• evangelisch lutherische Kirche, Vaduz
    In der über 60-jährigen Vaduzer Johanneskirche finden regelmässig Gottesdienste statt.  (Tatjana Schnalzger)

Kirche «reiste» von Stuttgart nach Vaduz

Die evangelisch-lutherische Gemeinde hat mit der Johanneskirche im Bartlegrosch ihre Heimat gefunden – eine Kirche mit Geschichte.

Das hellblaue Kirchlein in der Nähe der Tennishalle Vaduz fällt gleich auf; es sieht aus wie eine Kirche aus einem ameri­kanischen Vorort, die in Vaduz ein neues Zuhause gefunden hat. Die Johanneskirche kommt jedoch nicht aus den USA, ­sondern aus dem Nachkriegsdeutschland.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs liegt die deutsche Stadt Stuttgart in Trümmern. Auch die Kirchen blieben von den Bomben nicht verschont. Die Menschen haben zu jener Zeit – vielleicht mehr denn je – ein Bedürfnis auf seelischen Beistand. Notdürftig werden Zwischenwände in den zerbombten Kirchen aufgezogen und Decken gespannt. Oder es wird aus Holzbrettern und Wellblech eine provisorische Baracke errichtet. So war es auch beim Ersatzbauwerk für die Stuttgarter Zionskirche, die 1947 von der Schweizer Chaletfabrik Eblingen errichtet wurde. Als die Kirche aus Holz nach ­wenigen Jahren ihren Dienst in Deutschland getan hatte, sollte sie eigentlich abgerissen werden. Das geschah aber nicht. Die Evangelische Gemeinschaft in Bern, die heutigen Methodisten, nahm sich ihrer an und schenkte die Kirche im Jahr 1956 der evangelischen Gemeinde in Liechtenstein. Auf fünf Last­wagen wurde sie in der Folge nach Vaduz transportiert, anschliessend wieder aufgebaut und während mehrerer Monate renoviert. Am dritten Adventssonntag 1956 wurde die Johanneskirche eingeweiht. 

Kirchenbau führt zu Separation
Der Bau der Kirche führte jedoch zu einer Separation der Gemeinde in eine evangelisch-lutherische Kirche und die evangelische Kirche. Denn es waren laut dem heutigen Pfarrer der Johanneskirche, Helmut Sobko, nur die Gläubigen der lutherischen Kirche, die ein Gebäude haben wollten. Nach der Aufsplittung wurde die evangelisch-lutherische Kirche als Verein geführt und besteht heute noch. Mittlerweile umfasst die Gemeinde 200 Personen, darunter befänden sich laut Sobko hauptsächlich Zugewanderte und nur wenige Liechtensteiner. Diese seien oft­mals aufgrund ihrer Heirat zum evan­gelisch-lutherischen Glauben übergetreten. Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Kirchen nicht wesentlich, es bestehen aber Unterschiede in der Gottesdienstgestaltung. Die Liturgie in der evangelisch-lutherischen Kirche ist, ähnlich der katholischen, gekennzeichnet durch mehr Gesang von Musikensembles sowie Chören. 

Orgel steht unter Denkmalschutz
Seit dem Neuaufbau der Johanneskirche im Bartlegrosch 1956 hat sich das Kirchlein äusserlich gewandelt. 1957 entstand der Dachreiter aus Holz mit einer Glocke, 1962 erfolgte die Aussenverkleidung der Holzbretter mit Eternitplatten, und 1990 wurde im Osten ein Gemeindesaal anstelle der ursprünglichen Sakristei angebaut. Auch im Inneren und an der Ausstattung änderten sich im Laufe der Zeit ein paar Dinge, wobei ein Gegenstand hervorsticht: Die heute unter Denkmalschutz stehende Orgel. Sie wurde im 18. Jahrhundert erbaut und stammt vermutlich aus dem Toggenburg. Nach der Revision im Jahr 2006 wird momentan wieder an ihr gebastelt. Um sie noch mehr ihrem früheren Aussehen anzupassen, werden gewisse Teile vergoldet. Darüber freut sich Sobko sehr. Der pensionierte Pfarrer, der in der Schwäbischen Alb wohnt, ist pro Monat jeweils etwa 13 Tage in Liechtenstein. In dieser Zeit hält er dann etwa vier Gottesdienste und betreut die Gemeindemitglieder. Die Johanneskirche ist somit nicht nur etwas ganz Spezielles in der Re­gion, sondern sie bleibt damit auch für die kleine Gemeinde der wichtigste Treffpunkt. (qus)

27. Nov 2019 / 14:01
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