• Philippe Hefti in Triesen
    Philippe Hefti gründete «Die Getränkeoase» vor 25 Jahren in Triesen  (Daniel Schwendener)

«Mama, Getränke kauft man bei Philippe!»

Der Inhaber von «Die Getränkeoase» weiss, welche Vorzüge ein Getränkehändler gegenüber dem Gang zum Supermarkt hat.
 
Herr Hefti, was hat Sie in den Getränkehandel geführt?
Philippe Hefti: Meine Eltern hatten bereits einen Getränkehandel, in dem ich schon als Junge gerne mitgeholfen habe. Der Kontakt mit den Kunden und die Bewegung haben mir gefallen. Später habe ich im elterlichen Betrieb gearbeitet. Vor 25 Jahren habe ich dann mit der «Getränkeoase» mein eigenes Unternehmen gegründet.
 
Vom Konzept her wollten Sie sich klar von Ihren Eltern abgrenzen. 
Sie haben damals vor allem Mineralwasser und Bier verkauft. Meine Idee war, von Beginn an ein breiteres Sortiment aufzubauen. Ich orientierte mich an der Nachfrage der Kunden und startete mit Weinen aus der Toskana. Das war damals in unserer Region noch etwas Besonderes. Es folgten Spirituosen für die gehobene Gastronomie, und seither bauen wir unser Angebot immer weiter aus.
 
Ihr Geschäft befindet sich im Triesner Industriegebiet. Wie sind Sie zu diesem Standort gekommen? 
Ich habe den Getränkehandel von meinem Vater übernommen, der mit diesem zuvor von Vaduz nach Triesen übergesiedelt ist. Unsere heutige Lage ist ziemlich zentral, was das Oberland betrifft. Ausserdem ist die Autobahn in der Nähe, sodass wir unsere Kundschaft im Unterland und in der angrenzenden Schweiz ebenfalls schnell erreichen.
 
Bei Getränkehändlern muss man nicht nach der Saison, sondern eher in die andere Richtung fragen.
Juni und Juli sind relativ anstrengende Monate für uns, weil viele Veranstaltungen anstehen. Nach der Skisaison und im Herbst haben wir hingegen kurze Verschnaufpausen, in denen etwas weniger los ist. Anschliessend gehen wieder die Weihnachtsfeiern los und darauf folgt die Fasnacht. Hinzu kommen allgemeine Veranstaltungen wie Geburtstage, Jubi­läen und Verbandsfeste, die sich wiederholen. Es gibt im­mer etwas zu feiern.
 
Welche Produkte sind in der Getränkeoase gefragt?
Gin ist momentan sehr beliebt. Wir haben inzwischen über 100 Sorten im Angebot, davon 50 an Lager. Rumspezialitäten laufen ebenfalls sehr gut. Bei der jüngeren Kundschaft steigt die Nachfrage nach Craft Beer – dieser Trend ist allerdings noch in der Anfangsphase. 
 
Und wenn wir einmal vom Alkohol absehen?
Seit Kurzem führen wir das Mineralwassser «Piz Sardona», wel­ches vom gleichnamigen Berg stammt und in Mels abgefüllt wird. Es ist von uns aus die nächstgelegene Quelle, was den Vorteil kurzer Transportwege mit sich bringt. Die Nachfrage nach diesem Mineralwasser ist enorm gestiegen, man findet die Marke auch immer häufiger in Restaurants. Unsere Kunden konsumieren generell bewusster als früher und achten mehr auf regionale Produkte.
 
Supermärkte bieten eine unüberschaubare Palette an Getränken. Zudem kann man dort den gesamten Einkauf am Stück erledigen. Welche Vorteile bietet der Gang zum Fachhändler? 
Es kommt oft vor, dass jemand in unserem Geschäft nach einem Getränk fragt, das er im Ausland getrunken hat. Wenn ein Kunde einen Wunsch hat, setze ich alles daran, um ihm diese Ferienerinnerung zu einem vernünftigen Preis zu organisieren. Ein Supermarkt ist an sein Sortiment gebunden, kann in der Regel keine Einzelbestellung tätigen. Durch unsere europaweiten Kontakte zu Spezialisten sowie Importeuren können wir auch geringe Mengen eines Produkts bestellen.
 
