Brückeneinsturz in Genua: Ex-Autobahnchef zu Haftstrafe verurteilt
Knapp acht Jahre nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua ist der ehemalige Vorstandschef des italienischen Autobahnbetreibers Autostrade per l’Italia zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil gegen Giovanni Castellucci und seine 56 Mitangeklagten fiel am Donnerstag nach einem vierjährigen Prozess. Bei dem Unglück, das schwerwiegende Versäumnisse bei der Instandhaltung der italienischen Infrastruktur offen legte, kamen im Sommer 2018 43 Menschen ums Leben.
Am Morgen des 14. August 2018 stürzte während eines Unwetters ein 200 Meter langer Abschnitt der Morandi-Autobahnbrücke in Genua ein. Dutzende Fahrzeuge stürzten in die Tiefe. Zu dem Unglück kam es an einem der verkehrsreichsten Reisetage des Landes, als sich Millionen Menschen auf den Weg zum traditionellen Feiertag Ferragosto am 15. August machten, der den Höhepunkt der Sommerferienzeit bildet.
Neben Castellucci wurde der ehemalige Leiter der Instandhaltungsabteilung von Autostrade, Michele Donferri Mitelli, schuldig gesprochen und zu elf Jahren Haft verurteilt. Der ehemalige Geschäftsführer des Ingenieurbüros SPEA, Antonino Galatà, erhielt fünfeinhalb Jahre Gefängnis.
Insgesamt 30 Schuldsprüche
Den meisten der Beschuldigten wurde unter anderem fahrlässiges Herbeiführen einer Katastrophe sowie mehrfache fahrlässige Tötung zur Last gelegt. Die Anschuldigungen beziehen sich auf die mutmasslich unterlassene Instandhaltung der Brücke, die Teil einer wichtigen Verbindung zwischen Norditalien und der französischen Riviera war.

Insgesamt wurden 30 Menschen verurteilt und erhielten Strafen von einem Jahr und elf Monaten bis zu zwölf Jahren. Andere wurden entweder freigesprochen, oder die Verjährungsfrist für weniger schwere Anklagepunkte war abgelaufen.
Die Staatsanwaltschaft argumentierte, jahrelange Versäumnisse bei der Instandhaltung hätten zu dem Einsturz geführt. Sie forderte insgesamt fast 400 Jahre Haft für die Beschuldigten. Die Angeklagten bestreiten ein Fehlverhalten und führen das Unglück auf einen Baumangel zurück.
Der derzeitige Vorstandschef von Autostrade, Arrigo Giana, bat am Donnerstag in einem offenen Brief, der in grossen italienischen Tageszeitungen erschien, um Verzeihung. Handlungen und Entscheidungen einiger Personen hätten unheilbare Wunden hinterlassen, schrieb Giana, der seit dem vergangenen Jahr im Amt ist. «Heute die Entschuldigung auszusprechen, die damals ausblieb, ist für uns ein moralisches Gebot.»
Eine neue, vom in Genua geborenen italienischen Architekten Renzo Piano entworfene Brücke wurde 2020 eröffnet. Sie überspannt eine Gedenkstätte für die Opfer des Einsturzes der Morandi-Brücke. (dpa)
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben






Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.