• Tafel Kulturweg Schaan, beim TAK
    Die Stationen des Kulturweges Schaan sind durch Informationstafeln gekennzeichnet.  (Gary Kaufmann)

Wanderung zurück in die Vergangenheit

Hätten Sie gewusst, dass früher Palmen in Schaan gewachsen sind und das «Pestkappile» vom Mühleholz in den Duxwald versetzt wurde? Diese Informationen und weiteres Wissenswertes vermittelt einem der Kulturweg Schaan.
Schaan. 

Erstmals wurde die Gemeinde Schaan 842/843 im Rätischen Reichgutsurbar urkundlich erwähnt. Über die Jahre sammeln sich in einer Gemeinde zahlreiche Geschichten an. In Schaan sind einige davon an 21 Stellen, die von besonderer kultureller Bedeutung sind, auf Tafeln festgehalten. Der Rundweg um den Ortskern startet beim «Landweibels-Huus» und führt über eine sechs Kilometer lange Strecke zum Rathaus. Eingeweiht wurde der Kulturweg Schaan am 29. September 2007 anlässlich des Besuchs von Erbprinz Alois und Erbprinzessin Sophie. «Die zahlreichen Orte, Gebäude und Objekte sind Zeugen der Herkunft und kulturellen Entwicklung unserer Gemeinde», hält Vorsteher Daniel Hilti in der Begleitschrift fest. «Mit dem Kulturweg möchte die Gemeinde einen Beitrag zu einem positiven und lebendigen Geschichtsverständnis leisten.»

Zwei Siedlungskerne in Schaan vorhanden

Wer der vorgegebenen Nummerierung folgt, erfährt zuerst, dass das Landweibels-Huus seit 1988 unter Denkmalschutz steht. Die architektonisch einmalige Gebäudegruppe hat einen Wohnturm, der über vier Stockwerke reicht und wohl um 1562 herum für den damaligen Landammann Hans Schierscher erstellt wurde. Die nächste Tafel findet sich am Fuss der Obergass, wo im vierten Jahrhundert ein Kastell die Grenze des Römischen Reiches vor den vorrückenden Alemannen sicherte. Als diese 200 Jahre später in Schaan sesshaft wurden, entstand in der Specki ein zweiter Siedlungskern. Ein Zeichen hiervon findet sich bis heute mit den beiden Kirchen St. Peter und St. Laurentius, an denen der Kulturweg ebenfalls vorbeiführt.

Spaziergang durch Rückzugsgebiet

Nach den ersten Tafeln führt der Rundweg die Obergass entlang, womit ein steiler Aufstieg einhergeht. Der Text beim Torkelgebäude teilt mit, dass die Rebfläche für den Schaaner Weinbau 1890 noch 8,3 Hektar umfasste. Heute sind es etwa 2,6 Hektare und nur einer der fünf Torkel ist erhalten geblieben. Am Villenviertel und an der Stein Egerta vorbei verlässt man allmählich das besiedelte Gebiet und schreitet in den Duxwald. Vor einer Million Jahren standen dort tropische Magnolien, Palmen und Zimtbäume, bis sie der Eiszeit weichen mussten. Mitten im Gehölz findet sich auch das «Pestkappile», welches an die Rheintaler Pestepidemie um 1740 herum erinnert. «Weil die Bewohner des nördlichen Teils von Triesenberg aus Furcht vor der Seuche sonntags der Kirche fernblieben, gelobten sie, im Mühleholz ein Pestkappile zu errichten», steht auf der Tafel. Aufgrund einer Strassenkorrektion wurde sie 1971 an ihren aktuellen Standort verlagert.

Den Höhepunkt der Wanderung hat man beim Waldspielplatz Dux erreicht. An Abzweigungen markieren jeweils blau-weisse Tafeln, welche Richtung der Kulturweg einschlägt. Gelegentlich bieten sie auch Hinweise, wo man die Stecke abkürzen oder einen erweiterten Rundgang einschlagen kann. So auch bei der Duxkapelle, deren Weihe der ehemalige Papst Johannes Paul II. im September 1985 erneuerte. Der erweiterte Rundgang führt über das Kloster St. Elisabeth zum Meierhof Gamander, indem sich heute der Historische Verein findet. Weitere Stationen sind das Bürgerheim und das Bildgasskappile, ehe man mit der alten Pfarrkirche St. Laurentius den alemannischen Siedlungskern der Gemeinde erreicht.

Ein Kulturgebäude ist schon Geschichte

Unterhalb der alten Pfarrkirche sorgte die Römerstrasse einst für «einen florierenden Fernhandel». Am Bahnhof ist nachzulesen, dass dieser seit 1986 unbesetzt ist, «als die automatisch gesteuerten Schrankenanlagen in Betrieb genommen wurden». Unweit davon stand bis vor einigen Monaten noch das Hotel Post, in dem der Wirt Josef Wachter ab 1872 die erste Poststelle in Schaan führte. Davor wurden die «spärlich aufkommenden Postsendungen zur Hauptsache durch Boten über das Postamt Feldkirch vermittelt». Mit dem Abriss des Gebäudes hat die Gemeinde ein prägendes Kulturgut verloren.

Über die Kirchstrasse führte der Kulturweg weiter zum «Theater am Kirchplatz» (TAK). Das Theatergebäude wurde zeitweise auch zum Turnen genutzt. «In den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts erfüllte das Gebäude über längere Zeit die Funktion eines Notschulhauses», verrät die Tafel. In seiner heutigen Form wird das TAK seit 2005 betrieben. Als vorletzte Station folgt die Pfarrkirche St. Laurentius, die 1893 eingeweiht wurde. Das sakrale Bauwerk «beanspruchte trotz Eigenleistungen und Fronarbeit mehr als das Vierfache der damaligen Steuereinnahmen». Der Kulturweg endet am Rathaus, welches früher als Schulhaus fungierte.

Vergangenheit zu Fuss entdecken

Der Kulturweg Schaan bietet einen weitreichenden Einblick in die Vergangenheit der Gemeinde. Zudem zeichnet er die Entwicklung von einer kleinen Siedlung mit 1000 Einwohnern bis zur aktuellen Situation auf. Mit einem Abstecher in den Duxwald bietet er auch einen erholsamen Abstecher in die Natur, was einen Kontrast zum Industriegebiet und den Wohnblöcken im Tal darstellt. Die Gebäude, die man unterwegs erblickt, haben über die vollbeschriebenen Tafeln so einige spannende Geschichten zu erzählen. (gk)

12. Nov 2018 / 10:05
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