Damit können Sie direkt Marktforschung betreiben.
Sobald jemand kommt und ein spezielles Getränk wünscht, werde ich hellhörig. Erst verkaufen wir solche Waren nur auf Anfrage. Wenn sich diese Bestellungen jedoch häufen, nehmen wir die Produkte mit der Zeit ins Sortiment auf. Man muss schon sehr aufmerksam sein und mit den Kunden reden, damit das Geschäft läuft. Es macht mir auch Spass, neue Getränke kennenzulernen. Pro Jahr fügen wir unse­rem Angebot rund 150 neue Produkte hinzu. In unserem Onlineshop bieten wir derzeit über 2800 Getränke an.
 
Ein zusätzlicher Pluspunkt ist die persönliche Beratung.
Genau, wir können auf die individuellen Anliegen eingehen und nehmen uns auch die Zeit dafür. Nicht jeder weiss, was er genau will. Gerade wenn es um Geschenke geht, sind die Kunden oft froh um eine Empfehlung. Mit unserer Erfahrung können wir auch weiterhelfen, wenn jemand eine Veranstaltung plant. Wir berücksichtigen Kriterien wie die Art des Anlasses, die Gästezahl sowie auch das Budget und versuchen, ihm eine sinnvolle Empfehlung zu geben.
 
Ein Service, den die Kunden zu schätzen wissen.
Wenn zum Beispiel eine Mutter mit der Tochter zu uns ins Geschäft kommt, geben wir zum Einkauf gerne noch ein kostenloses Getränk dazu. Wir handhaben es also immer noch so wie früher der Metzger mit dem Wursträdchen. Eine treue Kundin wollte einmal Wasser im Supermarkt kaufen, da habe das Kind zu ihr gesagt: «Nein Mama, die Getränke kaufen wir beim Philippe!»
 
Hat ein Getränkehandel weitere Vorzüge? 
In den grossen Ketten erhält man die Getränke oft nur in PET-Flaschen, während wir unsere Produkte überwiegend in Glasflaschen verkaufen und das Leergut zurücknehmen. Der Konsument ist aufmerksamer geworden. Viele wollen auf diese Abfallstoffe verzichten, die sich bei PET mit der Zeit nachweisbar lösen und ins Getränk übergehen. Diesbezüglich haben Glasflaschen klar eine bessere Qualität. Doch auch die PET-Flasche hat ihre Berechtigung. Sie ist zum Beispiel praktischer, wenn man unterwegs ist. Ein weiterer Vorteil ist sicher auch unser Lieferservice.
 
Welche Herausforderung hat man als Getränkehändler? 
Auf freie Wochenenden muss man leider oft verzichten beziehungsweise man muss sich in der Nähe des Geschäfts aufhalten. Die meisten Veranstaltungen finden am Samstag oder Sonntag statt. Das Schlimmste, was passieren könnte, ist, dass bei einem Fest die Getränke ausgehen. 
 
In den vergangenen Jahren schlossen viele traditionelle Lokale in Liechtenstein. Inwiefern spürt man als Getränkehändler ein solches «Beizensterben»? 
In der Summe ist sicher ein kleines Minus da, das sich nicht ganz aufholen lässt. Ausserdem gibt es Neueröffnungen und die Veranstaltungen im Land bewegen sich auf einem hohen Niveau. Kürzlich wurde in Triesen eine Dorfbeiz wiedereröffnet und sie läuft meinem Eindruck nach ziemlich gut. Es gibt also durchaus auch positive Beispiele.
 
Hand aufs Herz: Würden Sie im Jahr 2019 noch einmal einen Getränkehandel eröffnen?
Ehrlich gesagt, würde ich wohl alles noch einmal genau gleich machen. Meine Arbeit macht mir Spass und die positive Rückmeldung der Kunden bestärkt mich. Meiner Meinung nach würde im Land schon etwas fehlen, wenn es die «Getränkeoase» nicht mehr gäbe. (Interview: gk)
12. Sep 2019 / 22:51
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