• Sibirische Schwertlilie
    Die Sibirischen Schwertlilien verwandeln das Ruggeller Riet in ein blaues Blütenmeer.  (Picasa)

Der verletzliche Schatz des Ruggeller Riets

Die Sibirische Schwertlilie ist seit rund 10 000 Jahren im Ruggeller Riet zu finden. Der Bestand geht allerdings Stück für Stück zurück.

Nach dem Rückzug des Gletschers der letzten Eiszeit ist die Sibirische Schwertlilie mit anderen Riedpflanzen etwa vor 10 000 Jahren von Osten über den Donauraum in das Rheintal und somit auch ins Ruggeller Riet eingewandert. Seither verwandelt sie die Rietlandschaft der nördlichsten Gemeinde Liechtensteins mit ihren grossen Beständen mehr oder weniger jedes Jahr in ein blaues Blütenmeer und stellt damit einen der beeindruckendsten Anblicke des Alpenrheintals dar. Sie  lockt Ende Mai auch viele Besucher an. Typisch wäre die Blütezeit Anfang Juni. Durch die Klimaerwärmung hat sich diese allerdings tendenziell nach vorne verschoben und ist sowohl witterungs- wie auch temperaturabhängig. 

Wie Josef Biedermann, Präsident der Zoologischen Gesellschaft Liechtenstein-Sarganserland-Werdenberg (BZG), erklärt, sei die Sibirische Schwertlilie eine sehr attraktive Pflanze, die in Ruggell auch «Blaue Ilge» genannt werde. «Den volkstümlichen Namen ‹Herrgottsblume› erhielt sie, weil früher die Altäre für die Fronleichnamsprozession mit den blauen Schwertlilien geschmückt wurden.» 

Noch etwa eine Million Exemplare in Ruggell
Die grössten Vorkommen der Pflanze im Alpenrheintal gab es Schätzungen zufolge gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Seither sind die Standorte immer weniger geworden. «Die Sibirische Schwertlilie gilt in Liechtenstein und auch in Europa als gefährdet», sagt Rudolf Staub, Biologe und Vorstandsmitglied der BGZ. Ursprünglich profitierte die blaue Ilge auf den Schwemmböden von der Dynamik der Fliessgewässer, die ihr immer wieder kleine Lebensräume schuf. Und ihre grossen Vorkommen verdankte sie laut Josef Biedermann der jahrhundertelangen extensiven landwirtschaftlichen Nutzung durch den Streueschnitt der Riedwiesen, die eine Verbuschung und Verwaldung verhinderten. In Liechtenstein konnten nach Mario F. Broggi, der die Arbeit «Verbreitung und Vorkommen der Sibirischen Schwertlilie in Liechtenstein-Sargans-Werdenberg – einst und jetzt» (2010) schrieb, noch 18 Standorte nachgewiesen werden. Sechs dieser Fundorte liegen in Naturschutzgebieten – so zum Beispiel im «Schneggenäule» in Ruggell oder in den Streuewiesen «Wisanles» im Maurer Riet. Weitere Bestände finden sich auf den letzten Riedwiesen des Eschner Bannriets und im Bangserfeld. 

Wie viele Exemplare im Ruggeller Riet heute noch zu finden sind, sei schwierig einzuschätzen, erklärt der Präsident der BGZ. Man geht wohl noch von rund einer Million Pflanzen aus, die dort blühen. Die Rietlandschaft der nördlichsten Gemeinde des Landes zeichnet sich somit eigentlich immer noch als geeigneter Lebensraum aus. Denn die Sibirische Schwertlilie mag es wechselfeucht. So ist die blaue Iris auch eine Charakterart der Pfeifengras-Streuwiesen. «Diese Wiesen sind ungedüngt und werden spät geschnitten. Hier ist sie eine typische Art der Riedflächen», erklärt Rudolf Staub. 

Zum Schutz der Natur Verhaltensregeln befolgen
Dennoch werden es auch in Ruggell immer weniger Exemplare der wunderschönen Pflanzenart. Deshalb plädiert Josef Biedermann dafür, dass die südlichen Streuewiesen ins Naturschutzgebiet Ruggeller Riet einbezogen werden. «Wichtig für den Erhalt der Iris-Lebensräume sind Verbesserungen der Standortbedingungen», erklärt er. Wünschenswert wäre auch eine Verschiebung des Streueschnittes im Talraum – beispielsweise auf Anfang Oktober. «Somit könnten der wohlriechende Lauch, der Lungen-Enzian und der Schwalbenwurz-Enzian noch versamen.»

Ebenfalls wichtig für den Erhalt des Ruggeller Riets als Lebensraum für eine reiche Pflanzenwelt und seltene sowie gefährdete Vogelarten ist, auf die Verhaltensregeln zu achten und diese unbedingt einzuhalten. So sollten Spaziergänger den Weg nicht verlassen und Hunde immer an der Leine geführt werden. «Verschiedene Arten kommen nur noch im Ruggeller Riet vor. Vögel reagieren teils sehr empfindlich auf Störungen am Nest. Insbesondere durch freilaufende Hunde», sagt Rudolf Staub. Um eben solche Störungen zu vermeiden, sind während der Brutzeit einzelne Wegverbindungen gesperrt. Tafeln machen darauf aufmerksam. (jka)

11. Mai 2020 / 22:45
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Lova Center
Zu gewinnen einen Lova Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken.
10.03.2020
Facebook
Top