• Der Streckenabschnitt von Schaanwald nach Mauren.

Geschichte hautnah

In der #näherdran-Reihe wird der «Liechtenstein-Weg» in Mauren-Schaanwald skizziert.
Mauren-Schaanwald. 

Auf dem 75 Kilometer langen Liechtenstein-Weg, der anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums realisiert wurde und durch alle Gemeinden führt, können auf der App «LIstory» 147 sogenannte Erlebnisstationen erkundet werden. An den Stationen, dessen Inhalte vom Liechtenstein-Institut im Auftrag von Liechtenstein Marketing er­stellt wurden, können zahlreiche Informationen zur Liechtensteiner Geschichte abgerufen werden. Bisher wurde die App schon über 10 000-mal heruntergeladen und aus 179 Einreichungen zur zweitbesten Schweizer App gewählt. Neben dieser Silbermedaille in der Masterkategorie gewann die App beim Best of Swiss Apps Award eine Gold-, zwei Silber- und eine Bronzeauszeichnung. 

Zollamt Schaanwald

Themen des Wegs: Grenzübertritte ...

Kriegsflüchtlinge und patriotische Feiern
Der südliche Start des Liechtenstein-Wegs befindet sich beim Zollamt Schaanwald-Tisis, wo es um die Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg geht. «Ein Strom von 10 000 Flüchtlingen wollte 1945 über die Gren­ze nach Liechtenstein», erklärt Martin Knöpfel von Liechtenstein Marketing. Das neu gegründete Liechtensteinische Rote Kreuz, die Behörden und die Pfadfinder versorgten die angekommenen Kriegsflüchtlinge und ehemaligen KZ-Häftlinge an der Grenze, die später in die Schweiz weitergeleitet wurden. Auch schon während des Kriegs war Liechtenstein Zufluchtsort von jüdischen Flüchtlingen, denn insgesamt 210 jüdische Personen überdauerten hier den Krieg. Die meisten Flüchtlinge nahm das Land jedoch in den 1990er-Jahren auf: 350 Menschen aus Bosnien-Herzego­wina und 600 Kosovaren. Nach dieser ersten Station führt der Weg weiter zum Gsteuen­gut hinauf, wo das Verhalten des Landes im Zweiten Weltkrieg thematisiert wird. «Liechtenstein kam vergleichsweise gut durch die Kriegsjahre», erklärt Knöpfel. Um die innere Geschlossenheit des Landes zu demonstrieren, wurden in dieser Zeit patriotische Feiern eingeführt, wie zum Beispiel der 1940 eingeführte Staatsfeiertag.

Funken Heraböhel in Mauren

… die Brauchtümer des Landes …

Die Brauchtümer des Landes
Vom Grenzweg geht der Weg weiter hinauf zum Schaanwälder Funkenplatz, wo der Funkenbrauch im Zentrum steht. «Dieser ist im 19. Jahrhundert entstanden und wird am Sonntag nach Aschermittwoch abgebrannt», so Knöpfel. Die meisten Bräuche – wie jene um die Weihnachtszeit, die Fasnacht oder die Alpabfahrten – entstanden aus der kirchlichen oder bäuerlichen Lebenswelt. Nach diesem Ausflug zum Waldrand führt der Weg hinunter zum Gemeindesaal Zuschg, wo es um das frühe Transportwesen geht. An dieser Stelle, wo sich früher eine Pferdeumspannstation (= Zuschg) befand, führte die alte Handelsroute von Deutschland nach Italien vorbei. Diese Zuschg diente einerseits als Lagerhaus, wo die Übergaben der Waren stattfanden, und andererseits als Pferdeumspannstation. Die ersten Autos im Land gab es erst Anfang des 20. Jahrhunderts. «Diese sind auf grosse Ablehnung gestossen, da sie zu viel Staub aufwirbelten», erzählt Martin Knöpfel. Erst als die Strassen in den 1920er-Jahren geteert wurden, stieg deren Akzeptanz. 1936 gab es noch 150 im Land registrierte Autos. Heute jedoch gibt es mehr Autos wie Einwohner und Pendlerströme, die regelmässig Staus verursachen. 

