Fehlende Bilder, keine GPS-Daten und viele Vorwürfe: Drama um befreiten Buckelwal Timmy
Am Samstagmorgen um 9 Uhr schwamm Buckelwal Timmy in die Freiheit. Dies, nachdem er über einen Monat in der Ostsee verbracht hatte und schliesslich durch eine privat finanzierte Rettungsaktion mit einer Barge Richtung Nordsee kutschiert worden war. Doch bei der Freilassung soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, sagt das Rettungsteam.
Die Freilassung
Der Wal schwamm gemäss Angaben des Rettungsteams um 9 Uhr am Samstagmorgen aus seiner Barge, blies nochmals eine Fontäne und verschwand dann. Im ersten Moment machte sich Erleichterung breit. Zwar sollte Timmy erst später freigelassen werden, das er jedoch davonschwamm, rührte manches Mitglied des Rettungsteams zu Tränen. Viele posteten auf Social Media Beiträge, die von Erleichterung zeugten.
Doch schon kurz darauf wurde erste Kritik laut. Zuerst vonseiten der Behörden: Sie kritisierten, dass die Zusammenarbeit mit dem Rettungsteam nicht wie abgemacht verlaufen war. Man habe mehrmals Daten vom angeblich an Timmy befestigten GPS-Tracker angefordert, solche jedoch nie erhalten, so der Vorwurf. Auch Live-Aufnahmen vom Schiff habe es nicht wie besprochen gegeben.
Wo ist Timmy jetzt?
Das weiss niemand wirklich. Denn der Tracker liefert offenbar keine Standortdaten. Am Samstag hiess es zwar, man habe ein Signal empfangen und Timmy sei auf dem richtigen Weg, doch mittlerweile gibt es keine Angaben mehr darüber, wo sich der Buckelwal aufhält.
Eines weiss man allerdings: Timmy lebt noch. Denn statt Standortdaten liefert der Peilsender immer wieder Vitaldaten, sobald Timmy auftaucht. Und solche würden bis heute empfangen, heisst es von der Crew. Erst am Montag sollen neue Signale angekommen sein.
Offenbar stimmt mit dem Tracker etwas nicht. «Ich weiss nicht, ob er richtig programmiert wurde», sagte Walretter Jeffrey Foster nach seiner Ankunft an Land. Er versichert aber, dass es Timmy gutgehe. Einen Gesundheitscheck soll es vor der Freilassung allerdings nicht gegeben haben. Experten mahnen zudem seit Wochen, dass der Buckelwal eher geringe Überlebenschancen habe.
Das Mysterium um die fehlenden Bilder des entscheidenden Moments
Bereits wird heftig spekuliert, warum es ausgerechnet vom grossen Moment der Freilassung des Wals keine Videoaufnahmen gibt. Dabei hatte beispielsweise News5 stets einen Livestream angeboten.
In einem Social-Media-Post klärt der Sender auf: Die Freilassung sei zu überraschend gekommen. «Zu dem Zeitpunkt hatten wir unsere Drohne bereits vorbereitet, die Kollegen vor Ort waren aber erst kurz zuvor überhaupt wieder im Einsatz. Eine gezielte Abstimmung oder Information im Vorfeld hat es nicht gegeben», heisst es darin. Auch vom Rettungsteam gebe es keine Aufnahmen. Man sei daran, die Hintergründe aufzuarbeiten.
Vorwürfe gegen die Schiffscrew
Geschleppt wurde die Barge von der Fortuna B. Am Sonntag teilte Tierärztin Kirsten Tönnies auf Social Media ein Statement. «Wir distanzieren uns hiermit ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wales führten», heisst es etwa darin.
Am Samstag hätte das Rettungsteam eigentlich vom Begleitschiff zur Barge gebracht werden sollen, weil ein neuer Versuch gewagt werden sollte, Timmy in die Freiheit zu entlassen. «Entgegen dieser Abmachung wurde jedoch lediglich Jeffrey Foster zur Barge übergesetzt, die Ärztinnen wurden – warum auch immer – auf einen späteren Transport vertröstet, welcher nie stattfand.»
Jeffrey Foster ist Schriftsteller und Teil des Rettungsteams, das sich schon vor der Insel Poel um die Befreiung Timmys bemüht hatte. Er habe sein Handy an Bord der Fortuna B nicht benutzen dürfen, weil es sonst ins Meer geworfen worden wäre, so die Vorwürfe. Das Schreiben ist unterzeichnet von den Geldgebern Karin Walter-Mommert und Walter Gunz.
Obwohl Tönnies der Schiffscrew damit deutliche Vorwürfe macht, musste sie gemeinsam mit dieser zurückreisen. Als sie am Sonntagabend von Bord stieg, brachte sie laut Bild weitere Anschuldigungen vor. Der Satz «Endlich, das Mistviech ist jetzt weg, das ist die Hauptsache» sei gefallen. Timmy sei rückwärts aus der Barge herausgezogen worden, was Tönnies kritisiert. Auch Walforscher Fabian Ritter sagt: «Es ist die Regel Nummer eins bei gestrandeten Walen, sie niemals, wirklich niemals in irgendeiner Weise an der Fluke zu ziehen.»

