Burnham offen für Entschuldigung wegen Sklaverei – aber gegen Reparationen
Im jahrzehntelangen Streit über den Umgang Grossbritanniens mit der eigenen Rolle im transatlantischen Sklavenhandel ist Premierminister Andy Burnham offen für eine offizielle Entschuldigung. Grossbritannien müsse sich mit seiner «komplizierten Geschichte» auseinandersetzen, um das Commonwealth zu schützen, schrieb Burnham in einem Beitrag für die Zeitung «The Guardian».
Der Premierminister nimmt in den kommenden Tagen in Antigua und Barbuda an einem Treffen der Regierungschefs des Commonwealth teil. Dem Staatenbund gehören 56 unabhängige Länder an, von denen viele aus dem ehemaligen Britischen Empire hervorgegangen sind.
Das heikle Thema der Sklaverei während der britischen Kolonialzeit war zuletzt durch eine Reise von König Charles III. in die Karibik wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Mehrere karibische Staaten fordern von Grossbritannien eine Entschuldigung für seine Rolle beim Handel mit versklavten Menschen sowie Reparationen.
Burnham zufolge wünschen sich betroffene Commonwealth-Staaten seit Jahren eine «ehrliche Unterhaltung über das Vermächtnis der Sklaverei». Grossbritannien habe durch seine bisherige Zurückhaltung die Funktionsfähigkeit des Commonwealth beschädigt.
«Ich möchte mein Beileid und Bedauern über den Schmerz und das Leid so vieler Millionen zum Ausdruck bringen und anerkennen, wie dies unsere Welt bis heute prägt», schrieb Burnham. Seine Regierung wolle deshalb einen strukturierten Dialog mit den betroffenen Staaten führen. Das Anhören von Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung im Namen des britischen Staates werde ein wichtiger Teil dieses Prozesses sein. Er sei dafür offen.
Keine Reparationszahlungen
An der ablehnenden Haltung zu finanziellen Entschädigungen hält Burnham hingegen fest. Er sei nicht überzeugt, dass «die Briten von heute für historisches Unrecht, so abscheulich es auch sein mag, haftbar gemacht werden können». Reparationszahlungen seien daher nicht die richtige Antwort.
Besonders im 18. Jahrhundert war Grossbritannien eine der führenden Mächte im transatlantischen Sklavenhandel. Schätzungen zufolge wurden rund drei Millionen Afrikaner auf englischen Schiffen in die Karibik sowie nach Nord- und Südamerika verschleppt.
Britische Politikerinnen und Politiker hatten in der Debatte bisher häufig die Rolle ihres Landes bei der Abschaffung des Sklavenhandels 1807 und der Abschaffung der Sklaverei im British Empire 1833 hervorgehoben. Burnham betonte nun beide Seiten der britischen Geschichte: «Wir sind ein Land, in dem mutige Menschen die Führung bei der Abschaffung der Sklaverei übernommen haben, doch wir sind auch ein Land, das sich am Handel mit Menschenleben beteiligt hat.»
Die Regierungschefin von Barbados, Mia Amor Mottley, begrüsste Burnhams Aussagen. Barbados bekenne sich zu dem Dialog und werde in gutem Glauben daran teilnehmen, schrieb sie in einer auf der Plattform X veröffentlichten Stellungnahme.
Zugleich machte Mottley deutlich, dass die Positionen bei der Frage nach Reparationen weiterhin auseinanderliegen. «Wir sollten auf dieser gemeinsamen Grundlage aufbauen, während wir weiterhin über unsere Unterschiede sprechen», schrieb sie. (dpa)
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