• Eugen Schafhauser beim Anfertigen einer seiner zahlreichen Zeichnungen.  (pd)

Tag und Nacht am Schreibtisch gesessen

In den Eschner Pfundbauten ist dem Eschner Heimatforscher Eugen Schafhauser (1901–1983) eine kleine Dauerausstellung gewidmet, der einiges zur Erfassung der Eschner Dorfgeschichte beitrug. Letzte Woche wurden erste Filmaufnahmen dazu gemacht.
Eschen. 

In dem «Schafhauser Stüble» in den Eschner Pfundbauten trafen sich an jenem Donnerstagvormittag zwei Nachkommen Eugen Schafhausers, Pater Rainer und Lotte Moser, mit René Wanger, dem Kulturbeauftragten der Gemeinde. Es ging darum, das Gespräch, in dem Erinnerungen von Lotte und Rainer zu einzelnen ausgestellten Gegenständen ausgetauscht wurden, im Film festzuhalten. 

«Er war kein Bauer»
Doch zurück zum Anfang: Nach der Sekundarschule absolvierte der Sohn des Landwirts und ehemaligen Gemeindevorstehers Rochus die landwirtschaftliche Schule in Rheineck. Er hätte jedoch schnell gemerkt, dass das nichts bringt. «Er war kein Bauer», sagt sein Sohn Rainer Schafhauser. So übergab er den Hof an seine Schwester Emma. Er orientierte sich neu und begann bei einer Versicherung zu arbeiten.  Später wechselte er für vier Jahre zur Rechtsanwaltskanzlei von Ludwig Marxer in Vaduz, wo er eine Lehre als Rechtsagent absolvierte. 1931 bis 1936 arbeitete er als Partner bei Dr. Merlin, mit dem er 1931 die Präsidial-Anstalt gründete. 1934 erhielt er die Konzession für Buchhaltung und Treuhand, was der Grundstein für ein selbstständiges Rechtsagentbüro ab 1936 in Eschen bildete. 

Bekennender Gegner der Nazis
Bei dem Treffen ging es auch darum, welche Verbindung Eugen Schafhauser zum Heimatdienst hatte. Eugen Schafhauser war der Initiant und erste Präsident dieser Bewegung, da er fand, dass es mit dem bestehenden Parteiensystem in Liechtenstein nicht mehr weitergehen könne. Aufgrund der Zerstrittenheit der Parteien befürchtete er eine wirtschaftliche Krise, die er mit dem Heimatdienst verhindern wollte. Für diese Bewegung klopfte er bei den wichtigsten Personen des Landes an und motivierte sie, sich dem Heimatdienst anzuschliessen. Doch schon zwei Monate nach der Gründung, im Dezember 1933, erklärte Eugen Schafhauser den Rücktritt und verliess den Heimatdienst, weil die Hitler-Befürworter die Bewegung für sich beanspruchten. Danach wollte er nichts mehr mit der Politik zu tun haben und wandte sich vermehrt der Wissenschaft zu. 
Den grassierenden Judenhass bekam die Familie Schafhauser mehrfach am eigenen Leib zu spüren, da sie eine jüdische Familie in ihrem Haus beherbergte. Einmal wurde in ihrem Garten ein Sprengkörper gezündet, sodass beide Stubenscheiben zerbarsten und einmal wurde die Weisstanne im Garten abgesägt und danach ohne Wurzeln wieder aufgerichtet. «Damit wollten sie den Juden Angst einjagen und sie vertreiben», berichtet Lotte Moser. 

