• Bei der Zieleinfahrt: Das Prär-Skirennen im Jahr 1999 oberhalb von Mäls in Balzers.

Prär und Loch – die Balzner Skirennpisten

Die südlichste Gemeinde Liechtensteins hat sein eigenes kleine Skigebiet: Auf Prär und im Loch haben viele Balzner Skifahren gelernt und so manches Rennen bestritten. Das letzte Kinderskirennen fand 2010 oberhalb das Dorfteils Mäls statt.
Balzers. 

Oberhalb des historischen Dorfteils St. Peter im balznerischen Mäls befindet sich ein Ort, der für viele Balzner ein Begriff ist: Prär. Prär ist eine kleine Hochebene, von wo aus der Blick über die Dächer von Balzers streifen kann. Darüber wird es steiler – ideal für den Schneesport im Winter. Seit 1940 führt der Skiclub Balzers in unregelmässigen Abständen das Skirennen auf Prär durch. Denn eine Durchführung ist nur bei genügend Schnee möglich. Doch gerade in den 40er- und 50er-Jahren gab es für die Balzner Skirennfahrer keine grossen Alternativen. Wenn möglich wurden die Skier gebuckelt und den Hügel hinaufgetragen, um anschliessend die Abfahrt zu geniessen.

Die Skier hinter der Kirche versteckt
Erich Nipp, Ehrenmitglied des Skiclubs Balzers, kann sich gut an die früheren Zeiten erinnern. Vor allem der Sonntag wurde zum Skifahren genutzt. Um nach der kirchlichen Andacht schnellstmöglichst auf den Skier zu sein, wurden die Bretter bei der Kirche hinter der Hecke versteckt. «Nach der Messe ging es schnurstracks Richtung Lida», erzählt er. Die Alp Lida liegt höher als Prär und die Schneeverhältnisse waren oft besser. Doch die Kinder mussten einen einstündigen Fussmarsch zurücklegen, bis sie den Hügel hinunterflitzen konnten. Das nahmen sie jedoch gerne in Kauf: «Für uns war es ein Highlight im Winter», erzählt der 79-Jährige. Auch an den traditionellen Skirennen auf Prär nahm Erich Nipp regelmässig teil. Mit Erfolg, wie er erzählt. Als Gewinn winkten Naturalpreise, was übrigens bis heute noch vom Skiclub Balzers beibehalten wird. «Wir Jungs ergatterten uns die Sackmesser, die Mädchen eher Puppen.»

Mit dem Lautsprecher durchs Dorf gefahren
Das erste Kinderskirennen fand im Jahr 1940 – ein Jahr nach der Gründung des Skiclubs Balzers – auf der Allmeind statt. Rund 40 Kinder und Jugendliche nahmen daran teil. Später wurde das Kinderskirennen auf Prär verlegt. Erich Nipp erinnert sich noch gut, wie damals der Skiclub-Präsident mit einem Lautsprecher auf dem Autodach durchs Dorf fuhr und das Kinderskirennen ankündigte. Die kleinen Rennfahrer versammelten sich bei der damaligen Bäckerei und gemeinsam marschierten sie mit den Skiern auf den Schultern nach Prär. 
In der Festschrift, welche zum 50. Jubiläum des Skiclubs Balzers im Jahr 1989 erschienen ist, steht geschrieben, dass die Teilnehmer bei den ersten Rennen sogar die Rennstrecke hinaufrennen mussten. «Das erklärt mindestens zum Teil auch die gewaltigen Zeitabstände», ist in der Broschüre zu lesen. Das Kinderskirennen sorgte für viel Spannung. Das Können der Teilnehmer sei sehr unterschiedlich gewesen und es kam vor, dass auch auf der kurzen Strecke auf Prär ein Fahrer überholt wurde. Es konnte auch sein, dass einer Fahrerin der Ski brach und sie zu Fuss ins Ziel rannte – und nicht Letzte wurde, wie ebenfalls in der Festschrift nachzulesen ist. Erich Nipp beschreibt die Piste als kurz, aber anspruchsvoll – besonders die Strecke durch das steile Loch. Denn die Ausrüstung war in den 40er-/50er-Jahren kein Vergleich zu heute. «Wir hatten zwei Bretter und Äste als Skistöcke», erzählt er. 
Damals nahmen es die Organisatoren mit der Zeitmessung noch nicht so genau. Mit einer Fahne kündigten sie den Start an und im Ziel massen sie die Zeit von Hand mit einer Stoppuhr. Auch die Tore wurden mit Ästen aus dem Wald selbst gebaut und die Startnummern aus Leintüchern der Fix AG zugeschnitten und von Hand beschriftet. 

Ein grosses Dorfereignis mit vielen Teilnehmern
Nicht nur die Schneeverhältnisse, sondern auch Misthaufen, die vom Landwirt ausgeführt wurden, stellten die Organisatoren vor Herausforderungen. So kam es, dass die Rennstrecke um den Mist herum geführt werden musste, wie sich Nipp erinnert.
Das Skirennen auf Prär war immer ein grosses Dorfereignis. Rund 150 Kinder und Jugendliche nahmen jeweils teil. Im Rekordjahr waren es sogar 300 Teilnehmer. Fehlte der Schnee, konnte das Rennen nicht durchgeführt werden. Später wurde auch das interne Clubrennen auf Prär durchgeführt. Ab den 1960er-Jahren wich der Skiclub in schneearmen Wintern jedoch nach Steg,  Malbun oder Silum aus. 

Das letzte Prär-Skirennen war 2010
Trotzdem wird an der Tradition, das Kinderskirennen auf Prär durchzuführen, bis heute festgehalten. Das letzte Mal fand es im Jahr 2010 statt. Doch Erich Nipp, der auch heute noch den Skiclub tatkräftig unterstützt, ist der Überzeugung, dass es ziemlich sicher das letzte Prär-Kinderskirennen war. «Nicht nur der fehlende Schnee macht eine Durchführung schwierig. Es sind noch weitere Komponenten, die sich verändert haben.» Zum Beispiel das Parkplatzproblem, welches es früher gar nicht gab. Und auch die Präparierung der Skipiste sei nicht mehr so einfach. Denn früher war die Piste bereits vorgespurt. «Aber heute geht niemand mehr auf Prär Ski fahren. Wir mussten 2010 zu Fuss den Schnee treten, was ein grosser Aufwand war.» Doch Prär bleibt trotzdem ein Treffpunkt im Winter: Zum Schlitteln ist die kleine Hochebene ebenfalls bestens geeignet. (manu)

09. Apr 2019 / 14:06
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