Eskalation in Nordirland nach Messerattacke – Maskierte griffen Migranten-Häuser an
Darum geht es
Einen Tag nach einem brutalen Messerangriff in Nordirland spitzte sich die Lage in Belfast am Dienstag zu. Wie die BBC berichtete, gingen am Dienstagabend an mehreren Orten in Nordirland Menschen auf die Strasse. Zunächst verliefen die Proteste friedlich, doch im Verlauf des Abends kam es zu erheblichen Ausschreitungen.
Nebst Fahrzeugen wurden auch Häuser in Brand gesetzt. Eine Gruppe von etwa 100 maskierten Männern attackierte Häuser von Migranten und zerstörte Türen und Fenster. Britische Politiker verurteilten sowohl die Messerattacke als auch die ausländerfeindliche Gewalt scharf. Zu Protesten kam es auch in anderen britischen Städten wie Glasgow, Edinburgh oder Southampton.
Das ist über den Gewaltausbruch bekannt
Mehrere hundert Menschen hatten sich nach der Gewalttat in der nordirischen Hauptstadt Belfast versammelt, um gegen Einwanderung zu demonstrieren. Zunächst protestierten sie friedlich gegen die Migrationspolitik Grossbritanniens. Teilweise blockierten Demonstranten dann Zufahrten zur Autobahn sowie mehrere wichtige Verkehrsachsen. Im Verlaufe des Abends kam es dann zu erheblichen Ausschreitungen und ausländerfeindlicher Gewalt.

Die nordirische Verkehrsgesellschaft Translink stellte am Abend sämtliche Metro- und Busverbindungen in Belfast bis auf Weiteres ein. Mehrere Strassen mussten wegen der Blockaden gesperrt werden, der Verkehr kam teils vollständig zum Erliegen. Am späteren Abend wurde in Belfast Busse und Fahrzeuge, auch Polizeiautos, in Brand gesetzt. Feuerwehr und Polizei rückten mit einem Grossaufgebot aus. Die Beamten mussten Löschfahrzeuge vor Randalierern beschützen.
In der Folge griffen Flammen auch auf Häuser über. Ob diese mutwillig angezündet wurden, ist noch nicht klar. Klar ist aber, dass eine Gruppe von etwa hundert Maskierten in einem Stadtteil Belfasts Häuser beschädigte, in denen sie Migranten vermuteten. Laut Medienberichten zerstörten sie Türen und zerschlugen Fenster.
Ein Pfarrer, der sich der Menge entgegenstellte und versuchte den Angegriffenen zu helfen, sagte gegenüber der «BBC», dass die Randalierer Häuser attackierten und versuchten Menschen zu verjagen, «weil sie Schwarz sind». Dabei handle es sich auch um Mitglieder seiner Kirchgemeinde, die teils seit 20 Jahren und mehr in der Gegend lebten. Viele Unschuldige seien nun von der «Tat eines Idioten» betroffen und würden in Angst leben.

Das ist über den Täter bekannt
Unterdessen hat die Polizei den festgenommenen Tatverdächtigen offiziell angeklagt. Dem 30-jährigen Mann aus dem Sudan werden versuchter Mord, das Mitführen einer Stichwaffe in der Öffentlichkeit sowie Morddrohungen vorgeworfen. Er soll am Mittwoch vor dem Bezirksgericht in Belfast erscheinen. Das Opfer der Attacke hatte bei dem Angriff schwere Verletzungen im Gesicht, an den Augen und am Rücken erlitten und befindet sich nach wie vor im Spital.
Die «BBC» berichtete unter Berufung auf Angaben der nordirischen Polizei, dass der mutmassliche Täter 2023 nach Grossbritannien gekommen war und eine Aufenthaltsbewilligung als Flüchtling bis 2028 bekommen hatte.
So reagiert die Politik
Britische Politiker verurteilten sowohl die Messerattacke als auch die späteren, fremdenfeindlichen Gewalttaten scharf. Nordirlands Regierungschefin Michelle O'Neill, ihre Stellvertreterin Emma Little-Pengelly sowie Polizeichef Jon Boutcher riefen die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. Justizministerin Naomi Long appellierte an die Menschen, sich nicht von Aufrufen in sozialen Medien zu Protesten oder Gewalt aufstacheln zu lassen.
Hilary Benn, der für Nordirland im Kabinett des britischen Premiers Keir Starmer zuständig ist, erklärte, dass die Leute zurecht schockiert über die Messerattacke seien, dass es aber «keine Rechtfertigung gebe, das Leben Unschuldiger zu gefährden». Die Gewalt müsse sofort aufhören.

Die britischen Behörden befürchten, dass es nach der Tat zu weiteren, rassistisch motivierten Ausschreitungen kommen könnte. Bereits im Sommer 2024 gab es in Grossbritannien schwere Ausschreitungen, nachdem es zu mehreren Messerangriffen kam. (watson/con/mke)
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