Geschichte zum Anfassen

Brauchtum Wenn am 25. und 26. Mai wieder das Heerlager auf der «Oberen Burg» Schellenberg veranstaltet wird, können Interessierte hautnah miterleben, wie die Handwerke, Bräuche und Gepflogenheiten des Mittelalters ausgesehen haben.

Ein Zelt als Dach über dem Kopf sowie Töpfe und schmiedeeiserne Pfannen für das Kochen – das ist zumindest die Grundausstattung, über welche die Mittelalter-Fans verfügen, wenn sie sich auf ins Heerlager machen und das Lagerleben geniessen. Doch am übernächsten Wochenende gibt es in Schellenberg noch weit mehr zu sehen und zu entdecken. Der Mittelalter Verein Liechtenstein hat zahlreiche Gruppen eingeladen, welche den Besucherinnen und Besuchern unter anderem historische europäische Kampfkünste, die mittelalterliche Braukunst oder das Schmiede- und Drechselhandwerk präsentieren werden.

Die Faszination des Mittelalters
Es ist im 21. Jahrhundert zugegebenermassen ein seltsamer Anblick, all diese Menschen in ihren mittelalterlichen Gewandungen zu sehen und sie dabei zu beobachten, wie sie mit Holz- und Tonschalen, Trinkhorn und Krügen hantieren, des mittelalterlichen Handwerks mächtig schmieden und drechseln, Bogen bauen oder Feuerstellen errichten. Was fasziniert an einer Epoche, in der Ritter, Burgherren und Minnesänger lebten, aber die auch von der Leibeigenschaft, der Pest und der bitteren Armut überschattet war? Warum ziehen Ritterspiele und Mittelalterfeste heute  so viele Menschen an? «Es sind ja nicht nur die Veranstaltungen selbst, die Spass bereiten – sondern auch die Zeit der Vorbereitung», erklärt Daniel Mathis, Präsident des Mittelalter Vereins Liechtenstein, seine Faszination. Während dieser Zeit beschäftigen er und die Mitglieder des Vereins sich mit der «Darstellung» bzw. dem Auftritt, was viel Recherche und Zeit bedeute. Ebenso wie das Nähen der mittelalterlichen Gewandung, die dann auf den Märkten und Festen getragen werde.

Mit Hexenverfolgung nichts zu tun
Mathis betont, dass viele Irrtümer über das Mittelalter vorherrschen. «Es fängt schon damit an, dass viele nicht wissen, welche Zeit das Mittelalter umfasst.» So würden viele neuzeitliche Erscheinungen dem Mittelalter zugeschrieben – zum Beispiel die Hexenverfolgung, die in Europa überwiegend in der frühen Neuzeit stattgefunden und ihren Höhepunkt zwichen 1550 und 1650 erlebt habe. «Auch Geräte wie die ‹Eiserne Jungfrau› oder der Keuschheitsgürtel werden zu Unrecht dem Mittelalter zugeschrieben», weiss Mathis. Grundsätzlich seien drei Phasen des Mittelalters zu unterscheiden: Das Frühmittelalter sei geprägt gewesen vom Wandel im politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bereich – so war die Christianisierung ein grosses Thema. Das Hochmittelalter sei die Blütezeit des Rittertums, des Lehnwesens und des Minnesangs. Es war auch gekennzeichnet durch den Aufschwung von Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Im Spätmittelalter sei es schliesslich zu einer politischen Krisenzeit und Grundsatzkonflikten zwischem dem Kaiser- und dem Papsttum gekommen – es erfolgte der langsame Übergang in die Frühe Neuzeit.

Handgemachte Speisen und Met-Bier
Weil bei der Mittelalter-Veranstaltung in  Schellenberg die so genannten Heerlager im Vordergrund stehen, an denen den Besuchern das Werken und Leben aus verschiedenen Jahrhunderten und Orten nähergebracht wird, ist der Anlass für Daniel Mathis «Living History» – also Geschichte zum Anfassen. Und so sei es auch ein Treffpunkt für alle: Bekannte Gesichter, die sich austauschen, zusammen handwerken oder sogar Handel betreiben – aber auch Neulinge würden Anschluss finden. «Das Heerlager ist zudem nicht nur für Fans des Mittelalters, sondern auch ein ideales Ausflugsziel für Familien. Oder einfach, um den Tag bei Speis und Trank zu geniessen.» Wer die handgemachten Speisen kenne, wisse, dass man sich diese nicht entgehen lassen dürfe. «Dazu ein feines Met-Bier und ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm, was will man mehr?», freut sich Daniel Mathis bereits auf das übernächste Wochenende. 

Neben Schwertvorführungen, Gauklereien, Bogenschiessen oder Kräuterwanderungen und Kinderführungen gibt es am 26. Mai zudem zwei weitere Highlights, um den Liechtenstein-Weg zu lancieren. Die Gruppe «Skadefryd» hat ein Lied über Liechtenstein komponiert, ausserdem haben sich drei Gaukler etwas Besonderes einfallen lassen und werden in ihrer Märchenstunde das Land in den Mittelpunkt stellen. (dv)

17. Mai 2019 / 08:30
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