• Gwirbi Coworking Triesenberg 190619
    Die Triesenberger Daniel Bühler und Renate Feger nützen das Angebot des «Gwirbi Coworking Space» regelmässig.  (Daniel Ospelt)

«Gwirbi Triesenberg» mit positiver Bilanz

Die Testphase im «Gwirbi Coworking Triesenberg» geht diese Woche zu Ende. Die Initianten ziehen eine positive Bilanz und das Projekt wird weitergeführt. Das «Vaterland» hat das Bergbüro im alten Rathaus getestet.

«Arbeiten, wo andere Ferien machen.» Eine Floskel, die auf die Walsergemeinde Triesenberg zutrifft. Bereits die Anfahrt lässt das Herz höherschlagen. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und zeigt das Bergdorf von seiner schönsten Seite. Heute habe ich den Arbeitsplatz ins Gemeinschaftsbüro «Gwirbi Coworking Triesenberg» verlegt. Die Tür des alten Rathauses steht offen. Silke Knöbl vom Initianten-Team begrüsst mich. In der gemütlichen Lounge, in der die alte Mauer des historischen Gebäudes sichtbar ist, zieht sie eine Zwischenbilanz.

«Das Projekt ist gut angelaufen. Wir sind zufrieden», sagt sie. Verschiedene Personen haben das neue Angebot bereits genutzt und getestet. Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv. Die Nutzer fühlen sich wohl im «Gwirbi Coworking Triesenberg» und haben die Vorteile eines flexiblen Arbeitsplatzes entdeckt. Und darum geht es dem Initianten-Team. Denn das «Gwirbi Coworking» ist mehr als ein Gemeinschaftsbüro: Es soll Treffpunkt, Ideenschmiede und Bergbüro in einem sein. Die Arbeitsplätze können fix beziehungsweise längerfristig oder auch flexibel gemietet werden. Das Angebot ist vor allem für die Triesenberger Einwohner gedacht. Auch wenn zu Beginn die Nutzer mehrheitlich aus dem Tal kamen. «Damit haben wir nicht gerechnet. Es kam sogar jemand aus Ruggell», erzählt Silke Knöbl. Doch dann entdeckten auch einige Triesenberger das «Gwirbi Coworking» für sich. So nutzt der Versicherungsberater Daniel Bühler das Büro regelmässig. Als er vom Projekt hörte, suchte er beim Arbeitgeber an, sein Büro einmal in der Woche in seine Heimatgemeinde verlegen zu können. Mit Erfolg. Im «Gwirbi Coworking» kann er konzentriert arbeiten und zudem Kundentermine am «Bäärg» wahrnehmen. Auch Renate Feger arbeitet gerne dort. Für ihre Arbeit beim Komitee für Unicef Schweiz und Liechtenstein benötigt sie nur einen Laptop und das Handy. Aber sie arbeitet nicht gerne von zu Hause aus, weil sie Arbeit und Privates lieber trennt. Im Rathaus hat sie sozusagen das Büro ums Eck und kann sich auch mit anderen Nutzern austauschen. Das «Gwirbi Coworking» ist auch für Start-ups oder Jungunternehmer interessant, die einen Geschäftssitz brauchen und ihre Firma in der Berggemeinde gründen wollen.

Grosse Nachfrage nach dem Sitzungszimmer

Ich darf meinen Arbeitsplatz im «Gwirbi Coworking» beziehen. Die hellen Büromöbel und farbigen Stühle bringen einen modernen Touch in die alten Räume. An den Wänden hängen Bilder aus dem Gemeindearchiv, welche die Triesenberger aus früheren Zeiten bei der Arbeit, sprich beim «Gwirba», zeigen. Beim Einrichten hat das Team Wert darauf gelegt, Altes mit Modernem zu verbinden. Der Charakter des über 250 Jahre alten Hauses wird somit unterstrichen. Vereinzelt stehen Bildschirme auf den Bürotischen, an die der Laptop angeschlossen werden kann. Im oberen Stock steht ein Drucker inklusive Kopierer bereit. Die Teilnehmer eines Workshops, welcher an diesem Vormittag im grossräumigen Sitzungszimmer stattfindet, machen Pause, betätigen die Kaffeemaschine in der gemütlichen Lounge und geniessen die für sie bereitgestellten Gipfeli vom Bäcker aus dem Dorf.

