• Urteil Feldkirch
    Hier stürzte die 14-jährige in den Tod.

Die Beamten trifft keine Schuld

Nachdem eine 14-jährige Schweizerin 2016 während einer Wanderung in den Tod stürzte, wurden zwei Gemeindemitarbeiter angeklagt. Das Landesgericht Feldkirch sprach diese gestern jedoch endgültig frei.

2016 unternimmt eine Schweizer Familie eine Wanderung im Silbertal, einem Seitental des Montafons. Die vier gehen auf einem Erlebniswanderweg, geniessen die Natur, auch der Hund ist dabei. Auf einem schmalen Abschnitt, wo es auf der einen Seite 18 Meter in die Tiefe in ein Bachbett geht, ist ein Holzgeländer als Absturzsicherung montiert. Zwei sogenannte «Rundlinge», also zwei Balken, sind waagrecht an mehreren Stehern montiert. Als eine andere Personengruppe, ebenfalls mit Hund, entgegenkommt, weichen die beiden Familien einander aus. Das Mädchen wollte eventuell auch mit dem Handy noch ein Foto machen, als das Unglück passierte.

Das Mädchen drückte sich gegen das Holzgeländer, welches in der Folge nachgab und brach. Die Teenagerin stürzte 18 Meter in ­eine felsdurchsetzte Böschung und lag schwer verletzt in dem Bachbett. Reanimationsversuche schlugen fehl, die Jugendliche ­erlag ihren Verletzungen. Die Familie war betroffen und erwartete sich bereits in erster Instanz ein Urteil, das die Schuld der mutmasslich Verantwortlichen feststellt. Im Januar 2018 gab es ein Urteil, doch es war ein Freispruch.

Gestern nahm der Berufungssenat des Landesgerichts Feldkirch die Sache nochmals unter die Lupe. Doch auch der dreiköpfige Berufungssenat kam zum gleichen Ergebnis: Freispruch für die zwei Bauhofmitarbeiter, die mit der Wartung des Weges betraut waren.

Ordentlich aufgearbeitet

«Das Erstgericht hat eine verantwortungsvolle Beweiswürdigung vorgenommen, daran besteht kein Zweifel», begründet Rich­terin Angelika Prechtl-Marte die bestätigende Entscheidung des ­Senates. Die Nichtigkeits- und Schuldberufung der Staatsanwaltschaft, die den Freispruch bekämpft hatte, wurde für unbegründet befunden. (ce)

Bereits in erster Instanz war festgestellt worden, dass die Bauhofmitarbeiter einen Belastungstest mit Körperkraft durchgeführt hatten und zu dem Ergebnis gelangt waren, dass die Abgrenzung eigentlich in Ordnung sein müsste. In der Berufungsverhandlung wurden auch nochmals die Feststellungen zweier Sachverständiger herangezogen, die eine unglückliche Verkettung verschiedener Umstände verantwortlich machten. Zum einen war der Abstand der Steher, also die «Spannweite» mit vier Metern relativ gross. Zum anderen hatten so­genannte Substanzpilze den Balken von innen heraus morsch ­werden lassen.

«Anders als bei Oberflächen­pilzen ist es für Nichtexperten kaum sichtbar, in welchem Zustand das Holz ist. Selbst für Fachleute ist es nur aufgrund unserer Erfahrung klar, dass so ein Holz kaum mehr einer Belastung standhält», erklärte damals einer der Experten. «Hierbei handelt es sich um Fachwissen, ­welches die Angeklagten nicht haben mussten», so eine weitere Begründung des Berufungssenates.

Die Frage der Haftung der Gemeinde als Verband wurde bereits vor einiger Zeit rechtskräftig beantwortet. Sie trifft ebenfalls keine Schuld. Somit können alle endgültig aufatmen. Die Familie der Verstorbenen hätte sich laut Rechtsvertreter hingegen einen anderen Ausgang gewünscht.

21. Feb 2019 / 08:15
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