Schon am Freitag, einen Tag vor der Freilassung, hatte es einen solchen Versuch gegeben, Timmy an der Schwanzflosse herauszuziehen. Dabei soll der Buckelwal verletzt worden sein.
Zudem behauptet Tönnies, die Schiffscrew habe den Tracker mit Schrauben am Wal befestigt, berichtet die Bild. Beweise dafür gibt es allerdings nicht.
Das sagt die Reederei
Die Deutsche Presseagentur (DPA) hat ein Schreiben der Reederei der Robin Hood, die die Barge begleitet hatte, erhalten. Darin sei von einem Erfolg die Rede, schreibt die «Bild». Die Freilassung sei in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgt.
Man habe sich für eine frühere Aussetzung entschieden, weil die See so rau war. Timmy soll wegen der starken Wellen immer wieder gegen die Wände der Barge gestossen sein und es sei zu riskanten Manövern gekommen, zitiert der Spiegel aus einem Schreiben. Die Schiffscrew habe wegen der Verwirrung darum gebeten, eine Person aus dem Rettungsteam zu benennen, mit der die weiteren Entscheidungen getroffen werden könnten. Daraufhin sei Jeffrey Foster genannt worden. Mit ihm sei die Art der Freilassung abgesprochen gewesen.
Ausserdem berichtet die Reederei, dass man froh sei, dass die Freisetzung erfolgreich verlaufen sei und alle heil zurückgekehrt seien.
Streit innerhalb des Rettungsteams
Nicht nur gegenüber der Schiffscrew kam es zu Anfeindungen. Auch innerhalb des privat finanzierten Rettungsteams soll es zu Unstimmigkeiten gekommen sein. So wirft Tönnies gemäss «Bild» einer weiteren Tierärztin vor, sie blockiert zu haben. «Sie wollte alles für sich. Wenn es nach ihr ginge, wäre ich bis heute nicht eine Sekunde bei Timmy gewesen.» Eine öffentliche Reaktion auf die Vorwürfe gibt es bisher nicht.

Auch Tönnies musste Kritik einstecken. Sie soll laufend Informationen herausgegeben haben, so der Vorwurf. Tönnies weist diesen jedoch zurück.

Schon vor Timmys Schwumm in die Freiheit gab es immer wieder Zweifel und Kritik am Rettungsteam. Etwa weil einige Beteiligte kaum bis keine Erfahrung bezüglich Walrettung vorweisen können. Zudem stellte sich heraus, dass einer der Helfer, der zu Demonstrationen für Timmy aufgerufen und sich bei der Rettung sehr engagiert hatte, gemäss «Ostsee-Zeitung» aus der rechten Szene stammen soll: Danny Hilse. Er soll früher auch bei den Hells Angels aktiv gewesen sein.
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