dem Kriegsgegner Iran in diese Zeit. Ein US-Präsident hat von Amts wegen einfach viel zu tun.

Donald Trump nahm während der WM unter anderem am G7-Gipfel in Frankreich teil. (Bild: AP)

Allerdings hielten Trump weder Gipfel noch Krieg davon ab, zu seinem 80. Geburtstag einen professionellen Käfigkampf vor dem Weissen Haus zu veranstalten – am Wochenende nach der US-Partie. Hier stand der US-Präsident im absoluten Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie wäre es wohl in den Stadien gewesen?

Die politische Landschaft

Bislang war Trump mit der WM immer in geschützten Räumen in Berührung gekommen. Etwa im Weissen Haus, als Infantino medienwirksam mehrfach zu Besuch gekommen war. Oder bei der Auslosung in Washington, als Trump von Infantino in einer befremdlichen Show den sogenannten FIFA-Friedenspreis entgegennahm. Ohne jeden Widerstand konnte Trump die Strahlkraft des Grossereignisses für sich nutzen.

Nach der Partie in Kalifornien spielten die US-Boys in Seattle gegen Australien (2:0) und erneut in Inglewood gegen die Türkei (2:3). Beide Städte sind klar demokratisch geprägt und Trump deshalb nicht zustimmend gesinnt. Als ranghöchstes Regierungsmitglied hatte Aussenminister Marco Rubio die erste Partie verfolgt – dem Sender Fox zufolge in derselben Loge wie der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom, der immer wieder für eine mögliche Kandidatur der Demokraten um die Präsidentschaftswahl 2028 gehandelt wird. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. war beim 2:0 gegen Australien in Seattle – und wurde ausgepfiffen.

US-Aussenminister Marco Rubio (links) gehört zu den bisher prominentesten Vertretern der Trump-Regierung bei der WM. (Bild: AP)

Möglicherweise vermied Trump also für ihn unbequeme Situationen. Wie die Menschen in den Stadien auf Bilder von Trump auf der grossen Videoleinwand reagiert hätten, bleibt aber Spekulation. Wegen der vielen mitreisenden Fans ist das Publikum bislang sehr heterogen, auffällig ist aber immer wieder der ausgeprägte Patriotismus der heimischen Zuschauerinnen und Zuschauer. «USA! USA!»-Rufe hallen auch durch die Stadien, wenn das eigene Team gar nicht oder in dem Moment ganz woanders spielt.

Wichtig ist die ganz grosse Bühne

«Es geht ihm um das Hauptereignis – das WM-Finale. Denn dort sind die höchsten Einschaltquoten zu erwarten», sagte der Politikstratege Federico de Jesus der BBC. Er verwies darauf, dass Trump etwa den Super Bowl im vergangenen Jahr in New Orleans verfolgt habe, zuvor aber kein Spiel in der regulären Saison der American-Football-Liga NFL. Kurz vor der WM war er bei einem der Basketball-Finalspiele der NBA in der Halle der New York Knicks. Fussball hat es in den USA seit jeher schwer gegen Football, Basketball, Eishockey und Baseball.

Dann also das WM-Finale. Dass die feierliche Übergabe des Pokals auch politisch als Schaubühne genutzt wird, ist nicht ungewöhnlich. Bei der WM 2022 in Katar war Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani auf dem Rasen dabei und ehrte das argentinische Weltmeisterteam um Superstar Lionel Messi.

Beim WM-Final am 19. Juli soll US-Präsident Donald Trump den Siegerpokal überreichen. (Bild: AP)

Und Trump hat schon Erfahrungen: Bei der Club-WM im vergangenen Jahr hatten Infantino und Trump gemeinsam das Siegerteam des FC Chelsea geehrt. Anschliessend hatte der US-Präsident für Verwunderung gesorgt, weil er entgegen der Tradition für das Siegerfoto mit den Fussballern auf dem Podium stehenblieb. Infantino wies ihm freundlich, aber bestimmt den Weg von der Bühne. (dpa)

Artikel: http://www.vaterland.li/international/donald-trump-bleibt-der-fussball-wm-bisher-fern-art-741999

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