Von der Bodenreform zur Rheinüberschwemmung
Von der Zuschg aus führt der Weg ins Riet, wo es um Bodenreformen und Bürgerrecht geht. Bei der Privatisierung des Gemeindebesitzes wurden die Böden den einzelnen Bürgerhäusern zugeteilt, wovon einige nur das Nutzungsrecht erhielten. Bis zum 20. Jahrhundert war dabei auch noch die Rede von «inländischen Fremden». Das sind Personen, die zwar Liechtensteiner waren, aber das Gemeindebürgerrecht ihrer Wohngemeinde nicht besassen. Vom sumpfigen Riet geht das Thema über zur Rheinüberschwemmung von 1927. Diese Katastrophe wird beim Denkmal beim Vogelparadies aufgegriffen. «Da­mals sind zwei Menschen ertrunken, und es entstand ein Schaden von zehn Millionen Franken», erläutert Knöpfel. Doch die Solidarität der umliegenden Länder sei sehr gross gewesen. Auch Fürst Johann der Zweite spendete eine Million für den Wiederaufbau. Drei Monate lang dauerte es, bis der gebrochene Damm wieder geschlossen werden konnte. Auf der App sieht man nicht nur ein Augmented-Reality-Modell des Landes, das die Dimension der Überschwemmungen zeigt, sondern auch Erlebnisberichte von Betroffenen. 

Von Seidenzucht, Juden und Milch
Auf dem Weg zur Fallsgass kommt man bei einem Punkt vorbei, wo es früher eine Seidenraupenzucht gab, um Seide herzustellen. Von dieser Zucht sind heute nur noch einige Maulbeerbäume übrig. Weiter Richtung Popers geht es um das Thema Juden, wo laut mündlicher Überlieferung einst eine Synagoge stand. Juden kamen erstmals 1637 ins Land. Die circa 100 Leute hatten einen ei­genen Gemeindevorsteher wie auch ein eigenes Ehegericht. Die heutigen Flurnamen Jodagass und Jodaböchel erinnern an diese Zeit. Von der Fallsgass führt der Weg weiter zur ehemaligen Sennerei, wo es um die Milchwirtschaft und deren Entstehung geht. Seit 1879 gab es in Mauren eine genossenschaftliche Dorfsennerei, in der bis in die 1970er-Jahre Milchprodukte hergestellt wurden. «Die Zahl der Milchbauern ist in den letzten Jahrzehnten stark gesunken, doch die Milchmenge stieg bei gleicher Anzahl Kühe», so Knöpfel. Bei der Kirche geht es um den Historiker, Pädagogen und Politiker Peter Kaiser, der 1793 in Mauren geboren wurde. 1847 erschien sein Hauptwerk «Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein», der damit die hiesige Geschichtsforschung begründete. 1848, nach Aufständen in Paris, Berlin und Wien, gab es auch in Liechtenstein eine Revolutionsbewegung, die die Abschaffung der Feudallasten wie auch eine freiheitliche Verfassung forderte. Mit dem Landrat wurde zwar das erste Parlament gewählt, es wurde jedoch einige Jahre später wieder abgeschafft und das Land kehrte bis zur Verfassung von 1862 zum Absolutismus zurück. 
Weiter geht es zum Kul­tuhaus Rössle, wo sich alles ums Thema Musik dreht. «Früher musizierte man häufig in Wirtshäusern, wo verschiedene Tanzkapellen aufspielten.» Das Gasthaus Rössle war seit dem 19. Jahrhundert neben Freizeitveranstaltungen auch ein wichtiger politischer Versammlungsort. Einen kulturellen Aufschwung gab es 1862, als die Vereinsfreiheit zugelassen wurde. In dieser Zeit entstan­den in allen Gemeinden Blasmusik- und Gesangsvereine. In den 1940er-Jahren fanden die ersten Operettenaufführungen statt und die Musikschule wurde 1963 gegründet.
 

Mehrere Todesfälle beim Schmuggeln
Weiter der Hauptstrasse entlang, den Berg hinauf, befindet sich oberhalb des Felsband­wegs der letzte Punkt in Mauren. Hier geht es um das Thema Schmuggel. «Früher wurde hauptsächlich Salz, Nahrungsmittel und Nutztiere geschmuggelt.» 1852, nach dem Abschluss des Zollvertrags mit ­Österreich, verlagerte sich der Schmug­gel an die Schweizer Grenze. Im Ersten Weltkrieg ­erlebte das Schmuggelwesen ei­ne richtige Blütezeit. «Schmuggeln war teils sehr gefährlich. Mehrere Personen sind beim Schmuggeln im Rhein ertrunken», so Knöpfel. Mit dem Zollvertrag mit der Schweiz endete der weitverbreitete illegale Warentransport. Hier endet der Mauren-Abschnitt des Wegs, der hinauf zur Burg Schellenberg weiterführt. (mk)

 

13. Nov 2019 / 07:00
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