«Mit uns kratzen Sie besser ab»: Der makaberste Souvenirshop der Welt steht in Wien
Die Sommerferien sind zu Ende. Vielleicht schweift noch ein letzter Blick über die angesammelten Reisesouvenirs, ehe Schule und Büro rufen. Mitbringsel, die doch irgendwann in einer Sammelkiste verstauben werden.
Ziemlich sicher nicht passieren wird dies mit den Andenken aus dem Shop des Wiener Bestattungsmuseums. «Unsere kultigen Museumsshop-Artikel sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und begehrt», heisst es in der Eigenwerbung – und für einmal wird hier nicht übertrieben.
Dass der Wiener Zentralfriedhof eine Sehenswürdigkeit erster Güte ist, ist für Wien-Reisende eine Selbstverständlichkeit. Die Grabstätten von Udo Jürgens und Falco sind wahre Pilgerstätten für Fans geworden. Klassikfreunde gedenken Beethoven, Mozart, Schubert oder des Walzerkönigs Johann Strauss.

Neben dem letzten Ruheort von Hunderten berühmter Persönlichkeiten entwickelt sich aber auch das dort ansässige Bestattungsmuseum samt Souvenirladen zum Publikumsmagneten. Wer Sinn für schwarzen Humor hat, ist im Souterrain der grossen Aufbahrungshalle rechts vom Haupteingang jedenfalls am richtigen Ort.
«Mit uns kratzen Sie besser ab», steht auf dem Eiskratzer für das Autofenster. Fesch ist das «Turnsackerl» mit der Aufschrift «Ich turne bis zur Urne». Nicht minder das Feuerzeug «Taschenkrematorium». Neu im Sommersortiment ist das Sonnenschutzspray «Für die echte Leichenblässe».

Wer es verspielter mag, greift zu den Lego-Sets «Friedhof» oder «Leichentram». Und selbstverständlich gibt es eine breite Auswahl an T-Shirts mit Slogans wie «Der letzte Wagen ist immer ein Kombi», «Ich lese, bis ich verwese» oder «Als Leich ist jeder gleich». Rund 150 Artikel umfasst das aktuelle Sortiment, wobei die neue Picknickdecke «Finale Position» schon wieder ausverkauft ist.

Alle Ideen im Team entwickelt
Besonders stolz sei man darauf, dass hinter der frech-morbiden Merchandise keine professionelle Werbeagentur stecke, sondern sämtliche Ideen innerhalb des Teams entwickelt worden seien. Begonnen habe alles mit dem Umzug des Museums 2014 und der Absicht, mit eigener «Merch» ein tabuisiertes Thema mit einer Prise Wiener Humor zu vermitteln: «Mal fällt einem Kollegen ein Spruch ein, mal hat eine Kollegin eine Idee für einen neuen Artikel», erzählt Bernhard Salzer, Sprecher von Bestattung Wien. Dauerbrenner sei der Eiskratzer für 6 Euro: «Den haben wir schon lange im Sortiment und werden ihn wohl nie wieder rausnehmen.»

Wie Salzer gegenüber «Schweiz heute» ausführt, achte man aber peinlichst genau darauf, beim Marketing zwei streng getrennte Linien zu fahren: «Die humorvolle Marketingschiene geht ausschliesslich über das Museum.» Beim Kerngeschäft des Bestattungswesens seien dagegen Pietät und respektvoller Umgang mit den Hinterbliebenen oberstes Gebot.
Der Erfolg der makaberen Sprücheklopfer ist bemerkenswert: Im Jahr 2025 verkaufte der Shop knapp 50'000 Produkte. Online kommen die Bestellungen aus der ganzen Welt und verschickt wird buchstäblich von Australien bis Zypern. Obschon das Museum nur an drei Tagen die Woche geöffnet ist, verzeichnete es 2025 rund 25'000 Besucherinnen und Besucher.

Bernhard Salzer ist überzeugt, dass «der Zugang zum Sterben mit ein bisschen schwarzem Humor» nur in Wien funktioniert. Ähnliche Versuche in anderen österreichischen Regionen oder auch in Deutschland durch andere Bestattungsunternehmen wurden allesamt wieder begraben. Doch in Wien sei die Resonanz fast ausnahmslos positiv, im Museumsshop ohnehin: «Ganz selten erreicht uns eine Mail, von jemandem, der gerade in Trauer ist, und das Ganze nicht so lustig findet. Das verstehen wir dann auch.»
«Der Tod muss a Wiener sein!», heisst es in einer viel besungenen Liedzeile. «Begriffe wie die berühmte ‹schöne Leich› stehen symbolisch für eine Einstellung zum Lebensende, bei der man dem unausweichlichen Tod mit etwas ‹Schmäh›, Ironie und Kreativität begegnet», führt Salzer die Wiener Denkweise aus. Es ist dies nicht die schlechteste Einstellung zum Lebensende, besonders in der heutigen Epoche der Multikrisen. Und bestimmt gibt es auch dümmere Souvenirs als ein witziges «Memento mori» direkt vom Wiener Zentralfriedhof.
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