• Sagenfest, Triesenberg
    Madlen Schädler hat sich als Schauspiel-Nachwuchstalent einen Namen gemacht.  (Tatjana Schnalzger)

Brennen à la Madlen Schädler

Madlen Schädler singt, spielt und schreit auf der Bühne. All das hat sie grosse Überwindung gekostet. Trotzdes grossen Lampenfiebers hat die Triesenbergerin ihren Weg auf die Bühne gefunden – eine Leidenschaft ist entbrannt.
Triesenberg. 

Die Erinnerung an ihren Monolog beim letzten Sagenfest ist für Madlen Schädler noch lange nicht verblasst. Als ein armes Mädchen ihre Arbeit als Magd bei einem Bauern antritt, stirbt just an ihrem ersten Arbeitstag das Kind des Bauern. Schuld daran kann nur die neue Magd sein, so erklärt er sich sein bitteres Schicksal. Die Geschichte endet tragisch, die Magd wird als Hexe denunziert, ins Gefängnis geworfen und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 

«Es ist schon das zweite Mal, dass ich beim Sagenfest als Hexe brenne», erzählt Nachwuchstalent Madlen Schädler aus Triesenberg und lacht. Das erste Brennen vor drei Jahren muss den liechtensteinischen Schauspieler Andy Konrad überzeugt haben. Mit Konsequenzen: Sie bekam nicht nur Rollenangebote beim Sagenfest, sondern auch beim «Kumeedischmaus». Das Schwierigste an dieser Rolle war die Szene auf dem Scheiterhaufen. «Ein lauter Schrei stand im Drehbuch», erzählt sie. Und dafür habe sie wochenlang mit Konrad geübt. Immerhin sollten die Zuschauer eine Gänsehaut bekommen. «Andy ist ein so guter Regisseur, gibt mir Tipps. Ohne ihn würde ich das niemals schaffen», sagt Madlen Schädler.

«Grosse Überwindung gekostet»
«Denn eigentlich bin ich schüchtern», gibt sie zu. Umso mehr Überwindung hat es sie gekostet, das erste Mal eine solche Rolle zu spielen. Schon in der Schule war es für sie eine Horrorvorstellung, vor Menschen zu sprechen, Referate vor der ganzen Klasse machten sie unglaublich nervös. Und diese Nervosität ist für die Hobby-Schauspielerin bis heute geblieben. Auch nach drei Jahren Erfahrung auf der Bühne beschreibt sie das Lampenfieber als riesig. 
Nach ein paar Minuten verfliegt die Nervosität aber wieder, so schnell wie sie gekommen ist. «Hinter der Rolle kann ich mich verstecken und der einstudier­te Text gibt mir Sicherheit». Anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums hauchten Regisseur Andy Konrad und Autorin Christiani Wetter ­allen Stücken des Sagenfestes etwas Historisches ein. Eine besondere Herausforderung, aber nicht die einzige. Während der Vorstellungen beim vergangenen Kumeedischmaus musste sie gleich zu Beginn auf die Bühne, um lautstark und inbrünstig ein kurzes Lied zum Besten zu geben. «Das hat mich grosse Überwindung gekostet», erzählt sie. In einem anderen Stück sollte sie einen österreichischen Dialekt nachahmen. Auch das war nicht leicht für sie. Trotz der inneren Anspannung vor dem Auftritt findet sie in ihrem Hobby eine Art Ausgleich zum Beruf, auch wenn durch die Arbeit im Gastgewerbe wenig Freizeit bleibt. Hier kann sie abschalten, sich nur auf das Stück konzen­trieren. 
Weil sie und ihr Vater sich als Wirte vom Schlucher-Treff in Malbun nach fünf Jahren verabschieden, bleibt jetzt auch mehr Zeit für ihre neue Leidenschaft, die Schauspielerei. Ihr Vater hatte zwar immer Verständnis, wenn sie für eine Probe einmal früher Schluss machen musste, und hat sie unterstützt. Doch leicht zu koordinieren war es mit ihrer Arbeit im Schlucher-Treff nicht. Die Gastronomie kennt bekanntlich keine geregelten Arbeitszeiten. 

Eine Familie mit Talent
Dass ihr Vater, Poldi Schädler, Verständnis hat, ist naheliegend: Er steht selbst gerne auf der Bühne. Ihr Onkel Marco Schädler schreibt Stücke und spielt auch selbst. Das Bühnentalent wurde ihr also praktisch in die Wiege gelegt. Gerne würde sie auch mal mit ihrem Vater auf der Bühne stehen, mit dem sie nicht nur zusammen den Schlucher-Treff führt. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie gemeinsame Sache machen. Nein, sie arbeitete auch in seinem Unternehmen in Triesenberg. Sie absolvierte eine Lehre als Architektur-Modellbauerin, arbeitete beim Vater im Betrieb. Die Auftragslage verschlechterte sich und ein Wechsel stand an. Madlen Schädler fürchtet sich nicht vor Veränderungen – im Gegenteil. «Mir wird sehr schnell langweilig. Das muss am Sternzeichen Zwilling liegen», erzählt sie und lacht. Kein Wunder, ist sie so vielseitig. Sie sang schon im Balzner Chor. Und hat angefangen, Saxofon zu lernen. 

«Ich bringe Menschen gern zum Lachen»
Am Schauspielern liebt sie eben diese Abwechslung. Eine Rolle als Bösewicht oder als Mörderin? Ja, das würde sie reizen. Am liebsten spielt sie die lustigen und heiteren Rollen. «Es machtSpass, die Menschen zum Lachen zu bringen», erzählt sie. 
Die Reaktionen der Zuschauer direkt und unmittelbar zu sehen, das beflügelt sie. Wenn jemand zu Tränen gerührt ist, dann findet sie aber das genauso toll.
Und obwohl sie bei der Schauspielerei Blut geleckt hat und auch einmal grössere Rollen spielen möchte, will sie ihr nicht hauptberuflich nachgehen. «Es ist nicht einfach, nur von der Schauspielerei zu leben.» Es soll für sie ein Hobby bleiben. Madlen, die im Steg wohnt, wird auch beim nächsten Kumeedischmaus und Sagenfest wieder dabei sein. Ob sie dann zum dritten Mal in ihrer Rolle brennen wird oder schreien muss, das weiss sie selbst noch nicht. (dal)

29. Jun 2019 / 07:00
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