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Ein Cocktail an Zuversicht an der Lernbar

Sie ist pensioniert, strotzt aber vor Energie und Tatendrang. Hanny Büchel hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, lernschwachen Kindern und Jugendlichen unter die Arme zu greifen. Mit dem Projekt «Lernbar» hat sie nicht nur einen Nerv der Gesellschaft getroffen, sondern einen Ort der Hoffnung geschaffen.
Lernbar, Balzers
In der Lernbar in Balzers finden alle Schüler und Schülerinnen Unterstützung von Hanny Büchel und ihrem Team. (Bild: Tatjana Schnalzger)
Lernbar, Balzers
Spielend lernen – die Lernbar ist immer am Mittwochnachmittag geöffnet. (Bild: Tatjana Schnalzger)

Mittwochnachmittag, ehemaliger Mariahilf-Kindergarten in Balzers: Am Tisch links wird gerechnet, am Tisch nebenan stehen die Deutsch-Arbeiten im Mittelpunkt. Vis-à-vis ist ein schwarzhaariger Junge in seinen Englisch-Text vertieft. Es ist erstaunlich ruhig – eine Ruhe, die nur zwischendurch von kurzem Lachen unterbrochen wird. Doch das stört niemanden. Im Gegenteil. Lernen darf hier Spass machen – soll es auch. Während andere Kinder in ihrem Alter draussen den freien Nachmittag geniessen, arbeiten die 13 Schüler und Schülerinnen in der Lernbar konzentriert an ihren Aufgaben. Gibt es Fragen, werden sie von sechs Helfern und Helferinnen auf dem Weg zur richtigen Lösung unterstützt. Ganz individuell und im Tempo des jeweiligen Schülers. Blockaden werden mit unkonventionellen Methoden gelöst – zum Beispiel einem Spiel. «What’s your favourite colour?», fragt Helferin Rosmarie und wirft der 9-jährigen Luna einen Ball zu. Die Schülerin fängt ihn geschickt und antwortet wie aus der Pistole geschossen: «Yellow». Plötzlich geht es leicht und zwanglos.
14.45 Uhr, die Pausenglocke ertönt. Zeit für einen gesunden Snack. Schüler und Helfer setzen sich um den mit Äpfeln, Bananen und Kaki gedeckten Tisch und greifen herzhaft zu. Niemand meckert, weil es keine Nutella oder Chips gibt. Alle knabbern zufrieden an ihren Früchten und lecken sich genüsslich den Fruchtsaft von den Lippen. Es wird geplaudert und gelacht – immer gemeinsam, nie über andere. Der Begriff Respekt hat in der Lernbar oberste Priorität. Das spürt man deutlich. Die Gruppe harmoniert vom Primarschüler über die Oberstufenschüler bis hin zu den Helfern, die sich aus ehemaligen Lehrern und engagierten Freiwilligen zusammensetzen.

Lernbar, Balzers
Spielend lernen – die Lernbar ist immer am Mittwochnachmittag geöffnet. (Bild: Tatjana Schnalzger)

Aus eigenem Willen
«Mich fasziniert stets aufs Neue, was für eine Eigenmotivation die Schüler an den Tag legen», sagt Hanny Büchel, Initiantin der Lernbar. «Es ist kein Müssen, sie wollen ihre schulischen Leistungen aus eigenem Antrieb verbessern.» So sind die Lernziele von jedem auch klar formuliert. Während die einen von der Ober- in die Realschule oder vom B- in den A-Zug wechseln wollen, steht bei den anderen einfach die Verbesserung ihrer Deutsch-, Englisch- oder Mathekenntnisse im Vordergrund.   
Zwar war die vor rund eineinhalb Jahren ins Leben gerufene Lernbar ursprünglich auf die Förderung von Primarschülern aus Familien mit Migrationshintergrund ausgerichtet, aber mittlerweile greifen Schüler im Alter von 9 bis 17 Jahren auf das Angebot zurück – Liechtensteiner und solche mit ausländischen Wurzeln bunt gemischt. «Wir erhielten Anfragen aus ganz verschiedenen Ecken, und wir konnten und wollten niemanden ausschliessen», erklärt Hanny Büchel. «Wir spürten, dass der Bedarf grösser war als gedacht und wir unser Angebot ausweiten mussten. Deshalb steht die Lernbar heute allen Schülern mit Schwachstellen und einem Nachholbedarf offen.» Von statischen Theoriegebilden hält die Pädagogin nichts. Vielmehr soll die Lernbar dynamisch bleiben und sich den individuellen Bedürfnissen anpassen. So ist das Projekt in den vergangenen Monaten Schritt für Schritt gewachsen und hat seine ganz eigene «Seele» entwickelt. «Dieser Spirit ist hier stark spürbar», schwärmt die 66-Jährige. «Er ist mein täglicher Antrieb, mich mit ganzem Herzen für dieses Projekt zu engagieren.»

Von der Idee zur Lernbar
Hanny Büchel war schon immer ein Mensch, dem die Jugend am Herzen lag – besonders jene Kinder, die aufgrund einer Aufnahmeschwäche oder einem verzögerten Lerntempo im Schulalltag auf der Strecke blieben. 41 Jahre lang war sie als Lehrerin tätig – eine lange Zeit, in der sie viel bewegt hat. Sie fing in jungen Jahren als Primarlehrerin an, merkte aber schnell, dass ihr in dem straff strukturierten Lehrplan etwas fehlte: die Zeit und das Verständnis für eben diese Kinder, die dem Druck der Leistungsgesellschaft nicht gewachsen waren. (ne)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des aktuellen «Vaterland Magazins».

 

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