Fokus auf die Lokalgeschichte
1945 war ein Wendepunkt in Schafhausers Leben, da er erkrankte. In dieser Zeit reifte in ihm auch die Entscheidung für eine stärkere Beschäftigung mit Geschichte. Als Erstes schrieb er einen Artikel über die St. Martins-
kirche in Eschen für das Jahrbuch des Historischen Vereins. Ab 1954 verfasste er mehrere Artikel für die genannten Jahrbücher sowie historische Bücher. Wie seine Kinder berichten, sass Eugen Schafhauser sehr oft auch in der Nacht an seinem Schreibtisch und tippte in seine «Continental». Sein erstes Buch widmete er der Geschichte von Eschen mit Blick auf den ganzen Eschnerberg. Später reichten seine Studien immer tiefer in die Geschichte hinein bis ins Mittelalter und bis nach Rätien. «Die Bücher waren immer ein grosses Thema in der Familie, weil wir alle helfen mussten, zu korrigieren», so Rainer Schafhauser. Insgesamt sieben Bücher hat Schafhauser verfasst. Die Unterländer Gemeinden, vor allem Eschen, unterstützten deren Herausgabe durch grosszügige Bücherkäufe . Sein letztes Buch widmete er der «Eschner Baukultur». Auch die Flurnamen waren ein Thema, das Schafhauser brennend interessierte. Der mit Karteikärtchen von Flurnamen gefüllte und in den Pfrundbauten ausgestellte Karteikasten wie auch die Register in den Büchern geben Zeugnis davon.
Wenn er beim Schreiben nicht mehr weiterkam, rief er jeweils seine spielkundige Frau, um mit ihm zu jassen. Seine Theorie dahinter war, das Gehirn wach zu halten und neuen Ideen Raum zu geben, erzählt seine Tochter Lotte. Das Spielen war für ihn eine Art Erholung, bei dem er oft auf neue Gedanken kam. 

Dorfansichten von früher
Seine Bücher illustrierte Schafhauser alle selbst. Schon in der ersten Klasse der Sekundarschule begann er, seine Zeichnungen zu nummerieren. Er sammelte sie und liess sie, vermutlich später, als Buch binden. «Er hat sogar selbst einen Atlas gemalt», berichtet Tochter Lotte. Während er zuerst vor allem Motive aus der Tierwelt zeichnete, wurden es später vor allem Ansichten von Häusern. Sie sind im Buch «Eschner Baukultur» gesammelt und kommentiert. Die gezeichneten Häuser waren vielfach abgebrannt oder abgerissen und auch nicht auf Fotos festgehalten. Deshalb malte er sie aufgrund von Erzählungen von alten Leuten im Dorf: «Wenn ich nach Hause gekommen bin, musste ich mit meinem Vater immer zu älteren Eschnern fahren», berichtet Tochter Lotte und ergänzt: «Er zeigte ihnen seine Zeichnungen, fragte, ob die Fenster am richtigen Ort seien. Sie mussten ihm helfen, seine Skizzen zu vervollständigen.» Insgesamt 96 Zeichnungen Schafhausers befinden sich im Archiv der Gemeinde Eschen, die er oft als Illustrationen für seine Bücher anfertigte. 

Präsident der Herz-Jesu-Wache
Wichtiges Thema in Schafhausers Leben war seine Gesundheit. «Dadurch hat auch seine Frömmigkeit angefangen», berichtet Sohn Rainer. Er hatte drei Kinder und musste immer schauen, wie er sie versorgen konnte. Um die Versorgung der Familie sicherzustellen, hatte er bald nach dem Krieg mit seiner Frau einen Laden eröffnet. Als um 1950 unter der Leitung von Jesuiten in Eschen eine «Mission» durchgeführt wurde, entstand, wohl zunächst bei Pfarrer Ludwig Jenal,  die Idee, eine Herz-Jesu-Ehrenwache zu gründen. So kam es, dass Schafhauser nicht nur diesen Dienst übernahm, sondern auch deren Präsident wurde. Während dieses Dienstes schrieb er über Jahre jeweils am Herz-Jesu-Freitag Gebete, die seine Tochter Lotte Moser nach seinem Tod in einem Buch, von dem es nur wenige Exemplare gibt, binden liess. Auch Mutter Luzia schätzte den Glauben.  Über die Jahre pilgerte sie mit ihren Sorgen sechs Mal zu Fuss nach Einsiedeln. 

Kleines Schafhauser-Museum in Eschen
Ein grosser Teil von Schafhausers Hinterlassenschaften befindet sich im Eschner Gemeinde- wie im Landesarchiv in Vaduz. Einiges wurde nun in den Pfrundbauten in Eschen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: In einem Raum, dem nachgebauten «Büro», sind einige Möbelstücke und Gegenstände wie ein Schreibpult mit Karteikästen und seiner Schreibmaschine, Bücher, seine Melone, sein Spazierstock und die Aktentasche, die er über 50 Jahre lang beinahe täglich benutzte. Auch wurde ein Schlafzimmer eingerichtet mit einem Bett und Gegenständen aus Eugens Elternhaus. Im Schafhauser Stübli, 
wo einige Zeichnungen von Eugen hängen, hält der Verein Eschner Dorfgeschichte seine Sitzungen ab, um wie in Schafhausers Sinne die Geschichte lebendig zu halten. (mk)

28. Nov 2018 / 17:38
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