• Diese Bäume wurden ursprünglich vom Biber gefällt. Die Mitarbeiter des Amtes für Bevölkerungsschutz haben diese aus der Esche gezogen, um sie abzutransportieren.

Esche: Der Biber ist ein Faktor zu viel

Bekanntlich tritt die Esche schnell einmal über die Ufer. Biber verschärfen das Problem und sollen nun vertrieben werden.
Mauren-Schaanwald. 

Bei Starkregen steigt ihr Wasserspiegel schnell an: Die Esche im Liechtensteiner Unterland tritt immer wieder über die Ufer. Die Schrebergärten in Eschen und der Sportpark Eschen/Mauren bekommen das Hochwasser am meisten zu spüren, auch die Industrien von Eschen und Mauren sind gefährdet. «Die Esche ist das Gewässer in Liechtenstein, welches am schnellsten an seine Grenzen stösst», sagt Elmar Ritter vom Amt für Bevölkerungsschutz. 
Früher lief der circa acht Kilometer lange Bachlauf alle fünf bis zehn Jahre über, heute ist dies alle zwei Jahre der Fall, ­obwohl bei den Zuflüssen der Esche grosse Hochwasser-Retentionsräume geschaffen werden konnten. Mehrere Faktoren beeinflussen die Abflusskapa­zität der Esche. Seit vier Jahren kommen die Bautätigkeiten des Bibers hinzu, welche die Bachsohle trotz aufwendiger Unterhaltsarbeiten zusätzlich ansteigen lässt und dadurch das Abflussprofil noch geringer wird. Deshalb sollen nun Massnahmen ergriffen werden, um die Nager zu vertreiben. Wandern die Biber nicht ab, werden sie entnommen und getötet.

Von der Ried- zur Siedlungsentwässerung
Die Gründe dafür, dass die Esche immer wieder an ihre Kapazitätsgrenze stösst, liegt auch in ihrer Vergangenheit. Bis ins 19. Jahrhundert war die Esche als Riedbach fisch- und krebsreich und deshalb auch unter dem Namen Krebsbach bekannt, wie im Historischen Lexikon nachzulesen ist. Zwischen 1938 und 1942 wurde der Bach systematisch reguliert, um das Ried zu entwässern und so die Landwirtschaft zu stärken. Da das Grenzgewässer in Vorarlberg entspringt, wurde diese Regulierung in Zusammenarbeit mit Österreich realisiert. Allerdings war man sich über die Ausbauwassermenge nicht einig und suchte eine Kompromisslösung, wie Elmar Ritter sagt. «Liechtenstein wollte eigentlich, dass die Esche eine grössere Wassermenge ableiten kann.» 
Mittlerweile hat die Esche nicht nur die Funktion der Riedentwässerung, sondern sie hat auch die Funktion als Vorfluter der Siedlungsentwässerung inne. Durch die im Einzugsgebiet der Esche immer grössere Siedlungsdichte gelangt auch immer mehr Wasser durch die Siedlungsentwäs­serung in den Bach. Hinzu kommt, dass sich heute beispielsweise das Industriegebiet Eschen oder der Sportpark Eschen/Mauren im Überflutungsperimeter der Esche befindet und so ein beträchtliches Schadenpotenzial mit sich bringt. «Das Abflussprofil der Esche ist generell zu klein für die Funktion, die sie erfüllen muss.»

Wasserspiegel steigt trotz Unterhaltsarbeiten
Seit nun vier Jahren kommt ein weiterer ungünstiger Faktor hinzu: der Biber. Das Nagetier hält sich vor allem im renaturierten Bereich der Industrie Mauren und beim Sportpark Eschen/Mauren sowie beim Egelsee auf. Allerdings wird die Esche aufgrund ihrer Abflusskapazität als kein geeignetes Bibergewässer angesehen. Durch das Bauen von Wohnhöhlen und Dämmen verschlammt und verwächst die Bachsohle mehr, wodurch sich das Abflussprofil noch zusätzlich verkleinert. Das Amt für Bevölkerungsschutz musste deshalb den Unterhaltsaufwand massiv intensivieren. Wöchentlich werden Dämme und gefällte Bäume entfernt. «Trotz des hohen Unterhaltsaufwandes verschlammt und verkrautet die Bachsohle der Esche aber immer mehr und der Wasserspiegel steigt weiter an», erklärt Elmar Ritter. Ein Zustand, der in der Esche nicht tolerierbar sei.

Ufer der Esche sollen vergittert werden
Aus diesem Grund wird nun mit baulichen Massnahmen versucht, den Biber zu vertreiben. Die Ufer der Esche werden in den betroffenen Bereichen vergittert, sodass das Nagetier keine Baute mehr erstellen kann. Die Kosten der Massnahmen belaufen sich auf 100 000 Franken und werden vom Land Liechtenstein übernommen. «Diese Bauarbeiten haben in einer ersten Phase sicher ne­gative Auswirkungen auf die Biodiversität», wird im aktuellen Gemeinderatsprotokoll von Mauren festgehalten. Doch innerhalb von zwei bis drei Jahren sollte sich die Situation wieder normalisieren. Falls sich trotz der Baumassnahmen immer noch Biber in der Esche befinden sollten, werden sie reguliert. Dieses stufenweise Vorgehen wird so vom Biberkonzept vorgegeben. 
Auch für den Biber ist der momentane Zustand mit Stress verbunden. Werden seine Dämme wöchentlich entfernt, muss er sie immer wieder aufbauen. «Diese Unterhaltungsarbeiten sind bereits Vergrämungsmassnahmen. Allerdings hat sich der Biber nicht ver­treiben lassen», sagt Cathérine Frick vom Amt für Umwelt. 

Mehr als 50 Biber in Liechtenstein heimisch
Seit der erste Biber im Jahr 2008 nach Liechtenstein zurückgekehrt ist, ist die Population stark angewachsen. Mehr als 50 Tiere sind heute hierzulande heimisch. In praktisch allen Talgewässern werden die Tiere nachgewiesen. Eine so starke Zunahme wie in den Anfangsjahren ist laut Experten nicht mehr zu erwarten, da alle idealen Reviere besetzt sind. Die Reproduktionsrate nimmt bei hoher Dichte tendenziell ab.
Aufgrund der Kleinheit des Landes ist das Konfliktpoten­zial jedoch gross, was ein aufwendiges Bibermanagement mit sich bringt. Standorte, welche für den Hochwasserschutz oder die Siedlungsentwässerung bedeutend sind, werden regelmässig, teilweise sogar täglich kontrolliert. Nur in wenigen Revieren kann der Biber ohne Einfluss des Menschen leben. (manu)

13. Nov 2019 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Citytrain
Zu gewinnen 2 x 1 Familientickets
16.06.2020
Facebook
Top