Krawalle in Paris: Polizist brennt wegen Molotowcocktail – Minister spricht von «versuchtem Totschlag»
Nach einem insgesamt ruhigen Verlauf der landesweiten Proteste in Frankreich ist es am Ende des Tages zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Menschen vor Ort gekommen. Unter anderem in Paris und Lyon setzten Ordnungskräfte Tränengas ein, wie französische Medien berichteten und in Live-Streams zu sehen war. Der französische Innenminister Laurent Nuñez gab an, dass es zahlreiche Brände gegeben habe, Wurfgeschosse gegen Beamte eingesetzt worden seien und Randalierer auch Pflastersteine geworfen hätten.
In Paris sei ein Gendarm von Flammen erfasst worden, nachdem ein Molotowcocktail auf eine Absperrung geworfen worden sei, so der Minister. Er nannte dies einen versuchten Totschlag.
422 Menschen wurden Nuñez zufolge landesweit bis zum Abend festgenommen, Hunderte weniger als zum gleichen Zeitpunkt am vergangenen Samstag. Laut seinem Ministerium nahmen 320'000 Menschen an Demonstrationszügen im Land teil, davon 70'000 in Paris. Im Rahmen der angemeldeten Kundgebungen verliefen die Demonstrationszüge den Angaben nach friedlich. Ein Bündnis von Schüler- und Studierendenorganisationen zählte Medien zufolge seinerseits fast eine halbe Million Protestierende, mit 200'000 Menschen auf den Strassen in Paris.
Ministerium: Sicherheitskräfte verhindern Plünderungen
In mehreren Städten versuchten dem Innenministerium zufolge «radikale Kräfte» am Ende der Demonstrationen, in die Innenstädte vorzudringen und Plünderungen zu begehen. Den Angaben nach wurden sie durch Ordnungskräfte davon abgehalten. Die Behörde nannte Städte wie Bordeaux, Toulouse, Rennes, Lille, Nantes, Marseille und Lyon. Die Zusammenstösse dauerten demnach am Abend noch an. «Der Tag ist noch nicht vorbei», sagte der Innenminister.
In Marseille zeigten Bilder brennende Gegenstände auf der Strasse und den Einsatz von Feuerwehrkräften. Auch in Rennes und Toulouse kam es Medien zufolge zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. In Rennes schossen Individuen der zuständigen Präfektur zufolge Wurfgeschosse in Richtung von Polizeibeamten.
Die Situation in der Hauptstadt spitzte sich zu, nachdem der dortige Demonstrationszug am Endpunkt seiner Route an der Porte de Charenton am Stadtrand angekommen war. Spezialeinheiten der Polizei forderten die Demonstrierenden Berichten zufolge auf, den Ort zu verlassen. Die Auflösung kam nur langsam voran. Zuvor hatte der Pariser Polizeipräfekt Patrice Faure noch im Sender BFMTV gesagt, dass die Demonstration reibungslos zu verlaufen scheine.

40'000 Kontrollen
Dem Innenminister zufolge führte die Polizei in ganz Frankreich bis zu 40'000 Kontrollen durch, allein in der Region von Paris rund 15'000. Durch die Massnahmen an Bahnhöfen, Strassen und Mautstellen konnten laut seinem Ministerium Personen mit Waffen aufgespürt werden. Die massiven Vorkehrungen sollen den ganzen Abend über andauern, hiess es.
Zu den Kundgebungen aufgerufen hatten Gewerkschaften, Schüler- und Studierendenorganisationen sowie die Gelbwesten-Bewegung. Sie wollen ihrem Ärger etwa über hohe Lebenshaltungskosten und marode Schulen Luft machen. Der von Gewerkschaften angemeldete Demonstrationszug in Paris musste seine Route nach einem Eilverfahren vor Gericht auf Anordnung der Polizeipräfektur aus dem Zentrum an den Rand der Stadt verlegen.
Bereits an den vergangenen zwei Wochenenden kam es am Rande der Demonstrationen zu Ausschreitungen. Behörden halten es für möglich, dass das Halloween-Fest am selben Tag Gelegenheit dazu bieten könnte, sich zu maskieren und in der Form Straftaten zu begehen. In mehreren Städten, darunter Paris, wurden nachts Ausgangsbeschränkungen verhängt, etwa für bestimmte Orte oder für Minderjährige. Frankreichweit sind rund 70'000 Polizeikräfte an dem dritten grossen Protesttag der Bewegung im Einsatz.
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