• Sagen Ruggell
    Aus Ruggell sind 6 Sagen überliefert.

Sagenhaftes aus Ruggell

«Das ist für mich die lebenswerteste und liebenswerteste Gemeinde im Unterland. Zwar wusste ich als Bub kaum, wo Ruggell lag (‹im Tschüggerland halt›), und wir nannten die Ruggeller Mälhasa (Mehlhasen). Warum, wusste ich nicht», so Sagenerzähler Herbert Hilbe
Ruggell. 

Trotz des alträtoromanischen Namens (runcaglia «Rodung») ist Ruggell als Dorf sehr jung. Es ist anzunehmen, dass der Name ursprünglich für eine der Rodungen am Eschnerberg verwendet wurde. Erst im 16. Jahrhundert kann man im Gebiet Oberwiler von einer Siedlung (mit Zollhaus) sprechen. Das Moor hatte zuvor eine Besiedelung verunmöglicht. Wohl auf einer rundlichen Moorinsel wurde die Siedlung ausgebaut. Noch heute ist die runde Anlage des Dorfkerns von Ruggell gut zu erkennen.

Nun zu den Geschichten und Sagen. Der Faden meines Anfangsgedankens ist noch nicht zu Ende, und da gäbe es manche Geschichten. Nun. Im Gymnasium (im zweiten oder dritten Schuljahr) erhielt unsere Klasse einen neuen Mitschüler. Einen Ruggeller, der bisher im Aargau wohnte. Bald stellte sich heraus, dass wir Gemeinsamkeiten hatten. In der kaufmännischen Berufsschule traf es mich wieder mit ihm zusammen, und da war noch einer, der ob Ruggell in Schellenberg wohnte und ein Lehrer, der in Gamprin wohnte. Kurzum, unsere Klassenaktivitäten waren rund um den westlichen Eschnerberg angelegt. Die Geschichten und Geschichtchen darüber seien hier verschwiegen.

Nach der Lehre: Landwirtschaftsamt. Ausmerzaktionen, Bauernbesuche, Sonder-Ausmerzaktion. Den Viehhändler und die Bauern lernte ich kennen. Pferdesteak im Rössle. Einige Jahre später wurde ich angefragt, die Moderation einer Kommission zu übernehmen, die im Küefer-Martis-Huus ein Museum planen sollte. Viele Sitzungen in Ruggell, Erstellung des Museumskonzepts. Ein intensives Jahr und das Museum war bereit. Die unkomplizierten Diskussionen und der Umgang mit den Ruggellern und Ruggellerinnen ist mir heute noch in bester Erinnerung. Tschügger? Mitnichten. Nächster Schritt: Namenbuch, Flurnamen und Sippschaftsnamen. Viele Nachmittage zuhause bei einem Ruggell-Lexikon auf zwei Beinen. Der Mesmer kannte jeden und jede – und sonst wusste er auch alles, was ich wissen wollte. «Sippschaftsnamen? Gibt es bei uns nicht. Wir haben Hausnamen.»

«Für Ruggell finden sich in meiner Sammlung 6 Sagen»

Wie ich bereits bei der Gemeinde Schellenberg angedeutet habe, ist im nördlichen Teil Liechtensteins die Anzahl der Sagen eher spärlich. Für Ruggell finden sich in meiner Sammlung sechs Sagen, die eindeutig Ruggell zugeordnet werden können. Hier spielt für Ruggell die späte «Dorfwerdung» eine Rolle. Eine Erzählkultur dürfte eher spät entstanden sein, und auch der Transportweg aus dem Toggenburg hinterliess keine erzählerischen Spuren. Zu den sechs Sagen kann man aber sicher die historische Sage von den Zwingherren auf dem Schellenberg zählen, die alle Bewohner des Eschnerbergs unterjochten.

Die Sage vom versunkenen Bad …

Die bekannteste Sage von Ruggell ist diejenige vom versunkenen Bad. Wie bei der Triesner Sage zum Bad Vogelsang, musste die Badeanstalt «verschwinden», weil Alkohol- und Sexgelage überhand nahmen. Eine kleine, eher humorvolle menschliche Geschichte ist die Sage «Ross und Geiss»: Ein Ruggeller Bauer hatte ein schönes und gutes Pferd im Stall. Er war sehr stolz auf dieses, und als das Tier plötzlich eines Tages unruhig wurde und zu schwitzen begann, machte er sich grosse Sorgen. Er wurde zornig und fluchte: «Teifl, loss mr s Ross i Rua, wega dr Gooss isch s mer gliich.» Anderntags lag die Ziege tot im Stall.

… und diejenige von einer Zigeunerin

Eine ebenfalls weniger bekannte Sage handelt von einer Zigeunerin: In Ruggell lebte ein Bauer, dem nichts gedieh. Nicht im Stall und nicht im Haus. Als einmal fahrendes Volk vorbeikam und bei ihm übernachtete, meinte eine Frau aus der Gruppe, sie könne ihm helfen. Um das Pech, von dem er verfolgt wurde, zu beheben, solle er unter der Stalltür graben. Der Bauer folgte ihr und fand beim Graben ein Büschel Haare von verschiedener Herkunft und darin einen kleinen Knochen von einem Kind.

Die Zigeunerin nahm Haarbüschel und Knochen und sagte, sie werde es dorthin bringen, wo es hergekommen sei. Der Bauer, der neugierig war, folgte ihr heimlich und sah, wie sie zum Haus einer Nachbarin ging, von der er schon lange glaubte, dass sie ihn mit einem Schadenzauber belegt hatte.

Die Sage vom Ruggeller Kappili: An der Lettastrasse in Ruggell stand früher ein Kappili. Dieses hatte ein Fuhrmann errichten lassen, nachdem er mit seinem Gespann bei Hochwasser in die Fluten des Rheins geraten war. Er hatte in der Not gelobt, eine Wegkapelle errichten zu lassen, wenn er den Strudeln heil entkäme. Der Fuhrmann kämpfte gegen die Flut und strandete auf einer Kiesbank, wo er auf das Ende des Hochwassers warten konnte, um sich dann mit dem Fuhrwerk auf den Heimweg zu machen. (hh)

 

18. Mai 2018 / 10:41
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