• Betty Dürr in ihrer "Altabächler Schtoba".
     (Tatjana Schnalzger)

«Ein Ort wie ein Daheim»

Die «Altabächler Schtoba» ist als Stätte des Wohlfühlens konzipiert. Bei ihr, sagt Gastgeberin Betty Dürr, sollen Menschen zusammen «einfach sein» können. So wie es früher ganz selbstverständlich praktiziert wurde.

Wandel, Veränderung, Neues hervorbringen. Lange waren das Determinanten in Betty Dürrs Leben. Ein ums andere Mal zog es die freischaffende Künstlerin an ein anderes Fleckchen Erde, wo sie ihrer Kreativität ausgiebig freien Lauf liess – Glasarbeiten in Italien, Tonköpfe in Holland, Mosaikkunst in Österreich. Die Heimat hatte ob so vieler Verlockungen und eines solchen Tatendrangs keinen leichten Stand. Obschon Betty Dürr immer wieder gerne und mit Tonnen gefertigter Kunstobjekte zurückkehrte – letztlich war Vaduz auch stets Ausgangspunkt einer nächsten Reise.

Mittlerweile verhalten sich die Dinge etwas anders. Nicht, dass die 57-Jährige weniger umtriebig, lebhaft, energiegeladen wäre. Es ist der Aktionsradius, der sich verkleinert hat, komprimiert daherkommt. Das offenbart sich einerseits in ihrem künstlerischen Wirken. «Eigentlich mag ich es gerne gross», sagt Dürr. Davon sei sie zuletzt aber weggekommen. Gegenwärtig liegt ihr Fokus auf der Anfertigung kunstvoller Karten. Andererseits hat sie von der grossen weiten Welt allmählich genug gekostet.Die eigenen Wurzeln haben an Bedeutung gewonnen, arbeiten sich Stück für Stück tiefer in den Vaduzer Boden. Gelegentlich fühle sie sich zwischen all den Bergen zwar noch etwas eingeengt, meint sie. «Aber daheim ist daheim.» Und wenn sie sich vergegenwärtige, wohin sich die Welt entwickle, was rundherum alles passiere, dann realisiere sie, wie gerne sie zu Hause sei.

Rückbesinnung, Rückkehr, Heimat – Betty Dürrs persönliche Themen manifestieren sich an einem Ort ganz besonders: ihrer «Altabächler Schtoba». «Eine Zeit lang habe ich in Triesen  gewohnt, hinter dem Gasthaus Linde», erzählt sie. Wie die beiden Wirtinnen dort Menschen zusammengebracht, mit ihnen geredet und gejasst hätten, das habe sie immer bewundert. «Und ich habe mir gedacht, wie schön es wäre, im Vaduzer Städtle etwas Ähnliches zu haben. Einen Treffpunkt für die Menschen des Quartiers.»

Eine herzliche Gastgeberin
Seit 2016 füllt sie diesen Gedanken im Altenbach 17 mit Leben. In Zeiten von Individualisierung und der Erosion gemeinsamer Identitäten versucht sie, «ihr» Viertel mit einer kleinen Quartierbeiz zu reintegrieren. «Aber auch jeder andere ist herzlich willkommen.» So, wie sich das gehört für einen Ort, wie er Betty Dürr vorschwebt: «Ein Ort, an dem man einfach sein kann, ein Ort wie ein Daheim.»

Der Vaduzerin kommt dabei – wie einst den zwei «Linden»-Wirtinnen –eine tragende Rolle zu. Eine Atmosphäre, die an zu Hause erinnert, steht und fällt mit den Qualitäten der Gastgeberin. Betty Dürr muss sich diesbezüglich nicht verstecken. Mit ihrer herzlichen, offenen Art fällt es ihr leicht, sich auf Menschen einzulassen. Sie taucht ein in den Kreis ihrer Gäste, die oftmals auch Freunde sind, ist eine von ihnen, bringt sie einander näher oder beteiligt sich daran, die Bande innerhalb einer Gruppe weiter zu stärken. Es gibt nichts Trennendes zwischen ihr und den anderen. Bis auf die Schwelle zur Küche. Und das auch nur aus Gründen der Lebensmittelhygiene.

Die «Pflichten» einer Wirtin vernachlässigt sie deswegen mitnichten. Wünsche in der «Altabächler Schtoba» bleiben selten unerfüllt. Auch wenn sie den «Ein-Frau-Betrieb» alleine schmeisst. Wer spontan mit knurrendem Magen vorbeischaut, für den wird bereitwillig der Kühlschrank inspiziert. Wer sich vorab telefonisch für ein Mittagessen anmeldet, kann seine kulinarische Vorlieben anbringen, die sie dann mit jenen der anderen Gäste in Einklang zu bringen versucht. Und auch wem nach Kaffee und Kuchen oder einem Glas Prosecco ist, hat gute Karten. Gibt’s nicht, gibt’s nicht. «Irgendetwas», sagt sie lachend, «habe ich immer im Haus.»

Die Einrichtung der zwei, bei Bedarf auch mal drei Stuben mit insgesamt zwölf Stühlen steht im Einklang mit ihrem Ansinnen, eine Art Zuhause zu schaffen. Neben einigen selbst gefertigten Einrichtungsstücken findet sich in der «Altabächler Schtoba» vornehmlich traditionelles Interieur, das Wärme und Heimeligkeit verbreitet. Für Betty Dürr auch eine Referenz auf die gute alte Zeit, als die Menschen noch weniger getrieben und mehr Zeit für sich und einander hatten: «Heute gilt doch nur: Höher, schneller, mehr. Dagegen wehre ich mich. Hier leben wir das Gegenteil. Ich möchte in Erinnerung rufen, was vergessen ging und daran anknüpfen.»

«Ein bisschen mehr Kundschaft wäre schön»
Nach zwei Jahren haben sich – wie in jedem Daheim – gewisse Routinen herausgebildet. Jeden Dienstagmittag schaut eine Sechsergruppe zum Essen vorbei, am Mittwoch wird gejasst und samstags kommt eine bunt gemischte Damengruppe – die Jüngste 25, die Älteste 91 Jahre alt – zusammen, um neues kulinarisches Terrain zu erkunden. «Ja», sagt Betty Dürr, «wir haben es schön.»

Zwischen diesen Fixpunkten ist allerdings auch noch einiges an Leerraum. Touristen, erzählt die 57-Jährige, fänden kaum einmal den Weg zu ihr. Und neue einheimische Besucher meist auch nur über Stammgäste. «Hier oben übersieht man mich eben oft.» Dem möchte sie entgegenwirken. Nicht mit einer gross angelegten Werbeoffensive, aber zumindest punktuell. «Ein bisschen mehr Kundschaft wäre schon schön.» Einfach, um ein gutes Auskommen zu haben. Mehr nicht. Es sei nicht der Profit, der ihr wichtig sei. sagt Betty Dürr. «Für mich zählt der Mensch.» (bo)

Fotostrecke: Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
Altabächler Schtoba in Vaduz
01. Okt 2018 / 10:12
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