Positiv überrascht ist das Initianten-Team vor allem von der Nachfrage des Sitzungszimmers, in dem auch heute noch der Gemeinderat tagt. Es wird regelmässig gebucht. Der Raum direkt unter dem Dachstuhl, wo die alten Holzbalken sichtbar sind, strahlt ein besonderes Flair aus.

Gwirbi Coworking

Das «Gwirbi Coworking» befindet sich im alten Rathaus.

Das «Gwirbi Coworking» ist vielfältig aufgebaut. Neben den Arbeitsplätzen und der Vermietung des Sitzungszimmers soll es vor allem ein Treffpunkt sein: «Das ist bei den Leuten noch nicht ganz angekommen», sagt Silke Knöbl. Das «Gwirbi»-Team hat bereits einige Veranstaltungen organisiert, um Interessierte ins Rathaus zu locken: Eine Lesung mit dem Triesenberger Jungautor Anton Beck, eine Präsentation eines 3-D-Druckers, ein Informationsabend über Online-Marketing oder ein Vortrag zum Thema autonomes Fahren im digitalen Zeitalter gehören unter anderem dazu. Auch eine Schneeschuhtour in Malbun wurde organisiert. «Das Interesse an den Veranstaltungen dürfte grösser sein. Aber das braucht vielleicht noch Zeit, sich zu etablieren», sagt die Mit-initiantin. 

Projekt wird weitergeführt

Es ist ein anderes Arbeiten im «Gwirbi Coworking» als in der Redaktion, wo immer etwas läuft. Die Ruhe ist schon fast ungewohnt, nur das Tippen des Gegenübers ist zu hören. Es fällt leichter, sich auf den Text zu konzentrieren. Aber ohne Kaffee geht es nicht. Das Koffeingetränk und «chlaars Bäärger Wasser» in der Lounge sind inklusive. Silke Knöbl sagt mir, dass die Kaffeemaschine teilweise gesponsert wurde. Wie einiges vom Inventar im« Gwirbi Coworking». Ohne Sponsoren und die Unterstützung des Initianten-Teams geht es noch nicht.

Nach dem positiven Start soll das Projekt weitergeführt werden. Das Bedürfnis für flexible Arbeitsplätze sei eindeutig da und werde in Zukunft noch grösser werden. «Gerade in Unternehmen in Liechtenstein ist dieses Arbeitsmodell noch nicht so bekannt. Aber der Trend geht in diese Richtung», ist Silke Knöbl überzeugt. Pendeln wird für viele überflüssig, Zeit kann gespart werden und die Arbeitnehmer können in ihrer Wohngemeinde arbeiten. Mit der Gemeinde Triesenberg hat das Team eine Aufbauzeit von einem Jahr vereinbart. Als nächster Schritt soll ein Online-Buchungssystem eingeführt werden, was die Reservationen und die administrative Arbeit erleichtern soll. Auch ein Businessplan wird erstellt, denn das «Gwirbi Coworking» soll selbsttragend werden. «Allerdings hat sich die Sponsorensuche als schwierig erwiesen», sagt Silke Knöbl. Es gehe vor allem darum, Sponsoren und Gönner zu finden, die das Projekt ideell und finanziell unterstützen. Dabei ist es ihr wichtig, zu betonen, dass das «Gwirbi Coworking» für die Bevölkerung aufgebaut wurde. Das Team selbst hat viele ehrenamtliche Stunden in den Aufbau des Projekts gesteckt und investiert auch jetzt noch viel Zeit.

Zur Wertschöpfung beitragen

Der Magen knurrt. Es ist Mittagszeit. Ich klappe den Laptop zu und gehe mit Silke Knöbl ins Restaurant Guflina essen. Auf der Terrasse mit Blick ins Tal lässt es sich aushalten.

Das Team will mit dem Projekt auch zur Wertschöpfung in Triesenberg beitragen. Die Nutzer haben kurze Wege zu den Restaurants und zum Dorfladen. Auch könnte sie sich eine Zusammenarbeit mit der Kita vorstellen, damit selbstständige Mütter im «Gwirbi Coworking» arbeiten können. Eine weitere Idee des Teams: Das Coworking soll von Business- und auch von Feriengästen, die noch etwas fürs Geschäft zu erledigen haben, genutzt werden können. Das Hotel Gorfion bewirbt auf seiner Website das Angebot bereits. Die Zusammenarbeit mit dem Tourismus soll aber noch verstärkt werden. 

