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Blutiges Spektakel vor dem Weissen Haus: Vermiest Trump den Amerikanern das grosse Fest zum 250. Geburtstag?

Showkämpfe vor dem Weissen Haus und eine Wahlkampfrede im Zentrum von Washington: Zum Verdruss vieler Amerikaner politisiert der US-Präsident die Jubiläumsfeierlichkeiten.
von Renzo Ruf, Washington
Auf dem «South Lawn» des Weissen Hauses entsteht eine grosse Bühne für die geplanten UFC-Kämpfe. Rechts im Bild ist die Baustelle für den Ballsaal zu sehen. (Bild: Kevin Carter/Getty)

Das musste sie einfach mit eigenen Augen sehen. Nun steht Sarah, 57 Jahre alt und begeisterte Velo-Fahrerin, an diesem sonnigen Frühlingstag beim Monument zu Ehren des ersten amerikanischen Präsidenten in Washington und starrt in Richtung Weisses Haus.

Dort erhebt sich, vor der ikonischen Fassade des Präsidentenpalastes, ein Stahlgerüst in den Farben Rot, Weiss und Blau – gleich neben der Baustelle für den neuen Ballsaal. «Unglaublich», sagt die Frau, die ihren Nachnamen nicht nennen will, mehrmals. Unglaublich.

Das obskure Objekt, das Sarah unbedingt sehen und fotografieren wollte, ist eine moderne Gladiatorenarena, die derzeit auf dem «South Lawn» des Weissen Hauses gebaut wird. In knapp zwei Wochen, wenn Donald Trump am 14. Juni seinen 80. Geburtstag feiert, sollen in diesem Kampfkäfig sieben Mixed Martial Arts-Kämpfe stattfinden. Für das Hauptprogramm zuständig sein werden die beiden UFC-Champions Ilia Topuria («El Matador») und Justin Gaethje («The Highlight»).

4000 Gäste werden dieses blutige Spektakel auf dem Gelände des Weissen Hauses mitverfolgen; und wem es nicht gelang, eines der exklusiven Tickets zu ergattern, der kann sich die Kämpfe in der benachbarten Parkanlage auf Grossbildschirmen anschauen. Bis zu 100'000 Schaulustige werden von den Organisatoren erwartet – auch weil die UFC gerade bei jungen Anhängern des Präsidenten höchst beliebt ist.

Trump drückt Washington seinen Stempel auf

Offiziell will Trump mit dem einmaligen Event den 250. Geburtstag der USA begehen. Sarah aber ist wie viele andere Amerikanerinnen und Amerikaner davon überzeugt, dass die Jubiläumsfeierlichkeiten für Trump nur ein Vorwand sind, um Washington in ein republikanisches Disneyland zu verwandeln, ganz nach dem Geschmack seiner Anhängerinnen und Anhänger.

So plant er den Bau eines überdimensionierten Triumphbogens beim Soldatenfriedhof Arlington National Cemetery. Auch hübscht der Präsident die National Mall im Zentrum der Hauptstadt auf und investiert Millionen von Dollars in die Sanierung des Wasserbeckens vor dem Denkmal für Präsident Abraham Lincoln.

Das mag im Lager seiner Fans gut ankommen. Ein Tourist, der sich an einem Souvenir-Stand in der Nähe des Weissen Hauses eine rote Mütze mit dem Aufdruck «Make America Great Again» gekauft hat, zeigt sich jedenfalls begeistert über die Trump'sche Verschönerungskur. «Dank dem Präsidenten wird Washington bald wieder wunderbar aussehen», sagt der Mann, bevor er sich dazu entscheidet, das Gespräch mit dem ausländischen Journalisten abzubrechen.

Aber je näher der Höhepunkt der Feierlichkeiten rückt – der Nationalfeiertag am 4. Juli –, desto stärker stösst Trumps Gestaltungswille auf Widerstand. So sagten in den vergangenen Tagen zahlreiche Ex-Prominente ihren Auftritt an der «Great American State Fair» in Washington ab. Ehemalige Hitparaden-Stürmer wie Poison-Frontmann Bret Michaels oder die Country-Sängerin Martina McBride sagten, sie seien angeblich von den Organisatoren der sommerlichen Konzert-Serie getäuscht worden. Der Anlass sei ein politisch aufgeladener Event und nicht die angekündigte «Feier für unser Land». Daran möchten sie nicht teilnehmen.

Trump reagierte auf diese Absagen, so wie er häufig auf Gegenwehr reagiert: Er ging in die Offensive. Kurzerhand kündigte der Präsident auf seinem Online-Dienst Truth Social an, dass er selbst an der «Great American State Fair» auftreten und eine «wichtige Rede» halten werde. Eingeladen zu dieser Quasi-Wahlkampfveranstaltung seien aber nur «grossartige Patrioten», die mit dem vielleicht «besten Präsidenten der Geschichte» feiern wollten, sagte Trump.

Trump hatte die Idee für den Showkampf

Zurück zum Mixed Martial-Showkampf im Vorgarten des Weissen Hauses. Die Idee für diesen ungewöhnlichen Wettkampf, sagte UFC-Chef Dana White kürzlich in einem Interview, sei dem Präsidenten persönlich gekommen. Während eines gemeinsamen Fluges habe Trump ihn gefragt: «Warum organisieren wir nicht einen Kampf im Weissen Haus?»

White zeigte sich begeistert und sagte spontan zu, die «grösste Show auf der Welt» zu organisieren. Ein Problem aber bereitet dem Trump-Freund grosses Kopfzerbrechen: Das unberechenbare Wetter. Er hasse Kämpfe unter freiem Himmel, sagte White, denn es könnte zu heiss sein oder regnen. Ausserdem sei ihm aufgefallen, dass es vor Mücken und Fliegen nur so wimmle.

Sarah, die Velofahrerin aus Washington, die sich unbedingt die Bauarbeiten beim Weissen Haus anschauen wollte, würde über solche Aussagen nur die Augen verdrehen. Wie jede Einheimische weiss sie Bescheid über die Insekten-Plage in der Hauptstadt.

Am lustigsten findet Sarah aber, dass die geplanten UFC-Kämpfe Teil des offiziellen Jubiläumsprogramms sind. Sie sagt: «Soweit ich mich an den Geschichtsunterricht erinnern kann, spielten Mixed Martial Arts-Kämpfer im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg keine zentrale Rolle, weder auf unserer noch auf der britischen Seite.» Dann lacht sie.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/250-geburtstag-der-usa-vermiest-trump-das-grosse-fest-art-735361

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