• Dieses Jahr musste der Schaanwälder Funken zum ersten Mal seit der Vereinsgeschichte verschoben werden.

Über 1000 Arbeitsstunden für den Frühling

Seit 45 Jahren ist die Funkenzunft Schaanwald für den Erhalt der Tradition verantwortlich, die im Weiler den Winter vertreibt.

Dieses Jahr war für die Funkenzunft Schaanwald nicht nur angesichts des 45-Jahr-Jubiläums eine Besonderheit. Am Funkensonntag machte ihnen Sturmtief «Eberhard» einen Strich durch die Rechnung. «Zum ersten Mal in unserer Vereinsgeschichte mussten wir das Anzünden verschieben», erinnert sich Zunftmeister Harald Senti. Beim Gespräch im «Funkahüsle» kann er darüber scherzen, weil sowohl der erste als auch zweite Termin gleich viele Gäste anlockte: «Für uns ist es ein ziemlich lukratives Jahr gewesen.» Es sei damals die richtige Entscheidung gewesen, den Funken eine Woche später zu entzünden. Die Sicherheit gehe vor.

Traditionen wie die Funkenwacht werden in Schaanwald grossgeschrieben. So ist klar, dass der Vize-Funkenmeister jeweils den Fackelzug mit den Kindern anführt und nach dem «Lehrjahr» automatisch seinen Vorgesetzten ablöst. Vom «Büschela», über das Christbaum-Einsammeln bis zum Aufbau kämen acht Arbeitstage zusammen, wobei circa 20 Helfer insgesamt über 1000 Stunden im Einsatz seien. Diese Zahl beeindruckt sogar den Zunftmeister: «Das habe ich bisher gar nicht so gerechnet.» Hinzu kommt, dass die Funkenzunft bei Gemeindeveranstaltungen gelegentlich die Festwirtschaft übernimmt. Entlohnt würden die Mitglieder für ihren ehrenamtlichen Einsatz durch gesellige «Feierabende».

Funkenhexe nicht mehr das, was sie einmal war
Gemäss Senti sei es für «richtige Schaanwälder» eine Ehrensache, sich der Funkenzunft anzuschliessen. Während viele als Jugendliche dazustossen, hat Jochen Matt das Hobby relativ spät für sich entdeckt, als er 2003 in eine andere Gemeinde gezogen ist. «Ich habe zu meiner Frau gesagt, dass ich etwas im Schaanwald haben muss», so der amtierende Funkenmeister. Im Verhältnis zu den knapp über 800 Einwohnern weist der Verein eine beachtliche Mitgliederzahl auf: Aktuell stehen 61 Namen auf der Liste, wobei sich Geschlecht, Alter und Berufe bunt durchmischen. Es gäbe keine Voraussetzungen für die Mitgliedschaft, berichtet Jochen Matt. Ausser die Bereitschaft, sich die Hände schmutzig zu machen.
Nicht alle Traditionen sind gekommen, um zu bleiben. So haben mittlerweile gesetzliche Vorgaben dem Streit um den höchsten Funken in Liechtenstein ein Ende gesetzt. So dürfte den Schaanwäldern den Rekord von 25,5 Metern keine andere Gemeinde mehr streitig machen – seither messen sich die Zünfte nur noch am jährlichen Funknerwettkampf, den als nächstes die Schaanwälder am 18. September im Weiherring organisieren. «Wir sammeln kein Holz für den Markt, sondern machen Waldputzete», ergänzt Emanuel Matt vom 
Küchenteam. Zum Lustenauer Weltrekordfunken (knapp 60 m) sagt er: «Eine sensationelle Leistung, aber damit sind gleich drei ‹Energiestadt›-Label für die Katz.» Für ihn sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Hexe auf dem Funken einer weniger anstössigen Figur weiche. Harald Senti ist da anderer Meinung. Sein Argument: Er habe zu Hause keine Hexe, sondern eine Frau. «Böller» hat der Zunftmeister letztes Jahr nicht mehr in die Puppe gestopft. Stattdessen hat er den Knall erstmals extern gezündet. 2020 soll ein ausgebildeter Pyrotechniker das übernehmen.

Klimaerwärmung beendet «Fassduga»-Skirennen 
Ein legendärer Bestandteil der Vereinsgeschichte seien die sechs durchgeführten «Fassduga»-Skirennen gewesen: Auf Brettern rutschte man vom Funkenplatz aus den Hangparcours hinunter, wobei die Füsse an einem Riemen befestigt waren und mit einem Haselnussstecken gesteuert wurde. Der ganze Schaanwald habe sich für das Rennen versammelt, schildert Senti. Dabei sei es aus sportlicher Sicht überhaupt nicht spannend gewesen, da meistens derselbe gewann. Das letzte Mal wurde die Schaanwälder Besonderheit im Jahr 1987 veranstaltet, wobei sich Emanuel Matt vor 18 Jahren um eine Renaissance bemühte. Zusammen mit einem anderen Mitglied habe er eine Woche lang an einer Piste gearbeitet. «Zum Funkensonntag hat es uns alles verschifft», blickt er zurück. Auf die Schneesicherheit könne man sich nicht mehr verlassen.
Über das Highlight bei der Funkenzunft sind sich alle drei Mitglieder einig: Sobald nach getaner Arbeit das Feuer entzündet wird und alles ohne Vorfälle glatt über die Bühne geht.  «Auf dem Funkenplatz ist es wie in einer anderen Welt», formuliert Senti. Das nächste Mal ist es am 1. März wieder so weit. (gk)

16. Nov 2019 / 07:00
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