Angenehm kühl bei heissen Temperaturen

Der Weg vom Restaurant ins alte Rathaus ist kurz. Trotzdem kommt man bei den sommerlichen Temperaturen ins Schwitzen. Doch im «Gwirbi Coworking» ist es angenehm kühl. Die alten, dicken Mauern lassen die Hitze draussen. Ich denke an meine Kollegen in der Redaktion, denen bestimmt bereits die Schweissperlen auf der Stirn stehen, und schicke dem Chef ein E-Mail, dass ich hier weiterschreibe. Er gibt das O.K. Trifft sich gut, da ich den Triesenberger Vorsteher Christoph Beck zu einem Thema befragen sollte. Er hat Zeit und kommt für das Gespräch ins «Gwirbi Coworking». 

 

Nochmals die Werbetrommel rühren

Auch der Gemeindevorsteher kann dem Projekt viel abgewinnen. «Wir haben einige Male versucht, das alte Rathaus zu vermieten, doch wir hatten kein Glück. Jetzt hat es endlich wieder einen Nutzen. Und das Gute daran: Es ist ein Angebot für die Einwohner Triesenbergs», sagt er. Das «Gwirbi Coworking» soll sich zu einem festen Standbein in der Gemeinde entwickeln. Neben den flexiblen Arbeitsplätzen will das Team auch fixe Nutzer gewinnen, die täglich Leben in das Rathaus bringen. Deshalb will das «Gwirbi»-Team vor allem in Triesenberg nochmals die Werbetrommel rühren. Denn für viele sind flexibles Arbeiten und dessen Vorteile neu. Aber jene, die es bisher ausprobiert haben, sind begeistert.

Auch ich bin begeistert. Das «Gwirbi Coworking» wurde mit viel Liebe eingerichtet. Und das Team steht mit Begeisterung hinter dem Projekt. Ich weiss nun, wohin ich «fliehen» kann, wenn es in der Redaktion zu laut oder zu heiss ist, um an einem Hintergrundbericht konzentriert arbeiten zu können. (manu)

Triesenberger Nutzer über das «Gwirbi»

Daniel Bühler: «Ich bin über Facebook aufs ‹Gwirbi› aufmerksam geworden und fand es spontan eine Super-Idee, einen halben Tag pro Woche von hier aus zu arbeiten. Ich wohne in der Nähe und kann zu Fuss kommen. Gerade für administrative Arbeiten finde ich es ideal, weil ich abseits des Tagesgeschäfts konzentriert arbeiten und Kundentermine am ‹Bäärg› wahrnehmen kann.»

Marc Schädler: «Ich habe die Zeit im ‹Gwirbi› für Prüfungsvorbereitungen genutzt, konnte aber nur abends kommen. Das war für die Betreiber überhaupt kein Problem und alles wurde tipptopp organisiert. Mir hat es sehr gut gefallen, alle sind sehr freundlich und die Atmosphäre ist sehr entspannt – genau richtig zum Arbeiten.»

Manuel Beck: «Ich komme zum Arbeiten ins ‹Gwirbi›, weil ich im Homeoffice nicht die nötige Ruhe habe. Hier lenkt mich nichts ab und ich schaffe viel in kurzer Zeit. Dass ich in der Nähe wohne, ist zusätzlich sehr praktisch. Ich werde sicher noch oft hier anzutreffen sein.»

Renate Feger: «Ich brauche für meine Arbeit nur meinen Laptop und mein Handy. Hauptsächlich für die Vor- und Nachbereitung von Besprechungen – das kann ich überall machen. Ich bin aber kein Homeoffice-Typ, weil ich Arbeit und Privates lieber trenne. Im Heimatdorf ums Eck zu arbeiten, ist aber gerade mit Familie ideal. Ich bin froh, dass mir eine Bekannte vom ‹Gwirbi› erzählt hat.»

 

27. Jun 2019 / 14:04
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