• Hexenfolter: Geständnisse wurden erzwungen.
    Hexenfolter: Geständnisse wurden erzwungen.  (clu)

Oh Liechtenstein, mein Hexenland

Zuerst gehängt, dann verbrannt. Dieses Schicksal widerfuhr vielen Liechtensteinern. Doch ist die Hexenzeit mit Triesen am engsten verbunden.

In ganz Europa loderten die Scheiterhaufen im 17. Jahrhundert. Damals starben vermeintliche Hexen und Hexenmeister, weil sie Verleumdungen und einer pervertierten Weltsicht zum Opfer fielen. Angeklagte der Hexerei «gestanden» unter Folter Seuchen zu verursachen, an Hexensabbaten teilzunehmen und – zu guter Letzt – auch  Unzucht mit dem Teufel zu treiben. In Liechtenstein befanden sich sowohl Gericht als auch Folter auf Schloss Vaduz, auf dem über 300 Personen in der Zeit der Hexenprozesse verurteilt wurden. Wurzelt die Vorstellung von Hexen, die durch die Luft flogen und Schadenszauber ausübten, im Spätmittelalter, war die Hexenverfolgung ein mehrheitlich neuzeitliches Thema. Ihren Höhepunkt fand sie in den Herrschaften Vaduz und Schellenberg von 1598 bis 1680. Prozentual zur Bevölkerung richtete Liechtenstein, das in jener Periode von den Nachbarländern mit dem Beinamen «Hexenland» betitelt wurde, nach dem Fürsterzbistum Salzburg am meisten Hexen hin. Davon war jedoch nicht nur das weibliche Geschlecht betroffen. So steht im Historischen Lexikon für das Fürstentum Liechtenstein geschrieben: «Die Hexereivorstellungen waren vornehmlich auf das weibliche Geschlecht ausgerichtet, wurden aber in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, einem allgemeinen Trend entsprechend, auch in Vaduz und Schellenberg verstärkt auf Männer bezogen.» 

Die Denunzianten – oder «Brenner» – aus Triesen wüteten wild. Aufgrund der Beschwerde des Triesner Pfarrers Valentin von Kriss, die zum damaligen Kaiser gelangte, verbot Fürstabt Rupert von Kempten alle Prozesse 1681. Von Kriss hatte 1680 die Beschuldigte Katharina Gassnerin vom Galgen gerettet und landete dabei selbst auf der Liste der zu verfolgenden Hexenmeister. 

Ein Stoff für Geschichten und Sagen
 

Tragische Ereignisse sowie dunkle Zeiten müssen verkraftet werden, deswegen verarbeiten sie Gesellschaften in kulturellen Erzeugnissen wie Geschichten. In Liechtenstein fand die Hexenverfolgung ihren Weg durch mündliche Überlieferungen und in die Belletristik. Sagen über die Hexerei könnten Bücher füllen und Romane wie «Die Hexe vom Triesnerberg» von Marianne Maidorf sind Teil der Liechtensteiner Literaturgeschichte. Phantastische Sagen berichteten, wie sich Hexen in Tiere verwandelten. In einer schoss ein Triesner Wilderer einen Fuchs an, der beinahe vom Triesner ergriffen, kurzerhand seinen Fluchtweg von Triesen nach Triesenberg erklomm und dort in einem Haus Unterschlupf fand. Am nächsten Tag vernahm der Triesner Wilderer, dass in diesem Haus eine angeschossene Frau verstorben sei. Er hatte also eine Hexe erschossen. 

Tobelhocker bis heute tabuisiert

Auch Sagen von Nachbarländern rührten von den Ereignissen im «Hexenland» Liechtenstein her. Der Galgen in Vaduz nahm dabei eine präsente Rolle ein. Beispielsweise verfiel ein Grabser in Tiefschlaf bei einem gefühlt unendlichen Gang zu seinen Weidetieren. Als er aufwachte, lag er unter dem Galgen in Vaduz. Er glaubte, verhext zu sein, denn eine Brücke über den Rhein gab es in der damaligen Zeit nicht.
Die wohl berüchtigtsten Sagen handeln von den Tobelhockern. Otto Seger schrieb dazu in «Sagen aus Liechtenstein»: «Die Sage von den Tobelhockern ist eine Abwehr der Unglücklichen gegen die Angeber, die «Brenner», welche viele Menschen durch ihre Anzeigen dem Tode überliefert haben.» Weil die Verantwortlichen der Hexenverbrennung nicht ausreichend zu Rechenschaft gezogen wurden, bildete sich die Volkslegende, dass sie und ihre Nachkommen die Zeit nach ihrem Ableben bis zum Jüngsten Gericht im Lawenatobel verharren mussten. Den Liechtensteinern und vor allem den Triesnern war es über Generationen hinweg bekannt, wer zu den Tobelhockern zählte und wer nicht. Vor allem ältere Liechtensteiner wissen auch heute noch die entsprechenden Familiennamen, geben diese aber nur hinter vorgehaltener Hand weiter. Zu gross ist die Befürchtung, auch heute noch jemanden zu beleidigen. (dam)

 

12. Sep 2019 / 08:35
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