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«Es gab überhaupt keine Chance»

Während die nepalesische Armee weiter Überlebende der Sturzflut birgt, bangen Einheimische und Touristen um ihre Angehörigen. Augenzeugen berichten von der Katastrophe.
Nepalesische Frauen in Schock vor einem Spital in Trishuli Bazar. (Bild: EPA)
Ein Bild der Zerstörung. (Bild: EPA)

«Meine Familie wurde vor meinen Augen von der Flutwelle erfasst», sagt Kalpana Malla. Sie habe ihren Vater, ihre Mutter, ihre Schwester und deren Kinder verloren, sagt sie gegenüber BBC News. «Sie konnten nicht fliehen, es gab überhaupt keine Chance», sagt Malla. Die Flut habe alles mitgerissen. Mit ihrem Sohn sei sie auf ein Hausdach geklettert; wie sie überlebt hat, kann sie sich nicht erklären. Er habe sie an der Hand gezogen, sagt ihr Sohn.

«Wir konnten unmöglich alle evakuieren»

Ein plötzliches Grollen habe er gehört, sagt ein Tourist gegenüber dem Nachrichtenportal «Red Star News», als berste der Berg auseinander: «Ich hatte fürchterliche Angst, mein ganzer Körper zitterte.» Aus der Ferne habe er nur die meterhohe Staubwolke in der Luft gesehen, welche die Sturzflut am Mittwoch im Grenzgebiet zwischen Nepal und China aufwirbelte. Mindestens 175 Personen riss die Flutwelle in den Tod, über 1000 Personen werden vermisst.

Ein Helikopterpilot, welcher die Flutwelle aus der Luft beobachtet hat, beschreibt sie als katastrophal. Zuerst habe er nur den Staub gesehen, der den Wasser- und Schlammmassen voranging. Er habe gedacht, es habe einen Erdrutsch oder eine Militärübung gegeben, sagt er gegenüber CNN. Dann sei das Wasser gekommen. Die Wellen seien fünf bis sechs Meter hoch gewesen.

Er habe schon einige Katastrophen erlebt, sagt Rajan Shrestha, Bürgermeister der Gemeinde Bidur: «Aber so eine massive Welle habe ich noch nie gesehen.» Es sei alles so schnell gegangen, sagt er gegenüber der Times: «Wir konnten unmöglich alle evakuieren.»

Die Sturzflut hat mehrere Siedlungen vollständig zerstört. Die nepalesische Armee birgt laufend Überlebende aus den Schlammmassen. Sie hätten keine Zeit gehabt, um sich in Sicherheit zu bringen, zitiert Sky News einige von ihnen.

«Mir bleibt nichts mehr»

Auch aus den tibetischen Grenzgebieten tauchen Augenzeugenberichte auf. Eine Frau berichtet dem chinesischen Portal Xiaoxiang Morning News gegenüber, sie sei am Mittwochmorgen aus der Stadt Gyirong in Richtung Nepal gefahren. Etwa vier Kilometer vom Hafen entfernt begegnete ihre Gruppe der Flut.

«Bäume und Strommasten waren bereits umgestürzt, und das Hochwasser rückte immer näher», erzählt die Frau. «Wir trauten uns nicht, den Wagen zu wenden, und konnten nur rückwärts fahren.» Sie kehrte unversehrt nach Gyirong zurück, hatte aber bis zum Mittwochabend jeden Kontakt zu einem Freund verloren, der bereits am Hafen gewesen war.

Ein Bild der Zerstörung. (Bild: EPA)

In einem Spital in Kathmandu warten die Angehörigen der Vermissten. Sie habe all ihr Vieh verloren, sagt eine Frau gegenüber der BBC. Alles Land sei davongerissen worden, tonnenweise Lebensmittel und Saatgut: «Mir bleibt nichts mehr.» Mehrere Menschen halten ihre Handys in die Luft, darauf Bilder ihrer Partner, ihrer Onkel und Töchter, die sie nicht erreichen können.

Sonam Dorjee, ein Trekking-Führer aus der Region, entkam der Flut in seinem Dorf nur um eine knappe Stunde. Er hatte das Dorf um 8:00 Uhr Ortszeit verlassen. Aus der Ferne habe er die Wellen gehört: «Es klang wie ein Erdbeben.»

Seine Schwester wird vermisst, ebenso wie ihr Mann und mehrere weitere Familienmitglieder. Er bete dafür, dass sie lebend gefunden werde: «Wir hoffen, dass es dafür eine Chance von zehn Prozent gibt.» (leh)

Artikel: http://www.vaterland.li/international/augenzeugen-schildern-sturzflut-im-grenzgebiet-nepals-art-754476

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