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Russlands «Risikoappetit» macht deutschen Ermittlern Sorgen

Erneut ist in Deutschland ein Anschlag verübt worden; diesmal traf es ein Münchner Rüstungsunternehmen. Der Inlandsgeheimdienst rechnet mit weiteren Sabotage- sowie Tötungsoperationen.
Ein Polizist am Donnerstag am Tatort in München. (Bild: Keystone)

Schritt für Schritt verschlechtert sich das deutsch-russische Verhältnis: Am Donnerstag kündigte der russische Aussenminister Lawrow an, dass die drei deutschen Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg schliessen müssen. Das war erwartet worden, nachdem die deutsche Regierung am Dienstag angekündigt hatte, als Reaktion auf einen Drohnenanschlag Anfang August auf dem Leipziger Flughafen das staatliche russische Kulturzentrum in Berlin zu schliessen.

Etwas überraschender, aber auch nicht völlig unerwartet, kam ein anderes Ereignis: ein Brandanschlag in München, der in der Nacht auf Donnerstag mutmasslich von zwei Bulgaren verübt wurde. Ziel war die Zentrale des Technologiekonzerns Rohde & Schwarz, eines Unternehmens der Rüstungsbranche. Wie schon bei den versuchten Anschlägen auf zwei Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, die sich am Mittwoch ereigneten, vermuten die Ermittler auch hier ein politisches Motiv.

Wie das bayrische Landeskriminalamt mitteilt, hätten die Verdächtigen mehrere Brandsätze auf eine Baustelle geworfen, auf der neue Büros des Unternehmens entstehen. Polizisten hätten ein Feuer gelöscht; ein weiterer Brandsatz habe von Spezialkräften entschärft werden müssen. Die Bulgaren seien später an einer Tankstelle festgenommen worden.

Rohde & Schwarz stellt unter anderem Systeme zur Drohnenabwehr her. Bei der geplanten Digitalisierung der deutschen Landstreitkräfte spielen Produkte des Unternehmens eine wichtige Rolle, so etwa digitale Funkgeräte, über die Soldaten abhörsicher kommunizieren können.

Deutsche Rüstungsunternehmen befinden sich seit einiger Zeit im Visier von Saboteuren: Bereits vor einem Jahr gab das Bundeskriminalamt eine entsprechende Warnung heraus, verwies dabei aber vor allem auf linksextreme Akteure. Rohde & Schwarz wurde sogar schon im Mai 2021 ein erstes Mal angegriffen; damals bekannten sich Linksextreme zu einem Anschlag auf eine Baustelle.

Im März warnte der Chef des deutschen Inlandsgeheimdienstes vor einer wachsenden russischen Bedrohung: Moskau, so Sinan Selen, zeige einen deutlich höheren «Risikoappetit». Nicht nur mit Spionage und Cyberangriffen, sondern auch mit Sabotage- und Tötungsoperationen sei zu rechnen. (hfm)

 
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